Johannes „Jopi“ Heesters

Am Heiligabend verstarb der Sänger und Schauspieler im Klinikum Starnberg.

25. Dezember 2011 22:44 Uhr
Johannes Heesters

Johannes Heesters mit seiner Frau Simone in der Berliner Akademie der Künste (2004)

Umstrittener über die Jahrhundertgrenze 20/21 hinweg konnte kein Mitglied des deutschsprachigen Showbiz sein als Grandseigneur Johannes Heesters, der am Weihnachtsfest 2011 endlich 108-jährig sterben durfte. Allerdings hat ihm diesen zweifelhaften Ruf in erster Linie die Boulevard-Presse eingebracht.

Ja, gewiß: Der eine oder andere Neider, den es selbstverständlich auch (oder sogar: insbesondere?) in sogenannten Künstlerkreisen gibt, mag, Verständnislosigkeit spielend, dümmliche Fragen in die Welt gesetzt haben, wie „Hat er denn das nötig?“ oder „Warum hört er nicht endlich auf!“ oder „Merkt er nicht, dass seine Auftritte heutzutage peinlich wirken und seinen guten Ruf zerstören?“ Mag alles sein. Aber: Wer hatte darüber zu entscheiden? Ausschließlich doch wohl er selber! Und, solange es, nach wie vor, eine schier unzählbare Fangemeinde gab, waren seine – ohnehin immer seltener werdenden – Auftritte selbstverständlich legitim.

Seine charmante und gescheite zweite Frau, die begabte Schauspielerin Simone Rethel, gab sogar ihre eigene Karriere auf , um an seiner Seite zu leben und immer für ihn da zu sein. Der Chronist besinnt sich zurück auf jene Wochen des Jahres 1982, in denen er die liebreizende Nicodemi-Komödie „Scampolo“ mit ihr inszenierte oder durch die Gunst ihres Entdeckers, Axel von Ambesser, in dessen Gaunerkomödie „Die violette Mütze“ gemeinsam mit ihr vor der Kamera stand. Damals lebte sie privat in einer – wie sie nicht müde wurde, im Freundes- und Kollegenkreis zu berichten – sehr glücklosen Verbindung!

Und die Erinnerung reicht ebenfalls zurück in das Jahr 1992, in dem – zur großen Überraschung auch im Freundeskreis der jungen Kollegin – Heesters und Rethel heirateten und, bei aller Einschränkung der öffentlichen Beobachtung, offenbar zu einem der glücklichsten Paare wurden, die es je unter der Sonne zu finden galt.

Alles, was ihm Neider und Boulevardpresse darüber hinaus vorwarfen, dass er eine 45 Jahre jüngere Frau geheiratet habe, versank bald wieder in politischen Sumpflöchern: Ein Auftritt 1941 im Konzentrationslager Dachau zum Beispiel. Gewiss keine schöne Erinnerung und keine kluge Entscheidung. Aber hat er sie überhaupt damals selber gefällt? Wie weit reichte seine Eigenständigkeit in jener wüsten Zeit? Ein Gericht versuchte (überflüssigerweise und erfolglos), die Frage noch vor wenigen Jahren zu klären, dabei ist es doch so einfach: Heesters war nie ein homo politicus, er war ein Entertainer, und zwar ein glänzender!

Sein Platz war auf der Bühne vor mehreren hundert Zuhörern, die ihm zujubelten, nicht in einer Diskussionsrunde politisch versierter Journalisten an deren TV-Stammtisch. Dort musste er versagen, was seine nicht nachvollziehbaren Äußerungen über Hitler mehr als deutlich zeigten, als sie – unnötigerweise – an die Öffentlichkeit kamen, obwohl seine Frau Simone Rethel dies zu verhindern trachtete. Er trat zwar stets – auch gekleidet – wie ein Herr auf, aber er war nicht primär ein Herr, sondern er s p i e l t e einen solchen. Er spielte überhaupt alle seine Rollen, auch seine Lebensrollen. Und wer ihn in seinem Haus am Starnberger See besuchten durfte, konnte dieses Verhalten eines Menschen, der nie etwas anderes sein wollte als ein homo ludens, interessiert und sattsam beobachten. Jene Art von Beobachtung gipfelte darin, einen Mann kennenzulernen, der 24 Stunden lang ein Entertainer und darum bemüht war, mit zunehmendem Alter, die Reste seiner ehemals wirklich grandiosen Publikumserfolge hinüberzuretten in die späten Greisenjahre. Dies scheint ihm bis zu dem Dezembertag 2011 gelungen zu sein, als ihm im Klinikum die letzten Entscheidungen aus der Hand genommen wurden. Der Chronist möchte am Ende dieses Nachrufes bekennen: Nicht nur die Liebe meiner zwei Freundinnen und Kolleginnen Nicole, der Tochter, und Simone, der Witwe, wird ihm erhalten bleiben, auch die meine.

Text: Hans-Peter Kurr
Foto: Akademie der Künste, Mayer

0 Kommentare

Sie können der erste Kommentator sein.

Schreiben Sie einen Kommentar.