49 ½ Shades

St. Pauli Theater

29. Mai 2014 16:15 Uhr
49,5 Shades

Sado-Maso-Musical mit tanzenden Riesen-Pimmeln 

Text: Dagmar Ellen Fischer / Abbildung: St. Pauli Theater

Über 70 Millionen Mal ging „50 Shades of Grey“ weltweit über den Ladentisch, die Taschenbuchausgabe der Erotik-Trilogie verkaufte sich schneller als Harry-Potter-Bände! Und während die Kritiker das Buch ausnahmslos in die Tonne traten, fand es allein in Deutschland knapp 6 Millionen Käufer. Nun kommt die Sado-Maso-Liebesgeschichte zwischen Literaturstudentin Ana und dem Milliardär Christian als Parodie für Zuschauer ab 17 Jahren auf die Bühne, in Regie von Ex-Missfit Gerburg Jahnke, deren „Heiße Zeiten“ für einen Bühnen-Bestseller am St. Pauli Theater sorgten. Mit „49 ½ Shades“ kreierte sie ein neues Genre: das Pornical, eine Mischung aus Musical und unanständiger Komödie.

GODOT: Muss man das 600-Seiten-Buch gelesen haben?
Gerburg Jahnke: Nein, ich kenne kaum Frauen, die alle drei Bände gelesen haben. Die meisten kommen, weil sie davon gehört haben. Aber wer es kennt, hat einen kleinen Extra-Spaß …
GODOT: Woher kommt der Hype um das Thema?
Gerburg Jahnke: Als pornografische Autorin finde ich E. L. James nicht besonders gut, aber die Diskussion um den literarischen Wert ist ohnehin müßig. Der Erfolg hat zwei Gründe: Erstens gibt es kaum Pornografie für Frauen, die Masse an Büchern und Filmen richtet sich an männliches Lustempfinden, das etwas schlichter strukturiert ist; und zweitens bedient es den Traum von der wahren Liebe mit dem Märchenprinzen – nur dass der Prinz hier noch ein verdammt guter Liebhaber ist, allerdings mit besonderen sexuellen Vorlieben.
GODOT: Kollidiert eine solche Story nicht mit Ihrer Frauen-Power, für die Sie bekannt sind?
Gerburg Jahnke: Wir sind durch die Emanzipation gezwungen, sehr aktiv zu sein, auch im Bett. Frauenzeitschriften schreiben, was wir alles vorher erledigen und wo wir uns überall rasieren müssen, bevor wir überhaupt Sex haben dürfen – die Latte hängt sehr hoch! Wenn Feminismus bedeutet, dass ich immer oben liegen und den Sex unter Kontrolle haben muss, dann finde ich Feminismus echt anstrengend. Da ist die Vorstellung, dass ein Mann komplett die Verantwortung übernimmt und es ausschließlich um den Lustgewinn der Frau geht, sehr verführerisch.
GODOT: Wie drastisch geht es in Ihrer Fassung auf der Bühne zur Sache?
Gerburg Jahnke: Ich hab’ lange überlegt, wo wir die unanständigen Sachen hinstecken, und habe entschieden: Die Tänzer machen es als Schattenspiel, aber nicht realistisch, sondern als Karikatur.
GODOT: Wurde zur Vorbereitung Recherche in Sexshops oder am eigenen Körper betrieben?
Gerburg Jahnke: Bei uns gibt es eine Rahmenhandlung: Drei biedere Buchclubdamen wagen sich an „Shades of Grey“, und während sie lesen, werden die Figuren des Buches lebendig. Das regt die drei dazu an, selbst Neues auszuprobieren. Zum Beispiel Liebeskugeln. Also kauften wir Liebeskugeln und die drei Damen improvisierten mit diesem Originalgefühl – das ist im Stück eine sehr schöne Szene geworden …
GODOT: Gibt es weitere Fantasien zur Handlung?
Gerburg Jahnke: Einen Pandabären haben wir dazuerfunden als Symbol für sexuelle Passivität. Der kommt rein, legt sich auf die Couch, pupst und fängt an zu schnarchen. Die Zuschauerinnen wissen sofort: Das ist der Mann, den ich zu Hause auf dem Sofa habe, will ich den wirklich noch?
GODOT: Über was genau machen Sie sich lustig?
Gerburg Jahnke: In der Parodie haben wir das Rollenmodell umgedreht, unsere Ana ist ein Quarterback, ihr Liebhaber dagegen ein schmächtiges, kleines Männchen. Wenn sie loslegt, muss er sich in Sicherheit bringen. Das erzeugt eine Menge Komik.
GODOT: Und der Höhepunkt des Stücks?
Gerburg Jahnke: Vielleicht das Penisballett. Wir lassen drei Riesenpimmel über die Bühne tanzen, die cheerleadermäßig mit ihren Eiern lustige Dinge tun.

Aufführungen: 5.–8 Juni., jeweils 20 Uhr (Voraufführungen). Ab 10. Juni, jeweils 20 Uhr, St. Pauli Theater

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