Auf ein Wort – Bilanz des Kindertheatertreffens

Fundus Theater

28. Februar 2018 16:23 Uhr
Kindertheatertreffen 1

Aufgeregt: mit Stempel und Programm gewappnet fürs Kindertheatertreffen

Text & Fotos: Tilla Lingenberg

Nach einer auffallend abwechslungsreichen Woche ging das siebentägige Kindertheatertreffen „Auf die Plätze …“ im Fundus Theater am 22. Februar zu Ende. Erneut waren die meisten Stücke, die zur Aufführung kamen, für Kinder im Kindergartenalter: sechs Produktionen für Kinder ab vier, drei ab fünf Jahren und je eine Inszenierung für drei-, sechs-, acht- und neunjährige Kinder. Dem Publikum zum Gefallen wurden vier Figuren- und acht Schauspieler-Theaterstücke sowie eine Gastproduktion aufgefahren, wobei in diesem Jahr die Auflösung der Grenzen zwischen Puppen- und Schauspieler-Theater bei acht Inszenierungen ins Auge fällt.

Den Auftakt machte die hauseigene Fundus-Theater-Produktion „Das Blaue vom Himmel“ ab acht Jahren. Über da Stück schreibt Max, einer der diesjährigen Schülerkritiker*innen der Ida-Ehre-Schule aus der 7. Klasse: „Es wurde oft das Licht gewechselt. Die Musik wurde von einer Seite in den Raum gespielt. Man hätte die Technik besser nutzen können. Es war nicht so verständlich, man sollte erst ab zehn Jahren in das Stück gehen, weil es einen politischen Hintergrund hat, was Kinder unter zehn nicht gut verstehen können.“ Und Henny meinte resümierend: „Insgesamt fand ich das Stück ganz lustig und auch gut und kreativ gemacht. Doch ich fand es auch ein wenig langweilig. Ein wenig Spannung hat mir manchmal gefehlt und ich habe es nicht immer verstanden, doch im Nachhinein hat alles Sinn gemacht.“ Alle Aufzeichnungen der Schülerkritiker*innen sind hier nachzulesen.

In einem „Theaterstück übers Theater und das ganze Drumherum“ geht der Vorhang auf für die Kleinsten ab drei Jahren. Judith Compes und Sabine Dahlhaus von kirschkern & COMPES spielen zwei drollige Typen, die ins Theater gehen. Sie streiten um die Plätze, regeln das Licht („aus, an, anner“) und als dann immer noch nichts los geht, untersuchen sie mit vielen Possen und unter dem Gekicher der Zuschauer den Vorhangmechanismus und die leere Bühne dahinter. Nach ca. 30 Minuten ruft ein Kind dazwischen: „Wann fängt es an?“. Denn trotz abwechslungsreicher Späße galt es für dieses Kind erst als „richtiges“ Theater, nachdem ein Koffer voller Hüte und Requisiten gefunden wurde, und es mit Verkleiden und Rollenspiel losging.

Einige Gruppen probieren mit jeder Produktion etwas Neues. So nahmen sich kirschkern & COMPES zum ersten Mal die Zielgruppe 3+ als Aufhänger für ihre Stückentwicklung mit Marcel Weinand. Oder das Theater am Strom arbeitete, um seine bisherige Arbeitsweise aufzubrechen, zum ersten Mal mit einem Choreografen, Philipp van der Heijden, was die Inszenierung von „Das Schlaf“ bereicherte und gut aufgenommen wurde. Andere, wie Bühne Bumm, greifen gerne immer wieder auf ihre bewährten Mittel zurück.

Aufregend anders fanden die Zuschauer das Gastspiel der „Azubis“. Christopher Weiß und Kai Fischer nutzen vielseitige Mittel, um die Aufmerksamkeit der Schüler (es ist ein Klassenzimmerstück für die 4. bis 6. Klasse) zu halten. Sie überraschen immer wieder mit neuen Wendungen in ihrer Performance zum Thema „Das Böse“. Auch hierzu schrieben Schüler*innen der Ida-Ehre-Schule Kritiken. Nach den Stücken konnten die Zuschauer spontan ihre Kommentare aufschreiben und aufkleben:

Kindertheatertreffen 2

Aufgeklebt: Nicht nur im Internet sind Kommentare eine Modeerscheinung

Für Aufruhr sorgte unter den Künstler*innen die Information über die Aufzählung der Kindertheater-Förderungen der Kulturbehörde für 2018/2019: Lediglich zwei der elf Anträge aus den Vereinen kitsz e. V. (Freie Hamburger Kindertheaterszene) und ahap e. V. (Arbeitskreis Hamburger Puppen- und Figurentheater) wurden bewilligt.

Trotz großer Enttäuschung und Ratlosigkeit schätzen die Theaterschaffenden die Aufklärung der Jury, die in einem ersten öffentlichen Statement-Papier ihre Entscheidung folgendermaßen kommentiert: „Die Jury konnte mit ihren Förderentscheidungen ein gewisses Spektrum an ästhetischen und thematischen Positionen abbilden, doch ist das Volumen der Förderung bei weitem nicht ausreichend, um die professionelle Kinder -und Jugendtheaterszene Hamburgs bei ihren kulturpolitisch bedeutenden Entwicklungsschritten angemessen zu begleiten. Zahlreiche künstlerische Ressourcen bleiben ungenutzt, die Angebote einer anspruchsvollen Freien Theaterkultur für ein junges Publikum in der Theaterstadt Hamburg fallen im Vergleich zu etlichen anderen Bundesländern qualitativ wie quantitativ weiter zurück.“

Unterstützung bekamen die Hamburger aus dem Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland in Frankfurt am Main, das einen Aufruf an Kultursenator Brosda richtete und Abhilfe durch eine Aufstockung der Mittel fordert. Außerdem formulierten die Vereine einen Aufruf mit Hilfe einer Unterschriftenliste für Zuschauer und Unterstützer, denn für die Szene heißt es jetzt: aufstehen und aufbegehren, denn Aufgeben kommt natürlich nicht in Frage.

Auf jeden Fall ließen sich die Künstler*innen trotz allem ihre Freude an der Jubiläumsfeier zum 20. Kindertheatertreffen nicht nehmen. Und als beim Fest aus den Aufzeichnungen vom ersten Planungstreffen 1998 vorgelesen wurde, mussten viele laut auflachen, denn es ging schon damals um mangelnde finanzielle Grund- und Projektförderung und den Ausbau der Schulkontakte. Das sollte alle Förderer aufhorchen lassen!

Kindertheatertreffen 2

Aufgebaut: Puppen-Theater-Kisten im Foyer zum Angucken und Ausprobieren

Zum Schluss noch einige Zahlen: 2018 kamen 777 Zuschauer (350 Kinder, 427 Erwachsene), um die Stücke zu sehen. Das ergibt, leicht aufgerundet, 69 Prozent Auslastung für das gesamte Kindertheatertreffen. So oder so heißt es nun: auf ein neues 21. Kindertheatertreffen im Fundus Theater 2019!

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