Bambi

St. Pauli Theater

7. März 2018 21:29 Uhr
Bambi

Wie spricht die denn! Bambi (Torben Bartsch) wundert sich über die Allüren der Eule (Raphaela Groß-Fengels)

Text: Angela Dietz, Foto: G2 Baraniak

Christian Berg hat für sein neuestes Familienmusical eine eigene Kategorie erfunden: das Waldical. In der „Bambi“-Inszenierung, die am St. Pauli Theater Uraufführung feierte, kommen lebensgroße Puppen zum Einsatz. Eine Herausforderung für die singenden und tanzenden Schauspieler, die dadurch meist mit gebeugtem Körper spielen müssen.

Der musikalische Auftakt für Bambi, den frechen Hasen, die weise Eule und den Jäger mit dem rhythmischen Cajon-Spiel der auf die Bühne ziehenden Darsteller verspricht Spannung. Der Busch im Wald, der sich als getarnter Jäger entpuppt, bringt die Erzählung ins Rollen. Fortan zieht Jäger Christian Berg auf der Bühne durch die Szenen. Die Situationskomik in und zwischen den Szenen, oft eher Klamauk als guter Witz, zielt dabei nicht selten auf die Erwachsenen im Publikum.

Bambi soll von der Mutter (Raphaela Groß-Fengels) das Leben im Wald erlernen. Dazu gehört auch, Gefahren zu erkennen und andere Tier-Freunde zu finden, schließlich der Liebe in Gestalt von Faline (Alexandra Kurzeja) zu begegnen. Bambi gelingt alles, auch den Vater findet er.

Der dramaturgische Kniff, eine Elster die Teile erzählen zu lassen, die nicht gespielt werden, gelingt gut und amüsiert, wenn der höfliche Ton der figurführenden Darstellerin Lea Fischer in stotternde Empörung umschlägt, weil der Hase sich nicht benehmen kann. Dramaturgisch eher grob geschnitzt ist die Einbettung des „Müllthemas“ ins Waldical. Völlig unmotiviert liegen plötzlich ein paar Plastiktüten im Wald, dazu dienend, das Publikum mit erhobenem Zeigefinger daran zu erinnern, keinen Müll in der Natur zurückzulassen.

Paul Glasers Musik, meist ein ganzes Orchester aus dem Off, animiert mit lieblichen, zuweilen zu süßlichen Melodien oder auch mal Rock ’n‘ Roll zum Mitsingen. Warum Sprechstellen in der Inszenierung Hintergrundmusik brauchen, bleibt meist unklar. Der Ensemble-Gesang und insbesondere die Duette und Solos begeistern die Premierenbesucher, wobei manche Textzeile arg in die Songlinie gequetscht werden muss.

Trotz „Premieren-Fieber“ sitzen Spiel, Tanz und Gesang der Musical-Darsteller gut. Besonders beeindruckend ist die immer verständliche Artikulation bei den Sängern, die die großen Rehfiguren führen. Torben Bartsch und Alexandra Kurzeja überzeugen als Bambi und Faline. Besonders Kurzeja gelingt ein feines Spiel, trotz der Plackerei mit den Puppen.

Gekonnt wechseln einige die Rollen. Haben sich die Zuschauer eben noch über Petter Bjällös Hasen schlapp gelacht, verstummen sie bei seinem mächtigen Vater Hirsch. Raphaela Groß-Fengels gibt Bambis Mutter auch stimmlich Wärme und amüsiert als Eule mit einem Laut in vielen Variationen.

Visuell etwas zu niedlich geraten sind die Rehkinder aus Zuckerli’s Puppet Workshop mit ihren Riesenaugen und dem zu glatten „Fell“. Bühne und Ausstattung von Ulrike Engelbrecht sind schlicht und klar, Vater Hirschs Geweih aus Filz macht einen prächtigen Eindruck. Pia Virolainen taucht die Szene ohne Umbau immer in stimmiges Licht.

Autor und Regisseur Berg erzählt die Geschichte von Bambi zwar angelehnt an Felix Saltens Kinderbuch von 1923 und den weltberühmten Disney-Film, macht daraus aber eine insgesamt eher spaßige Inszenierung, deren spannende Momente für die Zielgruppe der Vierjährigen nicht furchteinflößend sind. Weniger angemessen erscheint zuweilen Bergs Interaktion mit den Jüngsten. Passt deren Antwort nicht ins Konzept, wird sie mehr als einmal grob ignoriert oder sogar gekontert. Produziert hat das Waldical Konstanze Ullmer für Bergs und Glasers eigene Produktionsgesellschaft „Gegenmaßnahme“ in Kooperation mit dem Theaterhaus Stuttgart, wo das Stück ab 19. April gezeigt wird.

Weitere Aufführungen: 17.3., 15 Uhr, 24.3., 14 Uhr, 25.+31.3. u. 1.4., jeweils 11 und 14 Uhr, St. Pauli Theater

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