Break the Tango

Kampnagel

7. September 2017 17:51 Uhr
Break the Tango

Ungleiches Paar: Tango und Breakdance verbinden sich zu einem neuen Tanzstil

Text: Dagmar Ellen Fischer / Foto: René Tanner

Was passiert eigentlich, wenn sich zwei hochexplosive Stoffe mischen? Man bekommt eine abendfüllende Kettenreaktion aus Funken sprühenden Höhepunkten! Genau das ist „Break the Tango“: Die hocherotische Spannung Tango tanzender Paare entzündet sich an der extremen Energie des Breakdance.

Mit sinnlichem Gang nähert sich die Tänzerin langsam ihrem Partner, der reißt sie an sich und stellt sie auf den Kopf, bis ihre Beine in der Luft im Spagat Halt machen. Darauf antwortet der Breakdancer mit einem Salto, auch er öffnet im Sprung für den Bruchteil einer Sekunde kopfüber seine Beine wie eine Schere. Nur auf den ersten Blick kommen Tango und Breakdance aus zwei verschiedenen Welten. Und so stehen sich am Anfang der sensationellen Show auch die Paare aus Buenos Aires und die internationalen Breakdance-Solisten (fast) feindselig gegenüber. Doch nach der ersten Begegnung provozieren beide Seiten weitere Berührungspunkte, die Grenzen lösen sich auf und die hitzige Atmosphäre entlädt sich schließlich in einer gemeinsamen Tanzexplosion.

Fürs Aufheizen ist die Live-Band zuständig, sie steigert den Abend musikalisch von sanften, melancholischen Balladen über den von der Formation „Otros Aires“ erfundenen Elektrotango-Sound bis zu bekannten Pop-Songs von Adele und Beyoncé; das Finale mit südamerikanischen Rhythmen stammt von Shakira. Piano, Schlagzeug, Gitarre und Bandoneon reichen als Stimmungsmacher, im Zusammenspiel mit einer stimmgewaltigen Sängerin und dem Gesang des Gitarristen, der gründlich unter die Haut geht. Zwei Choreografen spielten sich für dieses neuartige Spektakel die Schritte zu: Tango-Weltmeister German Cornejo, der seinen Tänzern nichts Geringeres als eben jenes Weltklasse-Niveau abverlangt, sich aber mitunter „auch von deren Ideen zu neuen, halsbrecherischen Figuren inspirieren lässt“. Und der Schweizer Björn Meier alias „Buz“, der für dieses neuartige Format vier Streetdancer auswählte, die aus Korea, Italien und Mexiko stammen; „als Individualisten ist es für sie ungewohnt, Gefühle durch Tanz zu transportieren. Aber in dieser Show wachsen sie über sich hinaus!“ Breakdancer sind Einzelkämpfer, sie kennen im Bestfall Story-Telling, das per Bewegung zum Beispiel sagen will: „Ey, Digger, deine Schuhe gehen gar nicht“; Tango-Paare hingegen vermitteln vor allem Gefühle, die zwischen ihnen entstehen, während tatsächlich zwischen ihre tanzenden Körper kein Blatt mehr passt.

Die unterschiedlichen Tanzstile haben aber auch einiges gemeinsam: Beide lieben die große Pose, in der sie genüsslich auf Beifall hoffend verharren. Beide kennen den Wettkampf, im Breakdance Battle genannt. Und beide Bewegungen haben eine beachtliche Karriere hingelegt: Zunächst von der Gesellschaft verachtet und gemieden, führten Tango und Breakdance ein Leben im Hinterhof und auf den Straßen von Buenos Aires und New York City – bevor sie die großen Theater dieser Welt eroberten! Aus der erfolgreichen Verbindung der Beiden ist nun etwas völlig neues entstanden, das mit bisher Bekanntem bricht: „Break the Tango“!

Bis 17.9., tgl. 19:30 Uhr, Sa. 17 und 21 Uhr, So. 18 Uhr,
Kampnagel, Jarrestr. 20, Karten 47,90-67,90 Euro, Tel. 47 11 06 33

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