Der Faust 2014

10. November 2014 12:52 Uhr
Eine Faust für den FAUST

Eine Faust für den FAUST

Text: Dagmar Ellen Fischer | Fotos: Torre Aqua c/o Scheune; Markus Nass

Ein roter Teppich auf dem Bürgersteig, Kunstbeleuchtung aus grellen Scheinwerfern, zahllose Kameras – und genervte Passanten: „Was’n hier schon wieder los?“ „Irgend ’ne Premiere“. Falsch: Nicht irgendeine Premiere, sondern die Verleihung des wichtigsten deutschen Theaterpreises, des FAUST. Und trotzdem auch richtig: Zum ersten Mal ist Hamburg gastgebende Stadt – dann also doch eine Premiere.
Dreieinhalb pausenlose Stunden dauerte die Preisverleihung am 8. November 2014 in der Hamburgischen Staatsoper. In acht Kategorien gab es jeweils drei Nominierungen, in zwei weiteren Kategorien standen die Ausgezeichneten schon im Vorfeld fest: Die 92-jährige Dr. Maria Müller-Sommer erhielt den FAUST für ihr Lebenswerk; sie gehört zu den einflussreichsten Bühnenverlegern Deutschlands und reagierte auf die Ehrung außer mit Dank auch mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass der Deutsche Bühnenverein keine „Betthupferl für Greise verteilt, damit sie ruhig sind“. Ebenfalls schon vor der Veranstaltung stand fest, dass der „Preis des Präsidenten“ 2014 an das Institut für Theaterwissenschaft Leipzig geht; Klaus Zehelein – Präsident des Deutschen Bühnenvereins – stellte mit dieser Wertschätzung erneut eine große Öffentlichkeit für das von der Schließung bedrohte Institut her.
Der Preis ist undotiert, bringt also ausschließlich Ehre und eine möglicherweise Karriere ankurbelnde Aufmerksamkeit. Die Verleihung an die übrigen acht Kandidaten verlief nach Oscar-Manier: Auf die filmische Vorstellung der Nominierten folgte die knisternd-spannende Öffnung des Umschlags und die für alle überraschende Bekanntgabe des Gewinners. Diese Aufgabe fiel 2014 dem Schauspieler Ulrich Matthes zu, der mit natürlicher Direktheit den Abend moderierte. Dazu gehörte auch eine kurze Gesprächs- bzw. Erinnerungsrunde mit den drei Hamburger Schauspielern Heinz Lieven, Peter Striebeck und Christoph Bantzer. Ansonsten lieferten Tänzer des „Hamburg Ballett“, die Philharmoniker Hamburg und das Internationale Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper fünf künstlerische Beiträge zwischen dem Verleihungsteil. Dieser verzichtete klugerweise auf jegliche Laudationes, die in vergangenen Jahren aus der Ehrung eine mitunter mühsame Sache machten.
DER FAUST wird von der Kulturstiftung der Länder, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, dem Deutschen Bühnenverein und einem jährlich wechselnden Bundesland vergeben. Im neunten Jahr der FAUST-Ehrung bestand die Spannung vor allem in der Erwartung, dass es unter den Nominierten doch bitte bestimmte Künstler möglichst NICHT treffen möge, damit der Preis zum Gütesiegel der künstlerischen Arbeit avanciere – und 2014 erfüllte sich diese Hoffnung weitgehend!
Bemerkens- und begrüßenswert fand der in der Kategorie „Regie Schauspiel“ ausgezeichnete Niederländer Johan Simons, dass „im deutschen Raum so viele Ausländer nominiert sind“. Der preisgekrönte Bühnenbildner Aleksandar Denić mag nicht, wenn sich Theater auf „irgendetwas vor dem Abendessen“ im vollen Alltag der Menschen reduziert. Und Ulrich Matthes leitete die Verleihung in der Kategorie „Regie Kinder- und Jugendtheater“ mit einer Erfahrung ein, bei der er sich auch „an die eigene Nase fassen“ müsse: Manchmal würde auf Proben abwertend gesagt, irgendetwas sei ja wie im Kinder- und Jugendtheater – das möge man doch zukünftig unterlassen …

Die Preisträger

Regie Schauspiel
Preisträger: Johan Simons, „Dantons Tod“, Münchner Kammerspiele
Darstellerin / Darsteller Schauspiel
Preisträgerin: Dagmar Manzel, Sie in „Gift“, Deutsches Theater Berlin
Regie Musiktheater
Preisträgerin: Sandra Leupold, „Don Carlo“, Theater Lübeck
Sängerdarstellerin / Sängerdarsteller Musiktheater
Preisträgerin: Evelyn Herlitzius, Elektra in „Elektra“, Sächsische Staatsoper Dresden
Choreografie
Preisträger: Christoph Winkler, „Das wahre Gesicht – Dance is not enough“,
Ballhaus Ost Berlin
Darstellerin / Darsteller Tanz
Preisträgerin: Bruna Andrade in „Der Fall M.“ und „Spiegelgleichnis“ im Rahmen des
Ballettabends „Mythos“, Staatsballett Karlsruhe
Regie Kinder- und Jugendtheater
Preisträgerin: Andrea Gronemeyer, „Tanz Trommel“, Schnawwl / Kevin O’Day Ballett – Nationaltheater Mannheim
Bühne / Kostüm
Preisträger: Aleksandar Denić, „Der Ring des Nibelungen“, Bayreuther Festspiele

Den Preis für das Lebenswerk erhält die Bühnenverlegerin Maria Müller-Sommer.
Der Preis des Präsidenten geht an das Institut für Theaterwissenschaft in Leipzig.

FAUST-ische Festgesellschaft

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