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Der Mann in der Badewanne

Theater Kontraste, Komödie Winterhuder Fährhaus
Der Mann in der Badewanne

„Willst du wohl hungern!“ Alberts Mutter (Sandra Maria Schö­ner) versteht keinen Spaß mit ihrem Sohn (Phil­ipp Weggler)

Text: Christian Hanke | Foto: Oliver Fantitsch

Albert Wege­lin ist ein freund­li­cher, lieber Mensch, der an das Gute glaubt. Darum hat er es nicht leicht im Leben, wie der Schwei­zer Autor Lukas Linder (Jahr­gang 1984) in seinem Stück „Der Mann in der Bade­wanne oder Wie man ein Held wird“ mit bruta­ler Konse­quenz verdeut­licht. Im Thea­ter Kontraste erlebte das 2012 urauf­ge­führte Stück jetzt seine Deutschlandpremiere.

Wege­lin verliert erst sein Büro an einen Kolle­gen mit „Verkaufs­er­fol­gen“ und dann seinen Job. Das findet er voll­kom­men in Ordnung. Es geschieht ja zum Wohl der Firma, die er so schätzt. Seine Freun­din will sich von ihm tren­nen. Auch dafür hat er Verständ­nis. Und er hat keine Lust mehr, etwas zu essen. Daraus konstru­ie­ren Freun­din und egozen­tri­sche Mutter einen Hunger­streik. Sie wünschen sich mehr Mumm und Wider­stand von ihrem Lieb­ling. Weil Wege­lin nun mal ein umgäng­li­cher Mensch ist, tut er den beiden ihn bedrän­gen­den Frauen den Gefal­len und hungert, um seinen Job zurück­zu­be­kom­men. Künf­tig verbringt er seine Tage in der Bade­wanne und wird immer schwä­cher. Und berühmt, zum Helden stili­siert. Presse, Poli­tik und seine ehema­lige Firma inter­es­sie­ren sich für ihn. Doch sein eins­ti­ger Firmen­chef, Herr Schin­der (!), schickt ihn wieder nach Hause. Am Ende wollen ihn Poli­ti­ker und die lieben bösen Verwand­ten in die Gemein­schaft zurück­ho­len, fordern ihn zum Essen auf. Aber jetzt bleibt Wege­lin stur, zeigt Willens­stärke und hungert weiter.

Linders Stück beein­druckt durch trocke­nen Wort­witz. Nur der Schluss ist etwas banal. Phil­ipp Wegg­ler als Albert Wege­lin, Herbert Schö­berl in verschie­de­nen Rollen und insbe­son­dere Sandra Maria Schö­ner als Wege­lins despo­tisch-fordernde Mutter glän­zen in Ayla Yegi­ners stim­mi­ger Insze­nie­rung mit multi­funk­tio­na­lem Badewannenmöbel.

Auffüh­run­gen bis Ende Novem­ber, Thea­ter Kontraste in der Komö­die Winter­hu­der Fährhaus
Karten 25/18 Euro, Tel. 040/48 06 80 80

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