Die Daniel Schneider Show

Theater Mummpitz im Fundus Theater

1. Juli 2014 14:58 Uhr
Die Daniel Schneider Show

Daniel (Michael Schramm) im Kampf gegen die Trauer

Text: Sören Ingwersen | Foto: Margaux Weiß

Wenn Familie Schneider zu den Musikinstrumenten greift und die Wohnzimmershow beginnt, kommt Stimmung auf. Nur die Begrüßung des Show-Erfinders Daniel irritiert ein wenig: „Hormone, Fußball und ein bisschen Krieg in Afghanistan“. Krieg? Da hört der Spaß doch eigentlich auf. Das findet Daniel auch, denn sein Bruder ist in Afghanistan gestorben.

Mit ihrem Jungendtheaterstück „Die Daniel Schneider Show“, das im Rahmen des Festivals „Spurensuche“ im Fundus Theater gezeigt wird, hat sich das Theater Mummpitz aus Nürnberg einen schwierigen Stoff gewählt: die Trauerarbeit eines Zwölfjährigen, mit großem Einfühlungsvermögen dargestellt von dem 40 Jahre älteren Schauspieler Michael Schramm.

Auf der Bühne: ein Bett, ein Kühlschrank und ein buntes Sammelsurium von Requisiten, die zum Teil – säuberlich beschriftet – an Fäden von der Decke herabhängen: Protestplakat, Trikot, Daunen etc. Letztere rieseln als Schnee auf Daniel herab, der seit dem Tod seines Bruders ständig friert, weshalb er auch im Schulunterricht seine Jacke anbehält und damit die Lehrer zur Weißglut bringt. Wie der Lehrkörper versuchen auch Daniels Eltern (Sabine Zieser und Michael Bang) als Karikaturen ihrer selbst die lästige Verantwortung abzuschieben: „Gesprächstherapeut“ Dr. Jensen soll Daniel aus dem Kühlschrank hervorlocken, in den er sich verkrochen hat. Helfen kann der selbstverliebte Küchenpsychologe dem Jungen nicht.

Erst als ein Karton mit der Hinterlassenschaft seines Bruders Stefan eintrifft, weiß Daniel, was zu tun ist. In einem niemals abgesandten Brief spricht Stefan die Bitte aus, ihm für einen befreundeten afghanischen Jungen ein Fußballtrikot aus Deutschland zu schicken. Allein macht Daniel sich auf den weiten, abenteuerlichen Weg nach Masar-e Scharif, um den letzten Wunsch seines Bruders zu erfüllen.

Unter der Regie von Alex Byrne hat das vierköpfige Darstellerensemble mit der „Daniel Schneider Show“ ein Stück entwickelt, das dem Zuschauer – ohne in falsche Gefühlichkeit abzugleiten – Einblicke in eine verletzte Kinderseele gibt. In der Rolle des Daniel fungiert Micheal Schramm zugleich als Erzähler, während die anderen drei Darsteller in wechselnden Rollen vor allem ihr komisches, aber auch musikalisches Talent beweisen. Am Ziel seiner Reise findet Daniel nicht nur den Geist seines Bruders (Thomas Stang), sondern auch einen Weg, mit seiner Trauer umzugehen.

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