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Die Frau, die gegen Türen rannte

Hamburger Sprechwerk
Die Frau, die gegen Türen rannte

Paula (Cosma Dujat) heiratet den tollsten Typ des Viertels und landet in einer Ehehölle

Text: Christian Hanke / Foto: Alexander Resch

Diese Geschichte ist leider nur allzu bekannt, und sie passiert immer wieder: Junge Frau, supersexy, verliebt sich in den tollsten Hecht des Viertels, heiratet ihn und die Ehe wird zum Höllentrip. Supermann schlägt und betrügt seine Superfrau, bis sie ihn rauswirft, den, den sie immer noch liebt. Mittlerweile ist sie Alkoholikerin und Mutter von vier Kindern. Doch Paula, so ihr Name, stemmt sich gegen den Untergang, kämpft ums Überleben und für ihre Kinder.

Paula ist die verzweifelte Heldin von Roddy Doyles Roman „Die Frau, die gegen Türen rannte“, der derzeit in einer Theaterfassung von Oliver Reese im Hamburger Sprechwerk zu sehen ist. Denise Stellmanns Inszenierung ist äußerst sehenswert, denn sie hat eine Darstellerin, die von der ersten bis zur letzten Minute fasziniert, alle Höhen und Tiefen dieser geschundenen Paula auslotet. Cosma Dujat lässt das Publikum mitleiden, mitzittern, mitfiebern, macht den Abend zu einem schauspielerischen Erlebnis. Während sie Tapetenreste von einer Zimmerwand kratzt, erzählt uns Paula ihre schlimme Geschichte, von der Jugend als „Schlampe“, sie hat ja schon früh einen Busen, und von der Glückseligkeit der großen Liebe mit dem tollen Charlo. Vom aggressiven Klima der Ehe, den Tätlichkeiten des Ehemanns, deren Folgen sie absurd verharmlosend damit begründet, sie sei gegen eine Tür gerannt. Von ihrem Alkoholproblem, das sie meint im Griff zu haben, und von den Kindern, denen sie ein besseres Leben ermöglichen will. Klar und  schnörkellos benennt sie die Umstände ihres Lebens, tritt ganz nah ans Publikum, wenn sie von den schlimmsten Exzessen erzählt. Großartig!

Zu sehen: 13. + 14. Juni, 20 Uhr, 5., 24. und 25.8., 6. + 7.10.,
Hamburger Sprechwerk, Klaus-Groth-Straße 23.

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