Europa, Europa

Kampnagel

25. August 2015 13:02 Uhr
Europa, Europa

Performance mit politischer Botschaft: „Europa, Europa“ von FUL und The Knife

Text: Adrian Anton / Foto: Patriez van der Wens

„Europa, Europa“ wird als anti-nationalistisches Kabarett der post-kolonialen und queer-feministischen Performance-Gruppe FUL und des schwedischen Elektro-Duos The Knife angekündigt. Im Vorfeld der schwedischen Parlamentswahlen 2014 tourte das Agitpop-Theater quer durch Schweden, wobei alle Vorführungen im Freien und ohne Eintritt stattgefunden haben. Nun ist die Truppe mit „Europa, Europa“ unterwegs durch Europa und hat am 21. August 2015 beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel Deutschlandpremiere.

„Europa, Europa“ beginnt mit einem mehrsprachig gesungenen Geburtstagslied: Es wird der 11. Geburtstag von Frontex gefeiert – eine zweifelhafte Feier, wie schnell klar wird, als die Funktionen und Aufgaben dieses Unternehmens zur Sicherung bzw. Abschottung der europäischen Außengrenzen eindringlich geschildert werden. „Denn wir sterben an deinen Grenzen, Europa!“ heißt es so auch in der folgenden düsteren Hymne, die musikalisch alle Elemente beinhaltet, für die das schwedische Elektro-Duo The Knife bekannt ist: Treibende elektronische Rhythmen, sphärische Instrumente und Geräuscheffekte sowie der einprägsame Gesang von Karin Dreijer. Im Hintergrund pulsiert auf einem Screen „Tear the Walls of Europe“. Dass die Performance immer auch an den jeweiligen Aufführungsort angepasst wird, zeigt eine Danksagung an Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen hier in Hamburg, darunter die Gruppe „Lampedusa Hamburg“, die auch im Publikum vertreten war, oder die Gruppen „Welcome to Barmbek“ oder „Refugees Welcome Karoviertel“.

Die Performer Ellen Nyman, Bahareh Razekh Ahmadi, Kudzai Chimbaira und Rani Nair greifen sowohl auf zynisch-ironische Elemente des politischen Kabaretts zurück, zum Beispiel wenn es um die Frage geht, wer ein Recht auf ein Stück vom Kuchen hat, als auch auf emotionale Erlebnisberichte von Flüchtlingen, die sowohl von traumatischen Fluchterinnerungen als auch der anschließenden nicht weniger traumatischen Kriminalisierung in Europa berichten, wo sie als Lügner, Parasiten und Kriminelle bezeichnet werden. Als Empowerment setzen FUL und The Knife in dem Song „For All the Names We are Not Allowed to Use“ dieser Diffarmierung entgegen: „Call us heroes! For all the borders we survived, for all the fears we defied“.

„Europa, Europa“ wird weiter innerhalb der Grenzen des Schengen-Abkommens touren und vielleicht auch diese Grenzen überschreiten, gemäß der gemeinsam mit dem Publikum skandierten Schlussforderung: „No Borders – No Nations – Stop Deportation!“

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