Hamburger Kultur- und Tourismustaxe

15. Februar 2013 10:36 Uhr

Dänen, Australier, Japaner und andere Fernreisende ziehen wir aus sprachlichen Gründen gleich mal ab. Bleiben noch geschätzte 8 Millionen hotelgezählte deutschsprachige Übernachtungsgäste in Hamburg pro Jahr, davon viele paarweise. Da Partner oft lieber ein geprüftes Musical-Event aufsuchen, als irgendwas in dieser schwer zu durchschauenden freien Hamburger Kulturszene mit ungewissem Ausgang, bleiben noch geschätzte 4 Millionen übrig. Nach Abzug von Sportstättenbesuchern bleiben 2 Millionen. Die teilen sich wesentlich auf in Besucher des Panoptikums, der Harley-Days und der O2-World. Bleiben 8400 Besucher, die lediglich Essen gehen, eine Hafenrundfahrt machen oder studierende Kinder besuchen, die keinen Übernachtungsplatz in ihrer WG bieten. Die restlichen 1600 Besucher verteilen sich abends kulturell gleichmäßig auf Staatsoper, Schauspielhaus und Thalia Theater. Halt, falsch! Meine Tante aus Gelsenkirchen kam neulich extra für eine freie Produktion in irgendein Off-Theater. Die geht also von den 1600 noch runter.

Nun die Gegenrechnung. Aus dem Topf der Hamburger Kultur- und Tourismustaxe sollen 500.000 Euro in den Elbfonds fließen, der wiederum irgendwie der freien Szene zukommen soll. Und diese amorphe Szene beschwert sich allen Ernstes, das sei zu wenig. Das verstehe ich nicht. 500.000 Euro als Unterstützung nur für die nächste Produktion, die meine Tante besuchen wird? Auch falsch? Das soll für alle da sein, die sich da im Off tummeln? Aber die tun doch gar nichts für Hamburgs Touristen – außer für meine Tante eben.

Ach, Image-Pflege? Aber das ist doch ein Schlagwort aus den 1970er-Jahren!? Was? SPD eben? Die als einzige Partei ohne kulturpolitisches Konzept in die letzte Bürgerschaftswahl gestartet ist? Jedenfalls der Umfrage in GODOT vom März 2011 nach zu urteilen?

Na ja, dann find ich Image-Pflege also gut. Schließlich will ich auch, dass meine Stadt richtig gut aussieht. Nach außen. Kultur und so. Is ja dehnbar. Und dann find ich auch gut, dass aus dem Topf ja denn eigentlich doch schön was an die Freie Szene geht. Und nicht, sagen wir mal, ans Thalia Theater. Denn da hat neulich ein Besucher in der ersten Reihe bei einer Aufführung vom „Raub der Sabinerinnen“ ein Holzschwert an den Kopf gekriegt. War einem Darsteller auf der Bühne im Getümmel aus der Hand geflutscht. Platzwunde! Na, und wenn dieses Schwert jetzt quasi aus der Kulturtaxe finanziert worden wäre – nicht auszudenken … Schließlich standen die Schauspieler bedröppelt an der Rampe und boten dem Blutenden belegte Brötchen zum Trost.

So gesehen kann sich diese Freie Szene wirklich nicht beschweren. Mit 500.000 Euro extra (extra zu den ganzen ohnehin existierenden unentwegten Förderungen!), da muss doch wirklich keiner verhungern. Schön aufteilen! Und dann reicht das garantiert immer noch für mehr als belegte Brötchen.

Estragon

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