Lola Müthel

Die Schauspielerin verstarb am 11. Dezember 2011

19. Januar 2012 15:14 Uhr
Lola Müthel

Lola Müthel als Gräfin Terzky in „Wallenstein“ mit Bernhard Minetti in der Titelrolle (Ruhrfestspiele 1958)

Was geschah da in Frankfurt am Main, auf der Bühne der Kammerspiele, lange Zeit vor den „68ern“? Dort fand unter der Leitung von Dieter Reible eine Probe statt, ich glaube es war „Virginia Woolf“, auf der Szene zwei in ihrer schauspielerischen Qualität himmelragende Darsteller mit Namen Lola Müthel und Hans Caninenberg (wie später zu erfahren, waren sie auch im Privatleben ein Ehepaar mit Ecken und Kanten). In der sogenannten 0-Gasse der linken Bühnenseite ein Schauspielanfänger und Regieassistent, dem – bevor er überhaupt selber auch nur einmal auf der Bühne gestanden hatte – klar war, dieses künstlerische Niveau werde er niemals erreichen …

Ja, Caninenberg und Müthel, zwei Titanen der Menschendarstellung auf der Bühne und vor der Kamera. Caninenberg starb lange vor seiner Frau Lola, die in den letzten Tagen des Jahres 2011 in Gräfelfing bei München, 92-jährig, der ewigen Nacht entgegenging.

Lola war ein Vulkan! Hochgewachsen, rothaarig, eine Löwin! Eine Probenfanatikerin, die noch dann nicht müde wurde, wenn andere schon anfingen, ihren Text vor Müdigkeit zu vergessen. Und sie war immer jung! Darüber hinaus für sämtliche Fächer einsetzbar, die vor der Kamera oder auf der Bühne gefordert waren. Der Chronist hat sie zum ersten Mal als Gräfin Terzky erlebt; bei den Ruhrfestspielen 1958 in Schillers „Wallenstein“-Trilogie (Inszenierung: Heinrich Koch). Er sah sie in der Regie des Frankfurter Hausherrn Buckwitz bei der Deutschen Erstaufführung des Musicals „Kiss me, Kate“ brillieren, erlebte sie als Grillparzer-Medea, wie sie nach ihr nie wieder erreicht wurde und drehte Nachkriegsfilme an ihrer Seite, vornehmlich unter Dietrich Haugk, der zu den wenigen Regisseuren zählte, die die „Löwin bändigen“ konnten.

Bleibt zu hoffen, dass sie ihr profundes Wissen um die große und tiefe Kunst der Menschendarstellung an zahlreiche ihrer Schüler und Bewunderer noch zu Lebzeiten weitergeben konnte. I miss you, Lola!

Text: Hans-Peter Kurr
Foto: Archiv des Hamburgischen Kulturkontors

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