Platzt sie?

Internationales Sommerfestival Hamburg 2012, Kampnagel

2. August 2012 23:03 Uhr
Elena's Aria

Die schlichte Bühne für „Elena's Aria“ von Rosas/de Kaersmaker

KMTTT – Kunst, Musik, Theater, Tanz und Theorie heißt es vom 9. bis zum 25. August auf Kampnagel und an weiteren Orten in Hamburg. Zweieinhalb Wochen lang präsentiert Matthias von Hartz beim Internationalen Sommerfestival bekannte Künstler und neue Namen. Fünf Theater- und Tanz-Gastspiele sind zum ersten Mal in Hamburg zu sehen: Boris Charmatz/Musée de la danse (Rennes) mit „Levée des conflits“, einer Massenchoreografie für 24 Tänzer; Árpád Schilling/Krétakör (Budapest) mit „Die Priesterin“, einer Collage aus filmischen Sequenzen und Live-Szenen, dargestellt von 15 Jugendlichen und drei Schauspielern; und Lundahl & Seitl (Stockholm/London) mit „Symphony of a Missing Room“, einer Performance in der Kunsthalle, bei der die Teilnehmer quasi blind durch die Räume geführt werden; das Nature Theater of Oklahoma aus New York mit den „Life and Times – Episodes 3 & 4“ verspricht einen humorvollen Abend über das Alltägliche; und Michèle Anne de Mey & Jaco van Dormael (Charleroi) verbinden mit den beiden Hauptfiguren – zwei Händen – die Genres Tanz, Film und Theater.

Schwerpunktthema diesmal: Grenzen des Wachstums. Das ist ein ernstes und vielschichtiges Thema, das man tiefgreifend behandeln kann. Wer allerdings auf das Sommerfestival-Heft schaut, wartet, ob`s gleich knallt. Das Angesicht eines Kindes ist nämlich von einer riesigen, gelben Kaugummiblase verdeckt. Wenn sie weiterwächst, ist es vorbei mit ihr. Unmöglich, die Lust am Platzen der Blase zu vergessen. Gespielt, gesprochen, getanzt, musiziert, diskutiert und interveniert wird auf Bühnen und Barkassen, in der Kunsthalle und in Parks.

Eine Besonderheit ist die Reprise von Anne Teresa de Kaersmaker und den Rosas auf ihre 1984 uraufgeführte „Elena`s Aria“, mit der sie Tanzgeschichte schrieb. De Kaersmaker wird selbst tanzen. Wenn es ums Politische Theater geht, darf Rimini Protokoll nicht fehlen. Sie gastieren mit „Prometheus in Athen“ auf Kampnagel, einem Abend über einen Theaterabend. Nicht in die Stadt, aber aus der Stadt kommen: (und aus Berlin) Schorsch Kamerun & Fabian Hinrichs mit „Die Ausgedehnten – Eine Hafenkonzertrundfahrt über Wachstumsgrenzen (ohne Luft nach oben)“ und das Schwabinggrad Ballett mit einem Camp auf dem „Platz der unbilligen Lösungen“.

Beim „Ausgewachsen – Marathon mit 11 Perspektiven zu Wachstum“ versprechen Hamburger wie internationale Gast-Produktionen und Vorträge „Magie, Wahnsinn und Wissenschaft“, darunter Sibylle Peters/Fundus Theater, „Let‘s make money“ (Manifest und kollektive Positionsbestimmung) und Ligna, „Lob des Stillstands“ (Audiotour, auch aus Berlin). Internationale Gäste sind u.a. Davis Freeman, „7 Promises“ (Performance, Brüssel/London) und Boz Temple-Morris, „The Hamster“ (Hörspiel, London).

Auch musikalisch hat das Sommerfestival einiges zu bieten, vom Retro Pop der Engländerin Gemma Ray bis zum berühmt berüchtigten Salsa des mehrfachen Grammy-Preisträgers Eddie Palmieri mit großem Orchester.

Sommerfestival-Leiter Matthias von Hartz verabschiedet sich nach fünf Ausgaben mit seinem inzwischen legendären Orchesterkaraoke von Hamburg. Im kommenden Jahr wird er das Festival Foreign Affairs der Berliner Festspiele leiten.

Text: Angela Dietz
Foto: Herman Sorgeloos

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