Sonntagsbraten

Theater Homunculus im Fundus Theater

20. Februar 2017 9:38 Uhr
Sonntagsbraten

Hobbykoch mit Möhre: Bei Kasper gibt es heute Gänsebraten

Text: Sören Ingwersen

Hilfe! Kasper will die Gans braten und die findet das gar nicht toll. Gut, dass der pausbäckige Handpuppenhobbykoch noch einmal in den Keller geht. So kann der Vogel aus seinem Karton ausbüxen und sich im Wald verstecken – begleitet vom Jubel der Kinder und ihrem Versprechen, nichts zu verraten.

Eigentlich wollte Arne Bustorff vom Theater Humunculus im Rahmen des Kindertheater Treffens im Fundus Theater sein neues Stück „Es rumort im Schrank“ aufführen. Doch der 60-jährige Puppenspieler und -bauer bekam das titelgebende Möbelstück nicht rechtzeitig fertig. Als Ersatz gibt es deshalb einen „Sonntagsbraten“ auf der Flucht.

Im Wald taucht der verschreckte Vogel erst einmal ab – im Bau des Maulwurfs, der die Zuschauer zuvor schon freundlich begrüßt hat: „Oh, so viele Maulwürfe!“ Scharfsichtigkeit gehört bekanntlich nicht zu den Stärken dieser Tierspezies. Aber sicher ist es unter der Erde auch nicht: Ein ausgehungerter Räuber, auf dessen langer Pinocchio-Nasenspitze eine rote Kugel sitzt, schnappt sich das Federvieh und erneut müssen die Theaterbesucher um dessen Leben fürchten.

Haben die Kinder sich schon zuvor mutig eingemischt, so bricht nun – während der Räuber laut über das beste Gänsebratenrezept nachdenkt – ein wahrer Proteststurm los: „Keine Tiere essen!“, rufen die Kleinen mit so großem Einsatz, dass Bustorffs Stimme kaum noch zu hören ist. Bei so viel Tierliebe wird der stärkste Räuber schwach – der übrigens gar nicht so böse ist („Ich nehme eigentlich nur mit, was andere so liegenlassen“).

So geht das halbstündige Handpuppenspiel am Ende gut aus, auch für Arne Bustorff, der sich über die rege Beteiligung seiner jungen Zuschauer freuen durfte, von denen einer während der Aufführung sogar anbot, mal kurz hinter die Bühne zu kommen. Originell gelöst wurden die Umbauten von Kasperküche zu Wald und Räuberhöhle: Zwei weiß behandschuhte Hände übernahmen diese Arbeit und wurden dabei selbst zu lebendigen Figuren in diesem ebenso einfühlsamen wie lustigen Stück, das ruhig etwas länger hätte sein dürfen.

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