The 27 Club

St. Pauli Theater

28. Juli 2013 23:49 Uhr
The 27 Club

Rockmusiker haben guten Chancen, jung zu sterben: The 27 Club

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Sandra Vijandi

Was treiben Jimi Hendrix, Kurt Cobain und allʼ die anderen früh verstorbenen Musiker eigentlich im Jenseits? Sie treffen sich in „The 27 Club“ und machen gemeinsam Musik! So die Fantasie von Toby Gough. Und die bringt der schottische Regisseur in der Sommerpause lautstark auf die Bühne des St. Pauli Theaters. Nach erfolgreichen Shows wie „Lady Salsa“ und „The Bar at Buena Vista“ lässt er nun die legendären Clubmitglieder mit ihren bekanntesten Songs auferstehen, denn: „Legends never die“!

Mitglied im Club wird, wer als Star der populären Musikszene im Alter von 27 Jahren stirbt – so die makabre Regel. Als Amy Winehouse 2011 an den Folgen einer Alkoholvergiftung ihr Leben ließ, hatte Toby Gough die Idee: „Durch ihren Tod bekam der Club der 27-Jährigen plötzlich Popularität.“ Seine gezielte Suche ergab insgesamt 45 (!) Blues-, Rock- und Pop-Musiker. Neben Gitarren-Gott Hendrix, Nirvana-Gründer Cobain und Stimmwunder Winehouse gehören dazu unbedingt Sängerin Janis Joplin, die einer Überdosis Heroin erlag, der Rolling Stones-Gründer Brian Jones, unter ungeklärten Umständen im eigenen Swimmingpool ertrunken, und Jim Morrison, charismatischer Kopf von „The Doors“, den ein Herzstillstand ereilte. Begonnen hat die morbide Serie mit Robert Johnson: Der schwarze Bluessänger inspirierte namhafte spätere Clubmitglieder und starb 1938 vermutlich an Syphilis; „er verbreitete damals das Gerücht, einen Pakt mit dem Teufel zu haben – denn der schreibt bekanntlich die besten Songs“, so Gough augenzwinkernd. Aber im Ernst: „Im Mittelpunkt steht die geniale Musik, nicht der spektakuläre Tod.“ Über den erfährt das Publikum dennoch einiges, „The 27 Club“ verbindet Konzert mit Geschichtenerzählen: Bevor 13 handverlesene Musiker beispielsweise „Come as you are“ oder „Lithium“ von Nirvana spielen, hört man, wer Kurt Cobain war, als er 1994 im Drogenrausch Selbstmord beging – Storytelling gibt’s in Englisch.

Die Message der unsterblichen Musikgrößen aber versteht jeder: „Sympathy for the Devil“ bezeugten die Stones, The Doors kreierten „The End“, Hendrix fragte „Will I live tomorrow?“ und Winehouse wollte „Back to Black“. Sämtliche Live-Doubles – die übrigens bei geschlossenen Augen akustisch den Originalen gefährlich nah kommen – strahlen im Design des Lichtmagiers Patrick Woodrooffe, er sorgte schon bei der englischen Königin und im Weißen Haus für die perfekte Ausleuchtung, und nach Michaels Jacksons Film „This is it“ rückt er jetzt „The 27 Club“ ins beste Licht. Schließlich erklingt im Finale ein Song, der als Teamwork einer himmlischen Wohngemeinschaft entstanden sein könnte …

Bis 18.8. tägl. außer Mo. 20 Uhr, Spielbudenplatz 29, Karten 15,90–49,90 Euro, Tel. 47 11 06 66

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