The Bee Treasure

24. August 2014 13:01 Uhr

Kampnagel

The Bee Treasure

In den Händen der Kinder

Text: Birgit Schmalmack | Foto: Sarah Bernhard

Ein Showraum der kleinen Tiere öffnet sich hinter den Vorhängen. In Käfigen knabbern sie, in kleinen Höhlen verkriechen sie sich, auf Fotos zieren sie die efeuberankten Wände. Acht Kinder haben sich zwischen ihnen eingerichtet. Sphärische Musik umwabert sie. Wie sie, nehmen die Kinder sorgsam Bodenkontakt auf und erkunden mit geschlossenen Augen die Umgebung. Sie kriechen über den Boden, zwängen sich zwischen die Zweige des einzigen Baumes und kuscheln sich schließlich zusammen in eine Ecke. Im Sitzkreis imitieren sie die Tiersprachen, bis sie ihre eigene finden. Mit Fantasiewörtern scheinen sie sich perfekt zu verständigen.

Dann nehmen sie geschickt die erste Beziehung zu den erwachsenen Zuschauern auf. Sie stellen sich neben sie und imitieren sie. Doch dann wendet sich das Blatt. Den Erwachsenen werden Vogelmasken aufgesetzt, die sie zu Blinden machen. Nun sind sie angewiesen auf die kleinen Kinderhände, die sie mit sanftem Druck führen. Sie dürfen in ihren „Secret Garden“, allerdings nur gegen den Einsatz des Vertrauens. Die Kinder lenken die Erwachsenen. Als es durch die Tür in Kinderhöhe geht, wird sorgsam der Kopf beschützt. Auf jede Unebenheit im Boden weist die Kinderhand mit behutsamem Druck hin, bis man schließlich auf eine Bank gedrückt wird.

Ganz auf die Sinne des Hörens, des Tastens und des Riechens angewiesen, versucht man die Geheimnisse des Kinderdschungels zu ergründen. Glockenklänge, Trommelschläge, Zirpen, Rascheln hört man. Winde wehen, Wasser plätschert und gurgelt. Blütenblätter purzeln herunter und Moos landet im Schoß. Es riecht nach Tannennadeln und Gras. Bienengesumm mischt sich unter den atmosphärischen Soundteppich, der in anderen Welten befördert. Zu gerne würde man unter der Maske durchblinzeln, doch kein Lichtstrahl fällt hindurch. Erst als die Kinder ihre Besucher wieder außerhalb ihres Gartens vor die Vorhänge gebracht haben, nehmen sie ihnen die Augenmasken ab. Ihr „Secret Garden“ wird ihr Geheimnis bleiben. Kurzzeitig durften die Erwachsenen in ihm zu Besuch sein, aber nur zu den Bedingungen der Kinder.

Jeder ist ein Tänzer! Davon ist die Tanzinitiative Hamburg überzeugt. Wieder einmal hat sie sich unter Leitung von Barbara Schmidt-Rohr der choreographischen Arbeit mit Laientänzern in einem gestalteten Naturraum gewidmet. Wie Pflanzen sich langsam ihrer Umgebung anpassen, so entwickeln sich die Bewegungen der Tänzer, um neue Räume zu entdecken. Dieses Mal geht die Tanzinitiative jedoch noch einen Schritt weiter: Selbst die Zuschauer werden zu „Tänzern“, die von den Kindern einfach mit auf ihre leise und spannende Erkundungsreise genommen werden.

0 Kommentare

Sie können der erste Kommentator sein.

Schreiben Sie einen Kommentar.