Tosca

Opernloft

11. Dezember 2013 2:43 Uhr
Tosca

Genüsslich drängt sich Scarpia (Susan Jebrini, unten) zwischen Mario (Justin Moore) und Tosca (Aline Lettow)

Text: Sören Ingwersen | Foto: Opernloft, Inken Rahardt

Live gesungen wird in der Oper ja eigentlich immer, live gebacken eher selten. Mit Handschlag begrüßen die Sänger im Opernloft ihr Publikum, das im vorderen Bereich an gedeckten Tischen platzgenommen hat. Regisseurin Inken Rahardt hat die tragische Geschichte von Giacomo Puccinis „Tosca“ ins Milieu eines Restaurantbetriebs verlegt. Tosca und Mario betreiben eine Trattoria und sind überdies ein glückliches Paar. Doch sowohl das Geschäft als auch die Liebe stehen auf dem Spiel, als Scarpia dazwischenfunkt – hier in Gestalt eines liebestollen Vamps vom Gesundheitsamt.

So absurd wie dieses Grundszenario sind auch die sehr freien „Übersetzungen“ der italienischen Arientexte: „Au, ich habe mich geschnitten“, lesen wir in der Übertitelung, während der tenorale Höhenflug doch eigentlich vom Liebesschmerz beflügelt wird. Dafür schmeckt der Tomaten-Mozzarella-Salat, den die Sänger als Vorspeise kredenzen, richtig lecker und man freut sich auch schon auf die Pizza, die momentan noch als wabernder Teig im Liebesduett zwischen Tosca und Mario durch die Luft fliegt – und auch mal auf den Boden. Gut, dass Scarpia das nicht mitbekommen hat, denkt man. Doch die findet auch so buchstäblich in jeder Suppe ein Haar und spielt ihre Macht als Amtsperson und ihre weiblichen Reize als Privatperson gekonnt aus, um Mario über und unter den Tisch zu ziehen. Dort landet Scarpia am Ende allerdings allein, wonach ihr das Wurstmesser und der Küchenmixer zum Verhängnis werden.

Mehr wird nicht verraten, nur so viel, dass hier neben aller Liebe zum morbiden Detail ein hervorragendes Sängertrio am Werk ist. In der Rolle der hintergangenen Tosca lässt die österreichische Sopranistin Aline Lettow Verzweiflung und Stolz gleichermaßen irisierend in ihren Arien aufglühen. Der US-Amerikaner Justin Moore behauptet sich als wankelmütiger Ehemann mit standfestem Tenor, während die syrische Mezzosopranistin Susan Jebrini stimmlich und darstellerisch gleichermaßen souverän das Einmaleins der Verführung beherrscht. Überzeugend auch die Instrumentalbegleitung in formidabler Duo-Besetzung mit Makiko Eguchi am Klavier und Beatriz Pavlicenco an der Violine.

Nach diesem Abend werden Sie die Oper „Tosca“ mit anderen Ohren hören – und ihre nächste Pizza mit anderen Augen betrachten …

Weitere Aufführungen: 18.12., 26.12., 4.1. u. 31.1., jeweils 20 Uhr im Opernloft

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