Wer hat’s erfunden? Die Spurensuche-Teilnehmer!

Kinderjury, Schreibgruppe und Werkstätten präsentieren ihre Ergebnisse

8. Juli 2014 23:27 Uhr
Die Daniel Schneider Show

Zu „Die Daniel Schneider Show“ erstellte die Radio-AG der Europaschule Gymnasium Hamm einen Hörfunkbeitrag

Text: Dagmar Ellen Fischer / Foto: Margaux Weiß

Das Beste zum Schluss. Am letzten Tag der „Spurensuche 12“ wurde gebündelt gezeigt, was die Teilnehmer des Treffens in den vorangegangenen vier Tagen „Alles nur erfunden!“ hatten. Und so startete der Vormittag mit der Kinderjury, die in unterschiedlichen Formaten die Theaterstücke des Festivals reflektierte.

Einen Hörfunkbeitrag erstellte die Radio-AG der Europaschule Gymnasium Hamm über „Die Daniel Schneider Show“ vom Nürnberger Theater Mummpitz für Zuschauer ab elf Jahren. „Daniel ist zwölf, und er hat einen Bruder in Afghanistan verloren …“ beginnen die jugendlichen Rezensenten ihre Kritik. Die Geschichte ist schnell erzählt – und dann folgt die Bewertung: Lob für die Schauspieler und Grundsätzliches zum Theater Mummpitz, das immerhin seit 30 Jahren Kindertheater spielt.

Über „Jo im roten Kleid“ vom Theater Triebwerk wurde schriftlich nachgedacht, die Jungschreiber verfassten individuelle Kritiken. Und beobachteten neugierig das Publikum: „Ein Mann in Unterwäsche sorgte bei den weiblichen Zuschauern für Unruhe!“

Im Kinder- und Jugendtheater vermittelt sich einiges über das Wort, doch verdammt viel über Bilder. Weshalb auch bildhaft reflektiert werden kann. Und so erstellten Jugendliche zu drei der Theaterstücke biografische, astrologische und anatomische Karten! Die Schüler dachten sich, dass es keine bessere Bewertung geben könne, als den Theatermachern etwas Vergleichbares zurückzugeben. Und zum Stück „Ein Bodybild“ passt nichts besser als eine Anatomiezeichnung, die gemeinschaftlich gemalt wurde und klug beschreibt, was im Kopf und Körper der Theater erlebenden Menschen passiert … Mit vergleichbaren und doch ganz anderen Kartenzeichnungen wurden auch die Stücke „Mutige Prinzessin glücklos“ und „Ernesto Hase hat ein Loch in der Tasche“ belohnt und im wahrsten Sinn des Wortes bedacht – eine überzeugende Alternative zur reinen Wortwelt.

Ein Bodybild

Anatomische Karte zum Stück „Ein Bodybild“

Doch auch die erwachsenen Teilnehmer der unterschiedlichen Workshops wollten zeigen, womit sie sich während des Treffens beschäftigt hatten. Mit Methoden zur Messung des „Guten Lebens mit Kindern“ hatte sich eine Gruppe beschäftigt. Kann man Mut, Freiheit oder Offenheit messen? Nein, aber die Selbstsicherheit, die aus solchen Faktoren resultiert. Und die wiederum – so die augenzwinkernd vorgetragene Behauptung – wirke sich auf den Atem aus, und Atemvolumen ist messbar. Und so stellten sich Freiwillige zum demonstrativen Beatmen einer transparenten Scheibe zu Verfügung, auf der eine Skala Aufschluss über die Maßeinheit der aktuellen Selbstsicherheit gab; jede der Testpersonen wurde mit einer Diagnose sowie einem (nicht ernst gemeinten) Rat entlassen. Andere originelle Messverfahren beschäftigten sich mit der individuellen Puste von Schülern im Verhältnis zur Schwere der Schultasche; mit einem Kontaktmessverfahren unter besonderer Berücksichtigung der Anwesenheit von Freunden, dem Einsatz von Schimpfworten sowie der Vertreibung von Langeweile; und ein viertes Projekt entwickelte ein Verfahren zum Messen von Sehnsucht – unter Verwendung eines dehnbaren Terrabandes und dem verstärkten Wahrnehmen eines Ziehens in der Herzgegend. Soweit, so unwissenschaftlich, dafür umso unterhaltsamer.

Schließlich präsentierten Nachwuchskünstler ihre Ergebnisse zu echten Herausforderungen: „Challenge“ hieß das neue Format, in dem sich drei Gruppen aufregenden Themen widmeten.

  1. „Wirrwahr“ (Konzept: Lisa van Buren, Göttingen) beispielsweise entpuppte sich als bühnenreifes Spiel mit Worten, die ihren Platz innerhalb eines Satzes verlieren und ungefragt an eine andere Position rücken müssen – womit sie den Sinnzusammenhang entweder entstellen oder einen neuen herstellen. Damit das Ganze optisch für junges Publikum nachvollziehbar wird, rutschen und fallen magnetische Worte auf einer Tafel auf und ab, hin und her.
  2. Alles lebt, alles bewegt sich – ok, das ist nicht neu. Jede/r hat zu Hause mit Messer-Gabel-Löffel früher am Tisch Vater-Mutter-Kind gespielt, oder? Das ist deutlich erweiterbar: Auf eine Familie aus elektrischen Zahnbürsten, die ihre eigene Gebrauchsanweisung nachspielt, oder einen liegenden Breitmaul-Toaster, der sich in eine Tasche verwandelt, sobald sein Kabel über einer Schulter hängt. Hinter diesem Konzept der „Animixer“ stecken Laura Oppenhäuser und Tim Pförtner.
  3. Eine „E-Box“ entwickelten Ariane Schwarz und Hannes Michl, für junge Erfinder und solche, die es auf der Bühne (oder im Klassenzimmer) werden wollen. Hierzu transformieren sich die Mitmacher mittels einer entstellenden Kopfbedeckung zu Neuronen und Neuroninnen. In verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt, gehören sie entweder zur Hörrinde, zum Sehzentrum, zur Geruchszentrale, zum Tastfeld oder zur Geschmacksabteilung – und gemeinsam bilden sie das ZDF, das Zentrum der Fantasie. Weil aber der Kopfkinoprojektor nur noch verbrauchte, abgenutzte Sinneseindrücke liefert, müssen sämtliche Neuronen und -rinnen ausschwärmen, um frische Eindrücke zu sammeln. Als Teil der Hörrinde kann ich aus sinnlicher Betroffenheit und erster Hand berichten, dass unser Organ sich für einen Becher scheppernder Kaffeelöffel entschied und damit den Kopfkinoprojektor um frische akustische Eindrücke bereichert, wieder ganz nach vorne brachte.

Am Nachmittag des letzten Tages, sozusagen als finales Highlight, setzte sich dann die in einem der kreativen Workshops entworfene und eigenhändig gebaute Was-wäre-wenn-Maschine in Bewegung – aber das hätte man selbst gesehen haben müssen …

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