Yamato

Staatsoper Hamburg

26. August 2015 16:40 Uhr
Yamato

Musizieren als Hochleistungssport: die Trommler von Yamato

Text: Dagmar Ellen Fischer / Foto: Masa Ogawa

Einen einzigen Mann, der mit einem Ast auf einen hohlen Baumstamm schlägt — mehr brauchte es im alten Japan nicht, um die Götter anzurufen. Ein paar Jahrhunderte später sieht die Besetzung anders aus: Eine perfekt aufeinander eingespielte Truppe Hochleistungssportler, die sich zwar musikalische Performer nennen, jedoch eher wie Samurai aufführen. Und so wie die berühmten Krieger, widmen sich auch die japanischen Künstler von Yamato ausschließlich und mit Hingabe ihrer Berufung: Dem Trommeln. Mit einer neuen Show gastieren „The Drummers of Japan“ während der Sommerpause in der Hamburgischen Staatsoper.

„Bakuon — Legend of the Heartbeat“ nimmt den Herzschlag alles Lebendigen zum Ausgangspunkt, und den übertragen die virtuosen Trommler auf ihre Instrumente. Die riesige Odaiko ist mit 1,70 Meter Durchmesser und einem Gewicht von 500 Kilogramm der größte Star unter den fellbespannte Exemplaren auf der Bühne; auch sie wurde aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt. Apropos: Jedes Mitglied der weltweit tourenden Truppe schnitzt die eigenen Trommelstäbe selbst; und alle wohnen, essen, trainieren und arbeiten zusammen. Ein Tag im Leben eines Yamato-Trommlers beginnt am frühen Morgen mit einem 10-Kilometer-Lauf, bevor es ans Krafttraining geht, auf das dann die rhythmischen Übungen folgen…

Nur aus einer derart diszipliniert lebenden und aufeinander eingeschworenen Gemeinschaft können Harmonie und Perfektion entstehen, die eine Yamato-Vorstellung auszeichnet: Komplexeste Rhythmen im gemeinsamen Spiel sowie Bewegungen, die den Einsatz des gesamten Körpers fordern. Auch die Stimme wird als Instrument eingesetzt, ebenso andere perkussive Klangkörper wie Zimbeln und die dreisaitige Shamisen, die auch Melodien zur „körperlichen Musik“ beiträgt, wie die Bühnenkunst Yamatos oft genannt wurde.

Trotz aller Tradition: Das 1993 gegründete Ensemble ist längst in der Gegenwart angekommen. „Wir arbeiten mit zeitgemäßem Lichtdesign, das perfekt auf den Sound und die Bewegungen der Performer abgestimmt ist“, sagt Masa Ogawa, Gründer und Künstlerischer Leiter. Zentrum jeder Show ist und bleibt jedoch die Energie, und er verspricht: „Wer dem Klang von Yamato noch nicht begegnet ist, wird erstaunt sein, wie viel Energie man aus einer Performance ziehen kann!“

Aufführungen: 25.-30.8., Di.-Fr. 20 Uhr, Sa. auch 16 Uhr, So. auch 15 Uhr
Karten 18,50-67 Euro, Tel. 35 68 68 und 450 118 676 

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