Yang Guifei – Die Konkubine des Kaisers

Forum der Hochschule für Musik und Theater

25. Februar 2014 17:09 Uhr
Yang Guifei

Eine atemberaubende Begegnung: Yang Guifei (Rebekka Reister) und der Eunuch Gao Lishi (Algirdas Bagdonavičius)

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Christian Enger

Angebote, die man nicht ablehnen kann, gab es allerorten und zu allen Zeiten: Wenn der Kaiser von China beschließt, eine Frau zu seiner Konkubine zu machen, konnte die Auserwählte sich nicht verweigern. Die meisten fühlten sich von einem solchen Ansinnen geschmeichelt. Nicht jedoch Yang Guifei, die im 8. Jahrhundert als eine der schönsten Frauen im Reich der Mitte galt. Denn sie war schon verheiratet – mit einem der zahlreichen Söhne des Kaisers; in dieser Position hätte sie sich durchaus vorstellen können, einmal zur Kaiserin aufzusteigen, nicht indes über den eigenen Schwiegervater. Doch der Sohn des Himmels, als der ein chinesischer Kaiser galt, setzte sich durch und besiegelte ihr Schicksal.

Yang Guifei ist in Asien eine der bekanntesten legendären Frauengestalten. Ihr kurzes Leben hat alles, was ein Opernstoff braucht, sagte sich die chinesische Komponistin Yijie Wang und initiierte das ambitionierte Musiktheaterprojekt an der Hochschule für Musik und Theater. Die 31-jährige Chinesin übersetzte die Geschichte auf eine Weise, die musikalisch im besten Sinn des Wortes eine Brücke schlägt: Durch die Wahl der Instrumentierung und den Umgang mit komplexen rhythmischen Strukturen bekommt die Komposition ein fremdländisches Gewand, in das sich dennoch für westeuropäische Ohren vertraute Muster und Farben mischen, sodass zwischen Exotik und dem Wiedererkennen eine aufregende Balance entsteht. So eröffnet die rund 90-minütige Oper einen leichtgängigen Zugang zu einer hierzulande gemeinhin fremden Lebenswelt, und den ermöglicht neben den mitunter disharmonischen Klängen vor allem der auf Tafeln mitzulesende poetische und einfühlsame Text von Librettist Sören Ingwersen sowie die Inszenierung von Opernregisseur Dominik Neuner, dem mit reduzierten Mitteln Großartiges gelingt.

„Lerne mich lieben oder lass mich frei“, singt Yang Guifei, die in idealtypischer Weise durch die Sopranistin Rebekka Reister Gestalt annimmt. Sie fügt sich in das unvermeidliche Los, eine sehr privilegierte Gefangene zu sein; und es scheint, als ob es ihr sogar gelingt, sich in den Mann hinter dem Kaiser zu verlieben (überzeugend in seiner Ambivalenz: Jianeng Lu). Der ist einerseits der vielleicht mächtigste Herrscher seiner Zeit, andererseits ein schwacher Regent; „der Kaiser interessiert sich nicht für Politik“, weiß sein Eunuch Gao Lishi zu berichten – grob und dennoch verletzlich verkörpert von Countertenor Algirdas Bagdonavičius. Der Eunuch des Kaisers ist es schließlich auch, der durch eine Intrige die immer stärker werdende Position von Yang Guifei zu erschüttern vermag, aufständisches, weil hungerndes, Volk und falsche politische Entscheidungen tun ein Übriges, die damalige Tang-Dynastie zu stürzen.

„Yang Guifei“ lässt das Publikum in eine faszinierende Welt eintauchen und zeitgleich ein emotionales und deshalb durchaus tiefes Verständnis für die andersartige Kultur zu. Die Oper hat das mitunter inflationär benutzte Wort tatsächlich verdient: ein gelungenes Gesamtkunstwerk.

Weitere Vorstellungen: 25.2., 27.2., 1.3. um 19:30 Uhr, 2.3. um 18 Uhr,
Hochschule für Musik und Theater, Harvestehuder Weg 12

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