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Walter Ruppel ist tot

Das Ohnsorg Theater verdankt ihm entscheidende Impulse
Walter Ruppel

Walter Ruppel war von 1986 bis 1994 Inten­dant der platt­deut­schen Bühne

„Wie andere Leute Läuse, haben wir Ideen!“, sagte er einmal zu einem befreun­de­ten Regis­seur. Walter Ruppel war bis ins hohe Alter jemand, der sein Umfeld immer wieder mit neuen Ideen über­raschte und stets um Mitstrei­ter warb, damit seine Vorstel­lun­gen Wirk­lich­keit werden konn­ten.

Begon­nen hat Walter Ruppel seine Thea­ter­lauf­bahn 1950 in seiner Heimat­stadt Hamburg am Thea­ter im Zimmer bei Helmuth Gmelin. Nach Statio­nen als Leiter der Pres­se­stelle des Süddeut­schen Rund­funks in Stutt­gart, als Drama­turg und Lektor beim Gustav Kiepen­heuer Verlag in Berlin, zog es ihn zurück an die Elbe – als Chef­dra­ma­turg ans Thalia Thea­ter, damals unter der Leitung von Willy Maer­tens und Profes­sor Kurt Raeck. Es folg­ten 13 Jahre als Inten­dant in Regens­burg und Bremer­ha­ven und als Refe­rent in der Inten­danz an der Deut­schen Oper am Rhein, bevor er von 1983 bis 1985 gemein­sam mit seinem Freund Peter Strie­beck die Geschi­cke des Thalia Thea­ters in Hamburg erneut bestimmte.

Als Walter Ruppel 1986 schließ­lich zum Inten­dan­ten des Ohnsorg-Thea­ters bestellt wurde, konnte er die viel­fäl­ti­gen Kennt­nisse und Kontakte von all seinen beruf­li­chen Statio­nen in seine neue Aufgabe an den Großen Blei­chen einbrin­gen. Seine Idee war es zum Beispiel, den Klas­si­ker­ka­non der deut­schen Thea­ter­li­te­ra­tur darauf­hin zu über­prü­fen, welche Stücke für die platt­deut­sche Bühne geeig­net sein könn­ten. Deshalb verdankt das Ohnsorg-Publi­kum ihm so wunder­bare Vorstel­lun­gen wie „Dat Schö­ren­ge­richt“ nach Hein­rich von Kleists „Der zerbrochne Krug“, „De Biber­pelz“ und „Fohr­mann Henschel“ von Gerhart Hautp­mann über Bertolt Brechts „Klein­bür­ger­hoch­zeit“ bis hin zur „Bremer Frei­heit“ von Rainer Werner Fass­bin­der. Und er setzte auch Klas­si­ker der Unter­hal­tung wie „Sturm im Wasser­glas“ oder die Schwänke von Arnold und Bach auf den Spiel­plan – nicht zu verges­sen die erfolg­rei­chen Lust­spiele und Komö­dien englisch­spra­chi­ger Autoren. Er lud zudem befreun­dete Regis­seure aus ganz Deutsch­land ein, am Ohnsorg-Thea­ter zu insze­nie­ren. Und sie kamen alle gern an die Großen Blei­chen und lern­ten die Ausdrucks­kraft der für sie erst einmal neuen platt­deut­schen Spra­che kennen und schät­zen.

Mit seinen Ideen hat Walter Ruppel dem Ohnsorg-Thea­ter in den acht Jahren als Inten­dant entschei­dende Impulse für die Zukunft gege­ben. Er hat die Entwick­lung der nieder­deut­schen Bühne maßgeb­lich voran­ge­trie­ben auf dem Weg in die heutige Zeit und dabei gleich­zei­tig der Geschichte und Tradi­tion des Hauses Rech­nung getra­gen.

Auch als er 1994 aus gesund­heit­li­chen Grün­den aus der akti­ven Arbeit ausschei­den musste, blieb er dem Thea­ter als Ratge­ber,  Anre­ger und Freund weiter verbun­den.

Für seine Verdienste um das deut­sche Thea­ter wurde Walter Ruppel 1991 vom dama­li­gen Bundes­prä­si­den­ten Richard von Weiz­sä­cker das Bundes­ver­dienst­kreuz verlie­hen. Ebenso erhielt er die Ohnsorg-Verdienst­me­daille für seine lang­jäh­rige erfolg­rei­che Inten­danz an den Großen Blei­chen.

Walter Ruppel verstarb am 22. Dezem­ber 2016 in einer Alters­re­si­denz in Hamburg.

Das Ohnsorg-Thea­ter trau­ert um seinen lang­jäh­ri­gen künst­le­ri­schen Leiter, ein einfluss­rei­ches Vorbild, einen Freund und groß­ar­ti­gen Menschen.

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