Freie und Olympiastadt Hamburg

12. November 2014 9:38 Uhr

Donnerwetter! „Hamburger Kulturschaffende starten Pro-Olympia-Initiative“, war jüngst zu vernehmen. Zu den Unterzeichnern gehört neben Musikern wie Udo Lindenberg auch viel Theatervolk. Allen voran Schmidt-Theater-Chef Corny Littmann, aber auch Thalia-Chef Joachim Lux und vom Ernst Deutsch Theater Isabella Vértes-Schütter oder Volker Lechtenbrink, Michael Batz und und und … Sie wollen der Kultur ganz wunderbare neue Möglichkeiten während der Olympiade eröffnen. Das ist ja der Wahnsinn!
„Die Initiative zeigt sich insbesondere von der Möglichkeit begeistert, die Olympischen Spiele nicht nur als sportliches Großereignis, sondern auch als kulturelle Chance und Herausforderung zu sehen“, erklären sie. Dabei beziehen sich die Initiatoren auf Zahlen des IOCs zur Londoner Olympiade 2012. „Über 14 Millionen Menschen nahmen an Kulturveranstaltungen im Rahmen der Olympischen Spiele teil.“
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Bis zu 14 Millionen Menschen, die vielleicht in Hamburgs kulturelle Einrichtungen strömen wollen. Da müsste man nur vorher da und dort noch ein paar Sitzplätze anbauen. Extra-Logen ins Thalia. Eine Mega-Tribüne auf den Spielbudenplatz für einen olympischen Schlagermove. Oder so. Mit einer rotierenden Littmannsäule, ähm, Litfaßsäule, auf der das umfangreiche Kulturprogramm mit interaktiven Bedienmodulen auslotbar ist.
Was? Die Kultur-Olympiade hat gar nicht nur in London stattgefunden, sondern in ganz Großbritannien? Und weil auch Cate Blanchett und Jude Law und Stella McCartney was geboten haben und Jeremy Gill mit „Massive Attack“ sogar in Irland ein Konzert gegeben haben, da könnte es sein, dass auch Einheimische Tickets gekauft haben? Macht doch nix. Da die Sportstätten ja auch um Hamburg herum verteilt werden sollen, könnte man dann doch entsprechend kulturell was entwickeln! Vielleicht ließe sich fürs ländliche Revier zwischen Ostseestrand, Lüneburger Heide und Harz allerlei von den Inseln übernehmen? Die Hüpfburg in Naturgröße des Steinkreises von Stonehenge, die gehäkelten Löwen aus Nottingham, die LED-Panels von Londoner Bushaltestellen, auf denen die Wartenden eigene Kunstwerke schaffen konnten oder das Fußballfeld inmitten schottischer Wälder – naja, gut. Das nicht.
Wie auch immer. Die Elbphilharmonie, dieser Schneewittchensarg mit Zuckerguss, der Materie gewordene Märchentraum hanseatischer Kaufmannschaft, könnte mit einem All-Nations-Orchestra passend zur Olympiade 2024 endlich eröffnet werden. Auf den gläsernen Zinnen stünde Thomas Bach, Präsident des IOCs, und würde vom Dach dem Elbvieh, ähm, vom Dach der Elphi aus die Spiele eröffnen. Was für ein erhebender kultureller Moment. Wahrhaft angemessen. Geradezu ein Lichtstrahl vom Olymp. Er wird leuchten und nachstrahlen. Er wird noch lange einen Abglanz in Hamburgs neuem Autokennzeichen finden, das uns Ost-Holstein zum Dank fürs Mitmachen-Dürfen gern überlässt: statt „HH“ dann „OH“. Freie und Olympiastadt Hamburg. Das wär’s doch!

Estragon

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