Kinder & Jugend / Vorbericht

„Das Verbot muss aufgegeben werden!“

Das Fundus Theater feiert 40-jähriges Jubiläum

Haben flei­ßig im Fundus gekramt: Thea­ter­grün­de­rin­nen Syli­via Deinert (links) und Tine Krieg

Text & Fotos: Sören Ingwersen

Corona ist schlimm, keine Frage. Aber: Endlich hat man mal Zeit zum Ausmis­ten. Denn in vier­zig Jahren sammelt sich vieles an. Gegrün­det wurde das Fundus Thea­ter 1980 von Sylvia Deinert und Tine Krieg. Zum Jubi­läum haben die Thea­ter­ma­che­rin­nen flei­ßig im – Nomen est omen – Fundus gewühlt und hunderte von Gegen­stän­den zu einer „Versamm­lung der Dinge“ zusam­men­ge­tra­gen. Kuriose, gewöhn­li­che, putzige, aber auch schein­bar völlig nutz­lose Dinge können Kinder und Erwach­sene in dieser inter­ak­ti­ven Ausstel­lung in Vitri­nen und Rega­len betrach­ten, betas­ten und hinsicht­lich ihrer Geschichte befra­gen. Denn: Jedes dieser Dinge hat bereits eine oder mehrere Rollen auf den beiden Bühnen des Fundus Thea­ters gespielt und spricht somit seine ganz eigene Sprache.

Auch Kinder und Erwach­sene haben oft ihre jeweils eigene Spra­che, weshalb eine gemein­same Verstän­di­gung manch­mal schwer fällt. „Wahr­heit oder Wagnis“, kurz: „WOW“ heißt das Spiel im Rahmen der Reihe „Trans­ge­ne­ra­to­ren“, in dem Kinder und Erwach­sene sich gegen­sei­tig Fragen stel­len und Instruk­tio­nen geben, die per Video einge­spielt werden. Eine Heraus­for­de­rung für beide Seiten, bei der auch Mut gefor­dert ist. Sowohl an der Ausstel­lung „Versamm­lung der Dinge“ als auch an dem Genera­tio­nen-Match „WOW“ können Besu­cher bereits am Jubi­lä­ums­wo­chen­ende (12. und 13. Septem­ber) teil­neh­men, mit dem die neue Spiel­zeit im Fundus Thea­ter beginnt. Die verspricht aber noch eini­ges mehr.

Fund­stü­cke aus vier­zig Thea­ter­jah­ren: „Die Versamm­lung der Dinge“

Neben Eigen­pro­duk­tio­nen wie „Zucker“, „Das Blaue vom Himmel“ und „Mehr Licht“ darf man sich auf vier Gast­spiel­pre­mie­ren der freien Hambur­ger Kinder­thea­ter­szene freuen: die Tanz­per­for­mance „Falten“, die neue Sicht­wei­sen auf den Körper und die Dinge der Umge­bung eröff­net, das philo­so­phi­sche Tanz­stück „Der Tiger und du“, das die Bezie­hung zwischen Kind und Tier erfor­schen möchte, die Produk­tion „Neuland“, die mit digi­ta­len Mitteln einen Flucht­weg aus Syrien erkun­det, sowie das Thea­ter­stück „Luca“, mit dem das Duo „kirsch­kern Compes & Co.“ gemein­sam mit den Zuschau­ern tief in die Ursuppe eintaucht, um zum Ursprung des Lebens vorzudringen.

Wie künst­le­ri­sches Leben spon­tan auf der Bühne oder an sons­ti­gen Orten entste­hen kann, erfah­ren die Teil­neh­mer der zwei­tä­gi­gen Forschungs­werk­statt „Meine aller­erste Kunst­ak­tion“, ange­lei­tet von drei Performance-Künstler*innen aus London. Erst­mals können hier auch Erwach­sene mitma­chen. Und auch die vier Perfor­man­ces des däni­schen Projekts „Live Art“ von denen zwei im Fundus Thea­ter und zwei auf Kamp­na­gel statt­fin­den, zeigen, wie sich mit den Mitteln der Kunst die Welt erfor­schen lässt. Eine Welt, die immer noch mit dem Corona-Virus kämpft, dem sich natür­lich auch das Fundus Thea­ter anpas­sen muss. Mit „Eine Klasse für sich“ hat man ein Format erar­bei­tet, mit dem auch Schu­len das Thea­ter sicher besu­chen können. Aber was hilft es, wenn außer­schu­li­sche Unter­neh­mun­gen zurzeit grund­sätz­lich unter­sagt sind? „Dieses Verbot muss aufge­ge­ben werden!“, fordert Tine Krieg. Mit diesem Appell will man sich auch an die Schul­be­hörde wenden.

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