Kritik / Musiktheater

Frisch entstaubt und frech bestückt

„Das Labyrinth – Die Zauberflöte Teil 2“, Opernloft
Die Zauberflöte Teil 2

Saras­tro (Alex­an­dra Hebart) über­lässt Tamino (Thomas Brie­se­meis­ter) den Prüfun­gen im viel­di­men­sio­na­len Labyrinth.

„Stern­ta­ge­buch: Wir schrei­ben das Jahr 2400. Zwischen den Plane­ten Isis Bela 12 und Osiris Tetra Pak stehen die Zeichen auf Krieg.“ So in etwa hätte der zweite Teil der „Zauber­flöte“ im neuen Opern­loft in der Innen­stadt anfan­gen können. Bestens zur beton­küh­len Archi­tek­tur der Bühne im Sprin­ger-Haus an der Fuhl­ent­wiete passend, kommt nämlich die Fort­set­zung der berühm­ten Mozart-Oper im Gewand eines Science-Fiction-Aben­teu­ers daher, mit saftig moder­ni­sier­tem Text. Den zu moder­ni­sie­ren, wenn man den Einlas­sun­gen des Hauses folgt, gera­dezu nötig war. Denn Emanuel Schi­ka­ne­der hatte in seinem Wunsch, an den Erfolg seiner von Mozart 1790/91 verton­ten Zauber­flöte anzu­schlie­ßen, ein schon seinen Zeit­ge­nos­sen schwer verständ­li­ches Werk verfasst. Als er zudem nach Mozarts Tod die Musik dem damals zwar belieb­ten, aber doch weit­aus weni­ger genia­li­schen Peter von Winter hatte über­las­sen müssen, verschwand die Fort­set­zung der enorm popu­lä­ren „Zauber­flöte“ bereits wenige Jahre nach ihrer Urauf­füh­rung im tiefs­ten Fundus.

Nun also frisch entstaubt und mit frechem Text von Sören Ingwer­sen bestückt, feiert die gefäl­lige Oper über Welten­kampf und Liebes­leid ihre Aufer­ste­hung. Es wird viel gere­det in dieser Acht-Rollen-Geschichte, die den alten, fort­wäh­ren­den Zwist zwischen Saras­tro und der Köni­gin der Nacht, zwischen Aufklä­rung und Mystik herauf­be­schwört. Pamina und Tamino im Raum­fahrt-Look beschwe­ren sich vergeb­lich, dass sie erneut Prüfun­gen bestehen sollen, um sich in ihrer Ehe zu finden. Doch wieder geht’s ins Laby­rinth, das sich ganz zeit­ge­mäß als in die Raum-Zeit-Dimen­sion verlän­gert entpuppt. Somit geht’s drun­ter und drüber – mal unter, mal auf der karg deko­rier­ten Bühnen­po­des­te­rie – mal mehr auf der Erde, mal mehr auf dem Mond.

Und immer wieder verfüh­ren die vier Darstel­ler in ihren jewei­li­gen Doppel­rol­len mit schö­nen Arien. Oft genug, dass die Musik dem Zuhö­rer fast bekannt erscheint. Doch immer ist sie eigen. Von Winter hat sich klug einer musi­ka­li­schen Zitat­nähe nicht verschlos­sen, bleibt aber selb­stän­dig und berei­tet damit ein Hörver­gnü­gen, das zwischen Vertraut- und Fremd­heit schwankt – hier unter Markus Brukers Leitung auf Klavier, Flöte und Klari­nette redu­ziert. Theresa Derksen zeigt ihre Pamina als würdige Kolo­ra­tur­toch­ter der Köni­gin der Nacht. Sie hat in Thomas Brie­se­meis­ter einen stimm-adäqua­ten Tamino an ihrer Seite – und vor allem den Mann, der sich von den Finten der Köni­gin nicht täuschen lässt und die entführte Liebste aus den Klauen der wild gewor­de­nen Mutter (furios und stimm­ge­wal­tig: Geor­gia Jamie­son Emms) befreit. Wie ein Fixstern über­strahlt Alex­an­dra Hebart mit ihrem klaren und wohl arti­ku­lie­ren­den Mezzo­so­pran als Saras­tro das Szena­rio. Er ist die starke Figur, die in Nicola Fell­manns leicht­hän­dig wirken­der Insze­nie­rung die Fäden zusam­men­hält. Und sich vor den manch­mal fast über­star­ken Back­ground-Projek­tio­nen von Spruch­bla­sen und Welt­all­bil­dern beson­ders würdig behauptet.

Übri­gens: Den Opern­spaß gibt es in Kinder­va­ri­ante regel­mä­ßig auch als „Zauber­flöt­chen“.
Das neue Opern­loft, Fuhl­ent­wiete 7, 20355 Hamburg, Tele­fon: 25491040, www.openloft.de

Text: Oliver Törner
Foto: Silke Heyer

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