Kinder & Jugend / Kritik

Und ewig lockt die Jugend

„Potilla und der Mützendieb“, Hamburger Kammerspiele
Potilla und der Mützendieb

Fee Potilla (Ann-Chris­tin Ahle) tut sich mit der Zaube­rei schwer, seit sie aus ihrem Feen­hü­gel vertrie­ben wurde.

Mit einem schlich­ten Bühnen­bild kommt Regis­seur Franz-Josef Dieken in seiner Insze­nie­rung „Potilla und der Mützen­dieb“ nach einer frühen Erzäh­lung von Corne­lia Funke aus. Dennoch ist der Wald, der im Mittel­punkt des Gesche­hens steht, ein rich­ti­ger Wald. Dafür sorgen Stoff­bah­nen, die von der Decke hängen, sowie Licht- und Video­tech­nik. So schil­lern die Bäume in immer neuen Farben.

Aber: Der Wald ist krank. Die Pflan­zen welken und ster­ben ab. Einige Tiere werden unge­müt­lich, weil ein alter Gries­gram die Feen samt Köni­gin Potilla aus dem Feen­hü­gel vertrie­ben und ihnen ihre roten Mützen gestoh­len hat. Die brau­chen sie nämlich, um in ihr Feen­reich zurück­zu­keh­ren. Die Lage scheint hoff­nungs­los, als Potilla von Arthur, einem etwas verträum­ten und behä­bi­gen Jungen gefun­den wird, den die frechen Zwil­linge Benno und Bruno ärgern, wo und wann sie nur können. Arthur aber hat eine gute Freun­din namens Esther, mit der er sich in Geheim­codes unter­hält. Arthur und Esther beschlie­ßen, Potilla zu helfen. Esthers rotes Haar erweist sich als vorteil­haft, denn aus den Sträh­nen kann Potilla neue rote Mützen stri­cken. Nun muss nur noch der Feen­hü­gel zurück­er­obert werden. Ein gefähr­li­ches Unter­neh­men, denn der neue Herr des Feen­rei­ches ist inzwi­schen ein kräf­ti­ger junger Mann gewor­den. Und nun wird auch klar, warum der Eindring­ling sich des Feen­hü­gels bemäch­tigt hat: Die ewige Jugend der Feen hatte den alten Mann ange­lockt. Die wird er mit allen Mitteln vertei­di­gen. Mit einem klei­nen Fins­ter­ling, dem er Ruhm und Reich­tum verspro­chen hat, besitzt er dazu einen entschlos­se­nen Kumpa­nen. Aber Arthur und Esther lassen ihre neue Freun­din Potilla nicht im Stich, auch wenn die manch­mal etwas zickig und eigen­wil­lig ist. Ein span­nen­des Finale beginnt.

Franz-Joseph Dieken hat Corne­lia Funkes moder­nes Märchen um Feen, Freund­schaft und den Traum von ewiger Jugend span­nend wie einen Krimi und farben­präch­tig insze­niert, rund um den Gegen­satz zwischen fried­li­cher Feen- und der von Macht gepräg­ten Menschen­welt. Im schlich­ten Bühnen­bild tummeln sich zudem aufwän­dig heraus­ge­putzte Tiere, und auch an elek­tro­ni­schem Spiel­zeug in Arthurs Zimmer und ande­ren Effek­ten fehlt es nicht.

Text: Chris­tian Hanke
Foto: Bo Lahola

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*