Der Bogenwettkampf

Theater Zeppelin, HoheLuftschiff

13. Mai 2014 23:23 Uhr
Der Bogenwettkampf

Nur Odysseus kann den Bogen spannen!

Text: Stephanie Schiller | Foto: Friedemann Simon

Ein bisschen fühlt man sich gleich an Erich Kästners fliegendes Klassenzimmer erinnert – auch „Der Bogenwettkampf“ aus Homers 20. und 21. Gesang wird als Spiel im Spiel inszeniert. Einen wunderbaren Text hat Christine Heitfeld da den Kindern der Theaterschule Zeppelin auf den Leib geschrieben. Eine Vorlage, aus der Regisseurin Angela Mara Florant mit den jungen Schauspielern eine mitreißend-lebendige Inszenierung erarbeitete. Jetzt feierte das Stück Premiere auf dem HoheLuftschiff.

In Christine Heitfelds Version vom „Bogenwettkampf“ spielen die Mädchen und Jungs einer Schulklasse eines der letzten Kapitel aus der „Odyssee“ – bzw. sie wollen es spielen. Aber noch sind nicht alle Rollen verteilt. Ausgerechnet Odysseus ist abgesprungen. Penelope braucht einen neuen Helden. Die Kandidaten stehen schnell bereit, ähnlich wie die Freier, die die Frau von Odysseus einst belagerten, um den Thron von Ithaka zu besteigen, haben es die Jungs auf das beliebteste Mädchen der Klasse abgesehen. Ihre mangelnde Probendisziplin spricht nicht gerade für ihre Theaterbegeisterung. Dafür geizen sie nicht mit Abendeinladungen ins Kino. Jungs eben.

Doch einer ist anders. Er ist neu in der Klasse und wird von den anderen ziemlich links liegengelassen. Uncool sei er, sagen sie. Und überhaupt: Als Held kommt nur in Frage, wer schon länger an der Schule ist. Sie dissen sich gegenseitig, spielen sich gegen die anderen in den Vordergrund, machen Witze auf Kosten ihrer Mitbewerber um die Hauptrolle. Besonders heldenhaft benehmen sich die Jungs nicht. Ein Casting muss her. Die Mädchen wählen den „Bogenwettkampf“ aus – in der Odyssee ist das die Stelle, in der die Freier, die Penelope belagern, versuchen müssen, den Bogen des Odysseus zu spannen. Klar, das kann nur Odysseus. Und wer schafft es im Casting im Klassenzimmer? Vielleicht doch der Außenseiter?

Noëmi Hermanns (Athene), Nike Kilander (Penelope), Miriam Kornblueh/Emma von Rantzau (Telemachos), Su Yildiztekin (Eurykleia), Jovan Djordejevic (Eurymachos), William-Jonathan Westphal (Atinoos), Jacob-Arda Usinger (Leiodes) und Loïc Nestler (Odysseus) überzeugen gleichermaßen durch die Natürlichkeit ihrer Dialoge wie durch ihren Spielwitz, mit dem sie das Stück vorantreiben. Prädikat: unbedingt sehenswert!

Weitere Vorstellungen: Sonntag, 11.05., 11 Uhr / Donnerstag, 15.05., 10 Uhr / Sonntag, 18.05., 16 Uhr, HoheLuftschiff

0 Kommentare

Sie können der erste Kommentator sein.

Schreiben Sie einen Kommentar.