Halpern & Johnson

Ernst Deutsch Theater

20. April 2014 11:44 Uhr
Halpern & Johnson

Kommen sich nur langsam näher: Halpern (Werner Rehm, l.) und Johnson (Charles Brauer)

Text: Hans-Peter Kurr / Foto: Oliver Fantitsch/Ernst Deutsch Theater

Gerd Heinz, seit den 60er-Jahren als Karl Moor in Schillers „Räubern“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburger Theaterfreunden bekannt, später als Direktor des Zürcher Schauspielhauses internationale Erfolge erzielend, vor kurzem am Ernst Deutsch Theater mit einer glänzenden Inszenierung des molierischen „Tartuffe“ aufgefallen, gestaltete die jüngste Premiere am Ernst Deutsch Theater mit einem seiner – verständlicherweise – Lieblingsdarsteller Charles Brauer zu einem Schauspielerfest, hinter dem er als Regisseur bescheiden zurücktritt.

Brauers Partner sollte ursprünglich Uwe Friedrichsen sein, der aber nach den ersten Proben aus Altersgründen auf die Rolle des Halpern verzichtete und den Platz räumte für Werner Rehm, der sich durchaus als Brauers Qualität gewachsener Partner erweist.

Die Geschichte des originellen Schauspiels von Lionel Goldstein: Halpern steht nach 50 Jahren Ehe am Grab seiner Frau, als er dort einen fremden Mann entdeckt, der einen Blumenstrauß abzulegen wünscht; es entbrennt ein heftiger Streit, als jener Fremde mit Namen Johnson erklärt, die Verblichene noch vor ihrer Eheschließung mit Halpern gekannt und geliebt zu haben. Es folgt ein dreiaktiger dialogisierter Bühnenstreit, der zuweilen eine Idee zu breit ausgewalzt wird, bis die zwei Männer erkennen, dass sie über diese Liebe hinaus Freunde werden könnten.

Der groteske Humor des Autors erweist sich als durchaus tragfähig: Der männliche Mensch, geworfen in nackte Geschöpflichkeit, rettet sich gleichwohl mit den verblüffendsten Kapriolen seiner Denkschärfe und vermag am Schluss, wenn sich beide erneut am Grab zusammenfinden, mehr Verantwortung auf sich zu nehmen, als ihm des Schicksals Mächte zumuten wollten, und so werden beide zu nahezu prometheischen Grundfiguren. Zwei herausragende Schauspieler wie Brauer und Rehm können das dicht und glaubwürdig zeigen und bringen ihre tollen, halsbrecherischen Diskussionskaskaden sieghaft zum Klingen. Ein Fest für zwei tolle Menschendarsteller, unterstützt von einem feinfühligen Regisseur, der die Gabe der szenischen Fantasie besitzt, weil auch er beide Berufe ausübt.

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