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Halpern & Johnson

Ernst Deutsch Theater
Halpern & Johnson

Kommen sich nur lang­sam näher: Halpern (Werner Rehm, l.) und John­son (Charles Brauer)

Text: Hans-Peter Kurr / Foto: Oliver Fantitsch/Ernst Deutsch Theater

Gerd Heinz, seit den 60er-Jahren als Karl Moor in Schil­lers „Räubern“ am Deut­schen Schau­spiel­haus Hambur­ger Thea­ter­freun­den bekannt, später als Direk­tor des Zürcher Schau­spiel­hau­ses inter­na­tio­nale Erfolge erzie­lend, vor kurzem am Ernst Deutsch Thea­ter mit einer glän­zen­den Insze­nie­rung des molie­ri­schen „Tartuffe“ aufge­fal­len, gestal­tete die jüngste Premiere am Ernst Deutsch Thea­ter mit einem seiner – verständ­li­cher­weise – Lieb­lings­dar­stel­ler Charles Brauer zu einem Schau­spie­l­er­fest, hinter dem er als Regis­seur beschei­den zurücktritt.

Brau­ers Part­ner sollte ursprüng­lich Uwe Fried­rich­sen sein, der aber nach den ersten Proben aus Alters­grün­den auf die Rolle des Halpern verzich­tete und den Platz räumte für Werner Rehm, der sich durch­aus als Brau­ers Quali­tät gewach­se­ner Part­ner erweist.

Die Geschichte des origi­nel­len Schau­spiels von Lionel Gold­stein: Halpern steht nach 50 Jahren Ehe am Grab seiner Frau, als er dort einen frem­den Mann entdeckt, der einen Blumen­strauß abzu­le­gen wünscht; es entbrennt ein hefti­ger Streit, als jener Fremde mit Namen John­son erklärt, die Verbli­chene noch vor ihrer Eheschlie­ßung mit Halpern gekannt und geliebt zu haben. Es folgt ein drei­ak­ti­ger dialo­gi­sier­ter Bühnen­streit, der zuwei­len eine Idee zu breit ausge­walzt wird, bis die zwei Männer erken­nen, dass sie über diese Liebe hinaus Freunde werden könnten.

Der groteske Humor des Autors erweist sich als durch­aus trag­fä­hig: Der männ­li­che Mensch, gewor­fen in nackte Geschöpf­lich­keit, rettet sich gleich­wohl mit den verblüf­fends­ten Kaprio­len seiner Denk­schärfe und vermag am Schluss, wenn sich beide erneut am Grab zusam­men­fin­den, mehr Verant­wor­tung auf sich zu nehmen, als ihm des Schick­sals Mächte zumu­ten woll­ten, und so werden beide zu nahezu prome­t­hei­schen Grund­fi­gu­ren. Zwei heraus­ra­gende Schau­spie­ler wie Brauer und Rehm können das dicht und glaub­wür­dig zeigen und brin­gen ihre tollen, hals­bre­che­ri­schen Diskus­si­ons­kas­ka­den sieg­haft zum Klin­gen. Ein Fest für zwei tolle Menschen­dar­stel­ler, unter­stützt von einem fein­füh­li­gen Regis­seur, der die Gabe der szeni­schen Fanta­sie besitzt, weil auch er beide Berufe ausübt.

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