Höhnisches Gelächter verdient

„DOKUSOAP 3000 – Hackfleisch! Terror! Nazis! Live!“, „Radikal & Arrogant“ im Theater Orange

9. März 2012 1:23 Uhr
DOKUSOAP 3000

Sohn (Sonny Kleinfeldt) und Vater (Lennart Fabian-Müller) mit Buddeln vor Nudeln von Muttern (Swaantje Becker)

Die freie Film- und Theatergruppe „Radikal & Arrogant“ aus Hamburg stellt ihr neues Theaterprojekt vor: „DOKUSOAP 3000 – Hackfleisch! Terror! Nazis! Live!“. Ein abenteuerlicher Titel. Im Stil von Dokusoaps à la „Mitten im Leben“ soll das Naziproblem vieler deutscher Kleinstädte auf die Bühne gebracht werden.

Die Handlung will ans Nachmittagsfernsehen erinnern: Mutter Sybille und Vater Stefan leben getrennt, der vierzehnjährige Sohn Cornelius wendet sich der Naziszene zu. Die Mutter ist intellektuell mit dem Problem überfordert, der Vater war einst selbst aktives Mitglied der Szene und findet gut und richtig, was sein Sohn tut. In der Kleinstadt, in der die Familie wohnt, ist auch von außen kein Widerspruch zu erwarten; Nazi sein gehört hier zur alltäglichen Normalität, und so bleibt nur ein Leben, das konsequent gegen die Wand fährt …

Ganz wie im bekannten Trash-TV-Format soll es viele Skurrilitäten zu beobachten geben und massenhaft „Fremdscham-Momente“ dank der unbeholfenen Protagonistinnen. Anders als in der Fernsehversion des beliebten Unterhaltungsformats soll bei „DOKUSOAP 3000“ das unangenehme Gefühl, dass die Peinlichen das höhnische Gelächter vielleicht nicht verdient haben, wegfallen.

„Der hässliche, alltägliche, bürgerliche, deutsche Rechtsradikalismus war lange Zeit trotz Überpräsenz vor allem in der Provinz für Film, Fernsehen und gerade auch das Theater kein Thema. Wir gehören zu den ersten, die konsequent und ohne Über- oder Untertreibungen dieses reale Problem auf eine Bühne bringen“, erklärt Lars Kokemüller, Regisseur des Projekts. Gründe dazu sieht er mehr als genug.

Konkretester Bezug für das Stück ist die Gemeinde Tostedt in der Nordheide. „Hier wüteten die Nazis vor allem in den vergangenen drei Jahren mit steigender Brutalität und Rücksichtslosigkeit fast ungestört“, so Kokemüller, der lange Zeit unweit von Tostedt gelebt hat. Als Dreh- und Angelpunkt der dortigen Szene gilt der Laden Streetwear Tostedt. Dessen Betreiber wurde im Frühjahr 2011 wegen schwerem Landfriedensbruchs zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt und erhielt darüber hinaus die Auflage, seinen Laden zu schließen.

Dieses Urteil wurde nun aufgrund eines Verfahrensfehlers aufgehoben. Ein Schlag ins Gesicht für alle Aktivisten, die sich dort gegen die Nazis engagieren, finden die Mitglieder der Gruppe „Radikal & Arrogant“. „DOKUSOAP 3000“ ist laut Kokemüller auch eine „direkte und wütende Reaktion auf die Untätig- und Unfähigkeit von Polizei und Justiz in Tostedt und vielen anderen deutschen Kleinstädten“.

Die Premiere von „DOKUSOAP 3000“ findet am 9. März 2012 um 20 Uhr im Theater Orange, Marktstraße 24, statt. Weitere Termine: 10., 11., 18., 23., 24., 25. März. Karten über: tickets3000@gmx-topmail.de. Und es gibt einen Blog zum Stück: www.blog3000.blogsport.de.

Text: Oliver Törner
Foto: Anna Berg

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