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Verleihung des Kindertheaterpreises

St. Pauli Theater
Kindertheaterpreis 2013

Sena­to­rin Prof. Barbara Kisse­ler gratu­lierte dem Thea­ter Trieb­werk mit Uwe Schade, Nina Matten­klotz und Heino Sell­horn zum Kinder­thea­ter­preis 2013

Text: Stephanie Schiller | Foto: Michaela Kuhn

„Das Thea­ter war schön, denn ich war da“, zitierte Kultur­se­na­to­rin Prof. Barbara Kisse­ler am Sonn­tag­nach­mit­tag als Schirm­her­rin des Hambur­ger Kinder­thea­ter­prei­ses in ihrem Gruß­wort im St. Pauli Thea­ter einen Jungen, der nach dem Besuch einer Thea­ter­vor­stel­lung in der Schule etwas über dieses Erleb­nis hatte schrei­ben sollen. Er hätte auch an diesem Nach­mit­tag Recht gehabt: Schön war’s! Neben Lauda­tio­nes auf die drei prämier­ten Stücke und zahl­rei­chen Urkun­den gab es thea­tra­li­schen Spaß – mit Ausschnit­ten aus „Gummi-T“ (2. Preis) und „Wilhelms­bur­ger Winter­mär­chen: Edels Garten“ (3. Preis) sowie dem Gewin­ner­stück „Jo im roten Kleid“ in voller Länge.

Alle drei Produk­tio­nen, so Barbara Kisse­ler, hätten unter Beweis gestellt, dass das Kinder- und Jugend­thea­ter im „Hier und Jetzt ange­kom­men ist“. Eine Entwick­lung, die die Kultur­se­na­to­rin ausdrück­lich begrüßte. An die Stelle von Gegen­satz­paa­ren wie Gut und Böse ist die Ausein­an­der­set­zung mit kind- und jugend­li­cher Wirk­lich­keit getre­ten.

Entspre­chend klar waren die Entschei­dun­gen der Jury (Angela Dietz, Alex­an­dra Luise Gesch und Klaus Witzel­ing hatten aus 17 Produk­tio­nen zu wählen). Die freie Gruppe Thea­ter­box thema­ti­siert im „Wilhelms­bur­ger Winter­mär­chen: Edels Garten“ den Mut, Gren­zen zu über­schrei­ten. Regis­seur Gero Vier­huff erzählt in „Gummi-T“ die Geschichte eines Jungen, der um Aner­ken­nung kämpft. Jo und sein Freund schließ­lich versu­chen heraus­zu­be­kom­men, was das ist – ein Mann sein! Thea­ter, so Barbara Kisse­ler, funk­tio­niere für Kinder und Jugend­li­che oft wie ein Über­set­zer. Sich selbst kennen­zu­ler­nen und zu begrei­fen, ist mitun­ter schwer genug. Thea­ter kann Kindern ihre Wirk­lich­keit spie­geln; Ängste, Ärger, aber auch Hoff­nun­gen aufgrei­fen. Dass das alles nicht ohne finan­zi­elle Unter­stüt­zung geht, ist der Kultur­se­na­to­rin klar: „Beim nächs­ten Haus­halt werde ich wieder lästig sein“, versprach sie, sich stark zu machen für die freie Kinder­thea­ter­szene in Hamburg.

Freuen wird das auch die Hambur­gi­sche Kultur­stif­tung, die den Hambur­ger Kinder­thea­ter­preis alle zwei Jahre verleiht. Geschäfts­füh­re­rin Gesa Engel­schall betonte noch einmal, dass Hamburg eine der größ­ten und leben­digs­ten Thea­ter­sze­nen Deutsch­lands hat, und wie wich­tig es ist, die enga­gierte Arbeit der Thea­ter­ma­cher zu würdi­gen. An den drei ausge­wähl­ten Produk­tio­nen lobte sie das „hohe Gespür für die Lebens­wel­ten der Kinder“ – und dass die Arbei­ten dabei „nie beleh­rend“ sind.

Sicht­lich wohl fühl­ten sich zwischen Thea­ter­ma­chern, erwach­se­nem Publi­kum und den vielen Kindern, die sich im Anschluss an die Preis­ver­lei­hung „Jo im roten Kleid“ ansa­hen, auch die beiden Vertre­ter der Firmen, die den Kinder­thea­ter­preis in diesem Jahr finan­zi­ell unter­stütz­ten. Dr. Meyer-Hoeven von Pawlik Cosul­ting und Dr. Fried­richs von der HCI Gruppe. Meyer-Hoeven zitierte Samuel Beckett: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better“ – Becketts berühmte Auffor­de­rung, im Versuch nicht nach­zu­las­sen und im Schei­tern besser zu werden. Von Schei­tern konnte am Sonn­tag im St. Pauli Thea­ter keine Rede sein. Dass die Figu­ren auf der Bühne schei­tern dürfen hinge­gen, bleibt notwen­dige Voraus­set­zung für Kinder- und Jugend­thea­ter.

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