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Bambi

St. Pauli Theater
Bambi

Wie spricht die denn! Bambi (Torben Bartsch) wundert sich über die Allü­ren der Eule (Raphaela Groß-Fengels)

Text: Angela Dietz, Foto: G2 Baraniak

Chris­tian Berg hat für sein neues­tes Fami­li­en­mu­si­cal eine eigene Kate­go­rie erfun­den: das Waldi­cal. In der „Bambi“-Inszenierung, die am St. Pauli Thea­ter Urauf­füh­rung feierte, kommen lebens­große Puppen zum Einsatz. Eine Heraus­for­de­rung für die singen­den und tanzen­den Schau­spie­ler, die dadurch meist mit gebeug­tem Körper spie­len müssen.

Der musi­ka­li­sche Auftakt für Bambi, den frechen Hasen, die weise Eule und den Jäger mit dem rhyth­mi­schen Cajon-Spiel der auf die Bühne ziehen­den Darstel­ler verspricht Span­nung. Der Busch im Wald, der sich als getarn­ter Jäger entpuppt, bringt die Erzäh­lung ins Rollen. Fortan zieht Jäger Chris­tian Berg auf der Bühne durch die Szenen. Die Situa­ti­ons­ko­mik in und zwischen den Szenen, oft eher Klamauk als guter Witz, zielt dabei nicht selten auf die Erwach­se­nen im Publi­kum.

Bambi soll von der Mutter (Raphaela Groß-Fengels) das Leben im Wald erler­nen. Dazu gehört auch, Gefah­ren zu erken­nen und andere Tier-Freunde zu finden, schließ­lich der Liebe in Gestalt von Faline (Alex­an­dra Kurzeja) zu begeg­nen. Bambi gelingt alles, auch den Vater findet er.

Der drama­tur­gi­sche Kniff, eine Elster die Teile erzäh­len zu lassen, die nicht gespielt werden, gelingt gut und amüsiert, wenn der höfli­che Ton der figur­füh­ren­den Darstel­le­rin Lea Fischer in stot­ternde Empö­rung umschlägt, weil der Hase sich nicht beneh­men kann. Drama­tur­gisch eher grob geschnitzt ist die Einbet­tung des „Müll­the­mas“ ins Waldi­cal. Völlig unmo­ti­viert liegen plötz­lich ein paar Plas­tik­tü­ten im Wald, dazu dienend, das Publi­kum mit erho­be­nem Zeige­fin­ger daran zu erin­nern, keinen Müll in der Natur zurück­zu­las­sen.

Paul Glasers Musik, meist ein ganzes Orches­ter aus dem Off, animiert mit lieb­li­chen, zuwei­len zu süßli­chen Melo­dien oder auch mal Rock ’n‘ Roll zum Mitsin­gen. Warum Sprech­stel­len in der Insze­nie­rung Hinter­grund­mu­sik brau­chen, bleibt meist unklar. Der Ensem­ble-Gesang und insbe­son­dere die Duette und Solos begeis­tern die Premie­ren­be­su­cher, wobei manche Text­zeile arg in die Song­li­nie gequetscht werden muss.

Trotz „Premie­ren-Fieber“ sitzen Spiel, Tanz und Gesang der Musi­cal-Darstel­ler gut. Beson­ders beein­dru­ckend ist die immer verständ­li­che Arti­ku­la­tion bei den Sängern, die die großen Rehfi­gu­ren führen. Torben Bartsch und Alex­an­dra Kurzeja über­zeu­gen als Bambi und Faline. Beson­ders Kurzeja gelingt ein feines Spiel, trotz der Placke­rei mit den Puppen.

Gekonnt wech­seln einige die Rollen. Haben sich die Zuschauer eben noch über Petter Bjäl­lös Hasen schlapp gelacht, verstum­men sie bei seinem mäch­ti­gen Vater Hirsch. Raphaela Groß-Fengels gibt Bambis Mutter auch stimm­lich Wärme und amüsiert als Eule mit einem Laut in vielen Varia­tio­nen.

Visu­ell etwas zu nied­lich gera­ten sind die Rehkin­der aus Zuckerli’s Puppet Work­shop mit ihren Riesen­au­gen und dem zu glat­ten „Fell“. Bühne und Ausstat­tung von Ulrike Engel­brecht sind schlicht und klar, Vater Hirschs Geweih aus Filz macht einen präch­ti­gen Eindruck. Pia Viro­lai­nen taucht die Szene ohne Umbau immer in stim­mi­ges Licht.

Autor und Regis­seur Berg erzählt die Geschichte von Bambi zwar ange­lehnt an Felix Saltens Kinder­buch von 1923 und den welt­be­rühm­ten Disney-Film, macht daraus aber eine insge­samt eher spaßige Insze­nie­rung, deren span­nende Momente für die Ziel­gruppe der Vier­jäh­ri­gen nicht furcht­ein­flö­ßend sind. Weni­ger ange­mes­sen erscheint zuwei­len Bergs Inter­ak­tion mit den Jüngs­ten. Passt deren Antwort nicht ins Konzept, wird sie mehr als einmal grob igno­riert oder sogar gekon­tert. Produ­ziert hat das Waldi­cal Konstanze Ullmer für Bergs und Glasers eigene Produk­ti­ons­ge­sell­schaft „Gegen­maß­nahme“ in Koope­ra­tion mit dem Thea­ter­haus Stutt­gart, wo das Stück ab 19. April gezeigt wird.

Weitere Auffüh­run­gen: 17.3., 15 Uhr, 24.3., 14 Uhr, 25.+31.3. u. 1.4., jeweils 11 und 14 Uhr, St. Pauli Thea­ter

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