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Der Faust 2014

Eine Faust für den FAUST

Eine Faust für den FAUST

Text: Dagmar Ellen Fischer | Fotos: Torre Aqua c/o Scheune; Markus Nass

Ein roter Teppich auf dem Bürger­steig, Kunst­be­leuch­tung aus grel­len Schein­wer­fern, zahl­lose Kame­ras – und genervte Passan­ten: „Was’n hier schon wieder los?“ „Irgend ’ne Premiere“. Falsch: Nicht irgend­eine Premiere, sondern die Verlei­hung des wich­tigs­ten deut­schen Thea­ter­prei­ses, des FAUST. Und trotz­dem auch rich­tig: Zum ersten Mal ist Hamburg gast­ge­bende Stadt – dann also doch eine Premiere.
Drei­ein­halb pausen­lose Stun­den dauerte die Preis­ver­lei­hung am 8. Novem­ber 2014 in der Hambur­gi­schen Staats­oper. In acht Kate­go­rien gab es jeweils drei Nomi­nie­run­gen, in zwei weite­ren Kate­go­rien stan­den die Ausge­zeich­ne­ten schon im Vorfeld fest: Die 92-jährige Dr. Maria Müller-Sommer erhielt den FAUST für ihr Lebens­werk; sie gehört zu den einfluss­reichs­ten Bühnen­ver­le­gern Deutsch­lands und reagierte auf die Ehrung außer mit Dank auch mit dem Ausdruck der Hoff­nung, dass der Deut­sche Bühnen­ver­ein keine „Bett­hup­ferl für Greise verteilt, damit sie ruhig sind“. Eben­falls schon vor der Veran­stal­tung stand fest, dass der „Preis des Präsi­den­ten“ 2014 an das Insti­tut für Thea­ter­wis­sen­schaft Leip­zig geht; Klaus Zehelein – Präsi­dent des Deut­schen Bühnen­ver­eins – stellte mit dieser Wert­schät­zung erneut eine große Öffent­lich­keit für das von der Schlie­ßung bedrohte Insti­tut her.
Der Preis ist undo­tiert, bringt also ausschließ­lich Ehre und eine mögli­cher­weise Karriere ankur­belnde Aufmerk­sam­keit. Die Verlei­hung an die übri­gen acht Kandi­da­ten verlief nach Oscar-Manier: Auf die filmi­sche Vorstel­lung der Nomi­nier­ten folgte die knis­ternd-span­nende Öffnung des Umschlags und die für alle über­ra­schende Bekannt­gabe des Gewin­ners. Diese Aufgabe fiel 2014 dem Schau­spie­ler Ulrich Matthes zu, der mit natür­li­cher Direkt­heit den Abend mode­rierte. Dazu gehörte auch eine kurze Gesprächs- bzw. Erin­ne­rungs­runde mit den drei Hambur­ger Schau­spie­lern Heinz Lieven, Peter Strie­beck und Chris­toph Bant­zer. Ansons­ten liefer­ten Tänzer des „Hamburg Ballett“, die Phil­har­mo­ni­ker Hamburg und das Inter­na­tio­nale Opern­stu­dio der Hambur­gi­schen Staats­oper fünf künst­le­ri­sche Beiträge zwischen dem Verlei­hungs­teil. Dieser verzich­tete kluger­weise auf jegli­che Lauda­tio­nes, die in vergan­ge­nen Jahren aus der Ehrung eine mitun­ter mühsame Sache mach­ten.
DER FAUST wird von der Kultur­stif­tung der Länder, der Deut­schen Akade­mie der Darstel­len­den Künste, dem Deut­schen Bühnen­ver­ein und einem jähr­lich wech­seln­den Bundes­land verge­ben. Im neun­ten Jahr der FAUST-Ehrung bestand die Span­nung vor allem in der Erwar­tung, dass es unter den Nomi­nier­ten doch bitte bestimmte Künst­ler möglichst NICHT tref­fen möge, damit der Preis zum Güte­sie­gel der künst­le­ri­schen Arbeit avan­ciere – und 2014 erfüllte sich diese Hoff­nung weit­ge­hend!
Bemer­kens- und begrü­ßens­wert fand der in der Kate­go­rie „Regie Schau­spiel“ ausge­zeich­nete Nieder­län­der Johan Simons, dass „im deut­schen Raum so viele Auslän­der nomi­niert sind“. Der preis­ge­krönte Bühnen­bild­ner Alek­san­dar Denić mag nicht, wenn sich Thea­ter auf „irgend­et­was vor dem Abend­essen“ im vollen Alltag der Menschen redu­ziert. Und Ulrich Matthes leitete die Verlei­hung in der Kate­go­rie „Regie Kinder- und Jugend­thea­ter“ mit einer Erfah­rung ein, bei der er sich auch „an die eigene Nase fassen“ müsse: Manch­mal würde auf Proben abwer­tend gesagt, irgend­et­was sei ja wie im Kinder- und Jugend­thea­ter – das möge man doch zukünf­tig unter­las­sen …

Die Preis­trä­ger

Regie Schau­spiel
Preis­trä­ger: Johan Simons, „Dantons Tod“, Münch­ner Kammer­spiele
Darstel­le­rin / Darstel­ler Schau­spiel
Preis­trä­ge­rin: Dagmar Manzel, Sie in „Gift“, Deut­sches Thea­ter Berlin
Regie Musik­thea­ter
Preis­trä­ge­rin: Sandra Leupold, „Don Carlo“, Thea­ter Lübeck
Sänger­dar­stel­le­rin / Sänger­dar­stel­ler Musik­thea­ter
Preis­trä­ge­rin: Evelyn Herlit­zius, Elek­tra in „Elek­tra“, Säch­si­sche Staats­oper Dres­den
Choreo­gra­fie
Preis­trä­ger: Chris­toph Wink­ler, „Das wahre Gesicht - Dance is not enough“,
Ball­haus Ost Berlin
Darstel­le­rin / Darstel­ler Tanz
Preis­trä­ge­rin: Bruna Andrade in „Der Fall M.“ und „Spie­gel­gleich­nis“ im Rahmen des
Ballett­abends „Mythos“, Staats­bal­lett Karls­ruhe
Regie Kinder- und Jugend­thea­ter
Preis­trä­ge­rin: Andrea Grone­meyer, „Tanz Trom­mel“, Schnawwl / Kevin O’Day Ballett – Natio­nal­thea­ter Mann­heim
Bühne / Kostüm
Preis­trä­ger: Alek­san­dar Denić, „Der Ring des Nibe­lun­gen“, Bayreu­ther Fest­spiele

Den Preis für das Lebens­werk erhält die Bühnen­ver­le­ge­rin Maria Müller-Sommer.
Der Preis des Präsi­den­ten geht an das Insti­tut für Thea­ter­wis­sen­schaft in Leip­zig.

FAUST-ische Festgesellschaft

FAUST-ische Fest­ge­sell­schaft

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