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Die Hamburger Seenplatte

»Schwanensee« mal drei
Swanlake Reloaded

Feder­vieh im Drogen­rausch: »Swan­lake Reloa­ded« von Fredrik Rydman

Text: Dagmar Ellen Fischer / Foto: Mats Bäcker

Hamburg schwant Böses. Der diabo­li­sche Zaube­rer Rotbart zieht seine Fäden im berühm­tes­ten Ballett der Welt: „Schwa­nen­see“ gastiert gleich drei­fach in der Stadt. Der Inbe­griff klas­si­scher Tanz­kunst ist im Kern ein tief­trau­ri­ges Märchen: Die in einen Schwan verzau­berte Prin­zes­sin kann nur durch wahre Liebe erlöst und in eine Frau zurück verwan­delt werden; Rettung naht in Gestalt des Prin­zen Sieg­fried, der bricht jedoch durch eine weitere Teufe­lei Rotbarts nichts­ah­nend seinen Treue­schwur und liefert seine Geliebte unfrei­wil­lig auf immer dem tieri­schen Dasein aus …

Die Urauf­füh­rung 1877 in St. Peters­burg war ein sensa­tio­nel­ler Miss­erfolg, erst die Fassung von 1895 gefiel dem Publi­kum. Der Clou: Die beiden extrem gegen­sätz­li­chen Charak­tere des weißen und schwar­zen Schwans – unschul­di­ges Origi­nal und boshafte Fälschung – werden von der selben Tänze­rin verkör­pert, eine enorme Heraus­for­de­rung.

Das „Staat­li­che Russi­sche Ballett“ aus Moskau ist eine reine Tour­nee-Truppe, folg­lich verzich­tet man gern auf groß­for­ma­tige Bühnen­bil­der. Wjat­sches­law Gorde­jew, einst Tänzer am Moskauer Ur-Bolshoi-Ballett, leitet die Compa­gnie mit Schwer­punkt auf dem hohen tanz­tech­ni­schen Niveau der russi­schen Schule. (CCH, 31.1.,15 und 19 Uhr, ab 29,80 Euro)

Obwohl eben­falls als Tour­nee-Thea­ter stän­dig unter­wegs, reist das „Russi­sche Natio­nal­bal­lett“ von Moskau aus mit großem Gepäck und erzählt das getanzte Märchen in opulen­ter Ausstat­tung. Die Ballett­schu­len und Akade­mien in Russ­land brin­gen mehr Tänzer hervor, als die Thea­ter beschäf­ti­gen können; wer also kein Fest­enga­ge­ment an einem Haus ergat­tert, schließt sich einem mobi­len Ensem­ble an. (CCH, 7.2., 19 Uhr, ab 41,85 Euro)

Unbe­las­tet von klas­si­scher Tradi­tion, kreiert der schwe­di­sche Choreo­graf Fredrik Rydman „Swan Lake Reloa­ded“. Seine Schwäne sind drogen­süch­tige Prosti­tu­ierte, die aus dem Rotlicht­mi­lieu des dealen­den Zuhäl­ters befreit werden wollen. Rydman mischt die bekannte Tschai­kow­sky-Musik mit zeit­ge­nös­si­schen Beats, Ballett mit Break­dance auf. (Mehr!Theater, 9.–14.2., tägl. 20 Uhr, Sa. auch 15 Uhr, So. nur 15 Uhr, ab 34,90 Euro)

Nur eine Szene ist in allen Versio­nen geblie­ben: Der unschul­dige Nach­wuchs im Tanz der vier klei­nen Schwäne!

CCH, Am Damm­tor, www.hamburg.de/ticket
Mehr! Thea­ter am Groß­markt, Banks­str. 28, Tel. 47 11 06 33

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