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Ein Maskenball

Opernloft im Ernst Deutsch Theater
Ein Maskenball

Frei­wil­lige vor! Ulrica (Soomi Hong, l.) und Oscar (Anne-Fleur Werner) suchen Kandi­ta­ten für ihre Fern­seh­show

Text: Christian Hanke /Foto: Silke Heyer

Gelun­gene Opern­pre­miere im Ernst Deutsch Thea­ter: Star­kes Perso­nal spielt und singt einen Verdi-Klas­si­ker als heutige Fern­seh­show.

Das Opern­loft, derzeit ohne eigene Spiel­stätte, bestritt die erste Insze­nie­rung der neuen Saison: „Ein Masken­ball“ von Guiseppe Verdi. Inken Rahardt, Inten­dan­tin des Opern­lofts, insze­nierte den Klas­si­ker getreu dem Konzept ihrer Bühne: auf 90 Minu­ten gekürzt und das drama­ti­sche Gesche­hen aus dem 19. Jahr­hun­dert mit heuti­ger Bedeu­tung verse­hen. Dazu muss­ten Hand­lung und Perso­nen ein wenig umge­baut werden. Die deut­schen Inter­pre­ta­tio­nen von eini­gen der italie­nisch gesun­ge­nen Arien, die auf Bühnen­wän­den zu lesen waren, erhiel­ten einen heuti­gen Sprach­duk­tus. Der Masken­ball verwan­delt sich in eine Fern­seh­show, in der Oscar und Ulrica – im Origi­nal Page und Wahr­sa­ge­rin – den Kandi­da­ten das große Glück verspre­chen.

Als Mode­ra­to­ren geben sie die Kandi­da­ten zur Freude des Publi­kums der Lächer­lich­keit preis. Kostü­miert als Funken­ma­rie­chen (Oskar) und Pier­rot (Ulrica) gehen sie mit Taschen­lam­pen auf Kandi­da­ten­su­che: „Wir suchen dich, du bist ein Star.“ Den Masken­ball des 19. Jahr­hun­derts sieht Drama­tur­gin Susann Obera­cker „als Symbol des Vergnü­gens fernab des Alltags“. Wie man damals hinter Masken versteckt das große Glück suchte, suchen es heute Kandi­da­ten in diver­sen Fern­seh­shows.

Die drei in Liebes­hän­del verwi­ckel­ten Perso­nen sind hier Teil­neh­mer der Show, die zu Beginn im Publi­kum sitzen. Amelia, in der Opern­loft-Version als „kecke Kosme­ti­ke­rin“ charak­te­ri­siert, die Frau von Renato, dem „urigen Urolo­gen“, verliebt sich in Riccardo, den „markan­ten Makler“, der sie heiß­blü­tig begehrt und sich als unwi­der­steh­li­cher Lover rühmt. Renato schwört fins­tere Rache, weshalb er im Cowboy-Outfit auftre­ten darf. All diese Gefühls­aus­brü­che ereig­nen sich während der Show. Oskar und Ulrica helfen mit Hypnose kräf­tig nach. Aus Spiel wird bitte­rer Ernst. Als Oskar und Ulrica den Ernst ihrer Lage erken­nen, erklä­ren sie krampf­haft alles zum großen Vergnü­gen und über­schüt­ten die Kandi­da­ten mit Lametta. Amelia, Riccardo und Renato, die ihr Leben als zerstört begrei­fen, tun sich zusam­men und wenden sich gegen die Mode­ra­to­ren. Die Show nimmt offen­bar ein tödli­ches Ende. Doch: The Show must go on …

Die über­aus unter­halt­same und intel­li­gente Insze­nie­rung wird durch die punkt­ge­nauen Schau­spiel- und Sanges­künste der Darstel­ler voll­ends zum Vergnü­gen. Anne-Fleur Werner und Soomi Hong wissen als Oscar und Ulrica mit Witz, Ideen­reich­tum und sprü­hen­dem Tempe­ra­ment zu begeis­tern. Aline Lettow verbrei­tet als Amelia mit ihren Arien großes Opern­f­lair, und die beiden Sänger Richard Neuge­bauer (Riccardo) und Axel Wollo­scheck (Renato) wissen mit Stimme und Spiel eben­falls zu über­zeu­gen. Ganz groß­ar­tig spiel­ten Makiko Eguchi (Klavier), Patchi­nova Sornitza (Geige) und Sonja Jüne­mann (Klari­nette) Verdis Musik: drei Instru­mente statt eines ganzen Orches­ters, glän­zend arran­giert von Makiko Eguchi. Das Publi­kum darf sich in der Pause ins Volks­ver­gnü­gen einfü­gen: Zur „Polo­näse Blan­ke­nese“ wurde durchs Foyer getanzt.

Auffüh­run­gen bis 24.9., Ernst Deutsch Thea­ter

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