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Energie, Präzision und Ausdruckskraft

„Company“, Joop van den Ende-Academy im Kehrwieder Theater

 

Company

We are company – Joop van den Ende-Academy, Schü­ler des Abschluss­jahr­gangs 2012

Um den künst­le­ri­schen Nach­wuchs auf deut­schen Musi­cal-Bühnen muss sich niemand sorgen, der jetzt die Produk­tion „Company“ im Kehr­wie­der Thea­ter gese­hen hat, die den Ausbil­dungs­stand der Absol­ven­ten der Joop van den Ende-Academy doku­men­tie­ren sollte, jener jungen Schau­spie­ler-Sänger also, die sich nicht nur aufma­chen wollen, die inter­na­tio­na­len Musi­cal-Stars der Zukunft zu werden, sondern (was mindes­tens so entschei­dend ist für die Bewer­tung ihrer heraus­ra­gen­den Leis­tun­gen) den stei­ni­gen Weg einer drei­jäh­ri­gen Ausbil­dung erfolg­reich durch­mes­sen zu haben, ohne durch nicht bestan­dene Zwischen­prü­fun­gen oder ähnli­che Parcour-Hinder­nisse wieder in den profa­nen Alltag zurück­ge­wor­fen worden zu sein. Chapeau!

Ihr Lohn nach fünf Semes­tern harter Arbeit: Beset­zung in diesem von Harold Price zum Broad­way-Erfolg geführ­ten Musi­cal „Company“, das in Michael Kunzes deut­scher Fassung in der Hambur­ger Spei­cher­stadt durch die Insze­nie­rung von Ulrich Wiggers der Öffent­lich­keit vorge­stellt wurde. Den Inhalt erzählt die Drama­tur­gie der Academy im Programm­heft bündig: „Roberts Freunde haben eine Über­ra­schungs­party zu seinem 30. Geburts­tag orga­ni­siert … Diese Freunde leben im Gegen­satz zu ihm in trau­ter Zwei­sam­keit, die in der Regel nicht so traut ist wie sie scheint. Robert hat also hinter der Fassade eheli­chen Glücks die Brüchig­keit von Paar­be­zie­hun­gen entdeckt …“

Die Story-line ist das schwächste Glied der gesam­ten Produk­tion. Würde man nicht so voller Hingabe den Songs und deren vorzüg­li­chen Inter­pre­ta­tio­nen durch die jungen Darstel­ler lauschen und ihre tänze­ri­schen Fähig­kei­ten (exor­bi­tante Choreo­gra­phie: Kati Heidebrecht)genießen können, die schwa­che Hand­lung würde sich deut­li­cher entlar­ven, als es in dieser tempe­ra­ment­vol­len Insze­nie­rung geschieht.

Wich­ti­ger ist die Fest­stel­lung, dass das Team hoch­be­gab­ter Nach­wuchs­künst­ler, das die Knochen­mühle der Proben über­stan­den hat, sich ohne jedes Quali­täts­ge­fälle als begeis­ternd präsent in Fragen der Ener­gie, der Ausdauer, der Tech­nik, der Präzi­sion und der Ausdrucks­kraft erweist und dennoch jedes einzelne Mitglied der Truppe indi­vi­du­ell unver­wech­sel­bar bleibt. Der neue künst­le­ri­sche Leiter der Academy, Perrin Manzer Allen, der hier auch als musi­ka­li­scher Leiter bril­liert, darf stolz sein auf das Zustan­de­kom­men dieser Produk­tion im Kehr­wie­der Thea­ter, die weit­aus mehr darstellt als die Präsen­ta­tion eines Prüfungs­er­geb­nis­ses.

Text: Hans-Peter Kurr
Fotos: Axel Kirch­hof

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