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Fenster, Faust und Leichensäcke

Altonale vom 1. bis 17. Juli
Altonale

Straße als Bühne: auf der Alto­nale Teil des Gesche­hens werden

Text: Sören Ingwersen / Foto: Altonale

Einfach mal das Fens­ter aufrei­ßen und auf die Straße hinaus­po­sau­nen, was einem auf der Seele brennt – auf der Alto­nale ist es möglich und sogar erwünscht. Am 8. und 13. Juli wird die Perfor­mance „Altona macht auf!“ in Rahmen des spar­ten­über­grei­fen­den Kultur­fes­ti­vals die Anwoh­ner des Stadt­teils dazu auffor­dern, sich einzu­mi­schen. Das Motto „Wir blei­ben hier!“ spielt dabei sowohl auf die Situa­tion geflüch­te­ter Menschen als auch auf die durch Sanie­rung und Neubau beding­ten Miet­stei­ge­run­gen im Stadt­teil an.

Neben Musik, Tanz, Kunst, Lite­ra­tur und Film kommt auch das Thea­ter auf der Altonale18 vom 1. bis 17. Juli nicht zu kurz. „Can You See Me?“, fragt sich am 9. Juli das inter­kul­tu­relle Jugend­ensem­ble „Inner Rise“ in der Garage des Thalia Thea­ters und stellt damit die Sicht­bar­keit unter­schied­li­cher Kultu­ren im öffent­li­chen Raum zur Debatte. Einen Tag später schlüpft der deutsch-türki­sche Schau­spie­ler Haydar Zorlu im Monsun Thea­ter in die Rolle des „Faust“ – und präsen­tiert den Goethe-Klas­si­ker in einer rasan­ten 80-minü­ti­gen Solo-Fassung. Die unheil­volle Verbin­dung Deutsch­lands mit Polen während des Zwei­ten Welt­kriegs beleuch­ten zwei aufein­an­der bezo­gene Urauf­füh­run­gen am 14. und 15. Juli. „Wera V.“ arbei­tet als Beam­tin für die deut­sche Wehr­macht im besetz­ten Poznan und schreibt von dort 100 Post­kar­ten an ihre Mutter in Hamburg, „Elise V.“, der wir am zwei­ten Abend beim Lesen dieser authen­ti­schen Zeug­nisse der Kriegs­grau­sam­keits­ver­drän­gung über die Schul­ter schauen.

Mit „Hier“ lädt das Monsun Thea­ter am 16. und 17. Juli zu Impro-Thea­ter und fran­zö­si­schem Swing, während Eva Engel­bach und Marcel Wein­and sich am 16. Juli in der Gale­rie Ritter mit „Der Taschen­honka“ von den unfass­ba­ren Taten des Alto­naer Frau­en­mör­ders Fritz Honka zu einer bizar­ren, schwarz­hu­mo­ri­gen Geschichte für zwei Perso­nen und Klavier inspi­rie­ren lassen. Der Schre­cken kommt in Gestalt einer Operette. Wäre ja nicht zum ersten Mal.

Altonale18 vom 1. bis 17. Juli. Programm unter: www.altonale.de

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