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Ich möchte überrascht werden

Interview mit Birte Schnöink
Birte Schnöink

Steht zurzeit als Elisa­beth in Horváths „Kasi­mir und Karo­line“ auf der Bühne: Birte Schnöink

Text: Dagmar Ellen Fischer / Foto: Thalia Theater

Birte Schnöink hat mit 31 Jahren schon eini­ges erreicht, aber Pläne machen, das liegt ihr nicht. Seit sechs Jahren gehört die Schau­spie­le­rin zum Ensem­ble des Hambur­ger Thalia Thea­ters — ihren Vertrag verlän­gert sie indes jeweils nur um ein Jahr. Der Frei­heit wegen.

Hatte die junge Birte einen Traum, was sie werden wollte?
Als Kind hatte ich keinen Berufs­wunsch. Ich dachte, die Schul­zeit hört nie auf; die war so präsent, als gäbe es kein Danach. Aber es gab Momente, in denen ich erkannte, dass Schau­spie­le­rei ein Beruf ist. Und seit­her habe ich davon geträumt.

War das ein Moment im Thea­ter?
Nein, ein Moment vor dem Fern­se­her. Ich habe gemerkt, dass nicht alles real ist, was ich dort sehe, sondern nur gespielt und daher nicht echt. Aber Klick gemacht hat es erst viel später, in der Thea­ter AG meiner Schule.

Nicht beim Zuschauen, sondern beim Selber­ma­chen?
Ja, als ich merkte, dass die Bühne ein Ort ist, wo es keine Gren­zen gibt und Hemmun­gen nicht nötig sind, wo alles geht und wo man von einer Vorsicht befreit ist, die man viel­leicht im realen Leben hat.

Irgend­wann war die Schule dann aber doch zu Ende…
Nach dem Abitur habe ich den Entschluss gefasst, Schau­spiel zu machen. Als es mit dem Vorspre­chen nicht gleich klappte, begann ich, Germa­nis­tik zu studie­ren – und merkte, dass ich das auf keinen Fall will! Noch im selben Jahr wurde ich an der Ernst Busch Schule ange­nom­men.

Hatten Sie während der Ausbil­dung eine Idee, wie der Beruf sein würde?
Ein konkre­tes Bild hatte ich nicht, nur den Wunsch zu spie­len. Auf der Schule wird man auf ein Enga­ge­ment am Thea­ter vorbe­rei­tet, weni­ger darauf, später selb­stän­dig und frei zu arbei­ten. Lusti­ger­weise hatte ich, wenn ich an ein Thea­ter dachte, immer das Thalia im Kopf, ohne dass ich je zuvor etwas hier gese­hen hätte. Als Luk Perce­val dann mit unse­rer Klasse im zwei­ten Ausbil­dungs­jahr arbei­tete, wurde rela­tiv schnell klar, dass ich nach Hamburg gehe.

Nun gehö­ren Sie seit sechs Jahren zum Ensem­ble des Thalia Thea­ters.
Eigent­lich könnte es nicht schö­ner sein: gute Stadt, sehr nette Kolle­gen, tolle Atmo­sphäre. Aber das geht ja nicht ewig so weiter. Und wenn es irgend­wann aufhört, will ich offen sein für das, was kommt. Ich wünsche mir für später, dass ich keine Angst davor haben werde, frei zu arbei­ten. Ich mag Abwechs­lung, neue Begeg­nun­gen.

Wie wich­tig ist Aner­ken­nung für das Weiter­ma­chen?
Für mich ist Aner­ken­nung nichts, was von außen kommt, sondern etwas, das direkt in der Arbeit passiert. Das Wich­tigste ist mir, dass meine Kolle­gen mich schät­zen, und dass das Thalia mich schätzt. Die direkte Reak­tion des Publi­kums, das ist die ehrlichste Aner­ken­nung. Gar nicht der Applaus, sondern die Verbin­dung im Raum mitein­an­der während des Spie­lens, das heißt, ein Gefühl von sich spüren und gleich­zei­tig sich verges­sen. Für diese Momente auf der Bühne mache ich es. Aber auch für die Momente auf der Probe, wenn man sich in Themen rein­frisst und über eine Figur fanta­siert, mit der nach Hause geht, von ihr träumt. Das ist aufre­gend, weil man nicht weiß, was daraus wird.

… wie eine Figur letzt­lich zu Ihnen kommt oder Sie zu ihr?
Viel­leicht ist es eher so, dass die Figur einen nicht loslässt, als dass sie zu einem kommt. Bei meiner ersten Rolle zum Beispiel, das war „Verbre­chen und Strafe“ in der Regie von Andrea Breth, ging ich zum Text lernen in den Park spazie­ren – und da hatte ich oft das Gefühl, die von mir gespielte Figur Sonja ziem­lich klar zu sehen. In den Proben gibt es dann plötz­lich Momente, in denen man über­ein kommt.

Könn­ten Sie sich vorstel­len, etwas ande­res zu machen, zu insze­nie­ren viel­leicht oder …?
Das kann ich mir schon vorstel­len, auch über einen Film denke ich nach. Aber der Zeit­punkt ist noch nicht da. Bisher halte ich nur Gedan­ken frag­men­ta­risch fest. Zurzeit beschäf­tige ich mich sehr mit Foto­gra­fie, weil ich gern beob­achte.

Was bedeu­tet Ihnen der Boy-Gobert-Preis, den Sie 2014 erhiel­ten?
Er macht Mut, gibt Zuver­sicht. Manch­mal denke ich: Ich bin jetzt 31, aber es fühlt sich mitun­ter an wie 16. Mit solch einer Auszeich­nung fühle ich mich auch wie 31, in einem guten Sinn.

Als Julia werden Sie ja auch über­zeu­gend 14 …
Man wird jung mit den Figu­ren. Ich bin gespannt, wenn Figu­ren kommen, die älter oder reifer sind, ob das dann auch über­zeu­gend ist. Im Moment probe ich für „Glaube Liebe Hoff­nung“ die Figur der Elisa­beth, die zwar auch noch rela­tiv jung, aber reifer ist.

Was sollte die Zukunft brin­gen?
Ich mache mir keine konkrete Vorstel­lung von der Zukunft, ich möchte über­rascht werden. Aber ich würde gern große Reisen machen, nach Kanada am liebs­ten, jeden­falls rich­tig weit weg!

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