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Kindertheater Treffen 2016 – Ein Rückblick

Fundus Theater
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Das tref­fende Tafel­bild zum Kinder­thea­ter Tref­fen 2016 von Chris­to­pher Weymann

Text & Fotos: Tilla Lingenberg

Wie die Jahre zuvor, fand das Kinder­thea­ter Tref­fen 2016 unter der bewähr­ten Leitung von Katrin Lowitz vom Verband Kitsz e. V. (Freie Hambur­ger Kinder­thea­ter­szene) und Gabriele Parnow-Kloth von Ahap e. V. (Arbeits­kreis Hambur­ger Puppen- und Figu­ren­theater) in der freund­li­chen Atmo­sphäre des Fundus Thea­ters statt. Dies­mal vom 26. Februar bis 3. März.

Ganz bewusst nennen die Theatermacher*innen diese abwechs­lungs­rei­che Woche nicht Festi­val, sondern Tref­fen. Warum?

Nun, zuerst ist es ein Bran­chentreff, und somit oft die einzige Möglich­keit der Künstler*innen, sich gegen­sei­tig ihre neues­ten, im Jahr zwischen zwei Kinder­thea­ter Tref­fen entstan­de­nen Produk­tio­nen vorzu­füh­ren und anschlie­ßend kolle­gial und tref­fend zu bespre­chen.

Das erklärt auch, warum unter den 833 Vorstellungsbesucher*innen dieses Jahr etwas mehr Erwach­sene als Kinder waren (Kinder: 409, Erwach­sene: 424). Das entspricht einer Auslas­tung von 80% und zeigt: Mit der Entschei­dung, das Tref­fen ins Früh­jahr zu verle­gen, haben die Veran­stal­ter ins Schwarze getrof­fen.

Zwei Neue­run­gen wurden dieses Jahr ins Tref­fen geführt:

Zum Einen gab es erst­mals zwei Jugend­thea­ter-Produk­tio­nen: „Auf eigene FAUST oder: Kasper zeigt Goethe“ vom Ambrella Figu­ren­thea­ter (12+) und „Spiel Zigeuni­stan“, eine musi­ka­li­sche Lesung vom Thea­ter am Strom (14+), und zum Ande­ren gab es zwei Grup­pen mit Schülerkritiker*innen.

„Mit Worten lässt sich treff­lich strei­ten,“ wie es im „Faust“ von Goethe heißt, aber die Schü­ler der 11. Klasse der Ida-Ehre-Schule waren mit der Ambrella-Fassung von immer­hin 120 Minu­ten Dauer plus Pause grund­sätz­lich einver­stan­den. Kagan schreibt: „Diese unge­wöhn­li­che Darstel­lun­gen vom ‚Faust‘ gefiel mir persön­lich sehr gut, obwohl ich das Buch nie ange­fasst habe, war es sehr verständ­lich präsen­tiert. Jetzt könnte ich mir vorstel­len, das Buch zu lesen.“ Ange­lina meint: „Ich empfehle es Leuten, die nicht gerne dicke und geschicht­li­che Bücher lesen, aber sich trotz­dem allge­mein weiter­bil­den wollen.“ Und Marc erkennt: „Es wurde viel Goethe zitiert, aber es wurde auch ein aktu­el­le­rer Slang benutzt.“

(Alle Kriti­ken unter https://godot-hamburg.de/schuelerkritiken-2016/)

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Hier tref­fen sich die Kommen­tare zu allen Vorstel­lun­gen auf bunten Klebe­zet­teln

Das größte Ange­bot gab es in diesem Jahr für Kinder ab vier, und es traf mit allen Produk­tio­nen den Geschmack des klei­nen Publi­kums: „Frida und das Wut“ vom Thea­ter Zeppe­lin, „wild + gefähr­lich“ vom Thea­ter Funken­Flug, „ Ratzen­spatz“ vom Tandera Thea­ter und dem ausge­los­ten Lieb­lings­stück „Frau Meier, die Amsel“ vom Thea­ter Pina Lufti­kus.

Eigent­lich gehörte auch „Mehr Licht!“ vom Fundus-Forschungs­thea­ter zu dieser Alters­gruppe, da diese komplexe Produk­tion ihre Ziel­gruppe mit 3+ nicht wirk­lich trifft.

Über „Mehr Licht!“ schrieb die zweite, zehn Jahre alte Schü­ler­gruppe der Ida-Ehre-Schule ihre Kriti­ken. Ida schreibt: „Doch wir fanden, dass Hannah ein biss­chen zu lange mit den Farben gespielt hat. Doch insge­samt war es sehr cool.“ Und Sascha meint: „Ich fand alles insge­samt gut und am inter­es­san­tes­ten fand ich, wie der Regen­bo­gen mit einem einfa­chen Aqua­rium entsteht. Nur bei der Stelle, wo Hannah mit dem Regen­bo­gen gespielt hat, war das ein biss­chen lang­wei­lig, weil sie nichts gesagt hat.“

„Das kleine Ich bin ich“, geschrie­ben als Stück mit Reimen und Wort­spie­le­reien nach dem Buch von Mira Lobe und Susi Weigel, spielte Bueh­ne­Bumm für Kinder ab drei. Für die ganz Klei­nen (2+) spielte Thea­ter Mär „Eins, Zwei, Drei, Tier“ nach dem Best­sel­ler-Bilder­buch. Hier konnte Spie­le­rin Frauke Rubarth den Geschmack der Minis aller­dings erst im zwei­ten Teil tref­fen, als sie mit den Stoff­tier-Figu­ren direkt mit den Kindern im Zuschau­er­raum spielte.

Im Stück „Wunsch­Werke“ vom Thea­ter Perpe­tuum (5+) tref­fen die zwei Wunsch­ko­bolde nicht immer das rich­tige Maß, wenn sie freu­dig und über­eif­rig Wunsch­er­fül­lungs­dinge in den Wunsch­turm werfen oder fallen lassen. Das kurz­wei­lige Stück wurde nach gemein­sa­men Impro­vi­sa­tio­nen mit den Schau­spie­le­rin­nen Julia Baum und Monika Els von Autor und Regis­seur Thomas Möller sehr tref­fend formu­liert und einfalls­reich umge­setzt.

Die älte­ren Kinder (8+) amüsier­ten sich bei „Kai aus der Kiste“ mit den flot­ten Rollen- und Orts­wech­seln auf engs­tem Raum, in einer fanta­sie­vol­len Insze­nie­rung von Gero Vier­huff, oder sie bang­ten mit Kinder­flücht­ling Toda in „Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor“, gespielt von Judith Compes und Sabine Dahl­haus von kirsch­kern & COMPES. Eine Geschichte, die in einer Zeit der Flücht­lings­ströme mitten ins Herz trifft, dabei aber mögli­che Betrof­fen­heit ganz schnell immer wieder durch Komik und origi­nelle Insze­nie­rungs­ideen auflöst und mit einem guten Ende versöhnt. Ein Thea­ter­er­leb­nis, das lange nach­wirkt, was auch in den Brie­fen stand, die Kinder nach einer Auffüh­rung an die Schau­spie­le­rin­nen schrie­ben.

Frei nach der Rede­wen­dung „Da ist Treff trumpf“, was bedeu­tet, der Ausgang ist unge­wiss, man kann Glück haben oder nicht, war es ein geglück­tes Kinder­thea­ter Tref­fen 2016. Auch die Kultur­be­hörde hat bereits Vorsorge getrof­fen und schon jetzt finan­zi­elle Unter­stüt­zung für das nächste, das 19. Kinder­thea­ter Tref­fen, fest zuge­sagt.

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Verschla­fen hat das Kinder­thea­tert Teffen 2016 nur wieder die Fundus-Katze

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