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Revoluzzerdrama

„A.I.D.A. activation!“, Opernloft
A.I.D.A. activation!

Noch haben Aida (Lena Kutz­ner) und Radames (Filip Scze­pan­ski) glück­li­che Stunden.

Zufall oder Insze­nie­rung? Das war nicht auszu­ma­chen, aber gut war’s: Am Ende des Miniopern­abends lehnte vereinsamt ein Demo-Tableau mit der Aufschrift „Frei­heit“ an der Bühnen­rampe. Die Rede ist von einem neuer­li­chen muti­gen Expe­ri­ment des Opern­lofts, an das sich ein Team unter der Regie von Nicola Fell­mann gewagt hatte: Verdis „Aida“ als (verant­wort­bare) Kurz­fas­sung in einen dikta­to­risch regier­ten Staat unse­rer aktu­el­len Welt zu verle­gen und dort­selbst einen Frei­heits­kampf statt­fin­den zu lassen unter der Führung von Aida, die Radames, den Sohn des Dikta­tors liebt … und umgekehrt.

Beson­der­heit Nr. 1 dieses gelun­ge­nen Abends ist die Betei­li­gung einer Gruppe von Schü­le­rin­nen (warum nur Mädchen, gehen die Jungen lieber zum Sport?) des Gymna­si­ums Lohbrügge, die die Revo­luz­zer, einmal chorisch, einmal solis­tisch, darstel­len. Und das mit beein­dru­cken­dem Enga­ge­ment, wie man bereits bei dem über­ra­schen­den Beginn des Abends im Foyer regis­trie­ren konnte: Dort mutier­ten unter Fell­manns geschick­ter und einfalls­rei­cher Regie die Zuschauer unver­se­hens zu einer weite­ren Darstel­ler­gruppe, die man - noch vor Betre­ten des Audi­to­ri­ums - als „das Volk“ nach klas­sisch-anti­kem Vorbild bezeich­nen kann.

Beson­der­heit Nr. 2 ist die junge Pianis­tin Makiko Eguchi, die nicht nur die musi­ka­li­sche Leitung inne­hat. Sie führt außer­dem am Flügel mitrei­ßend und berüh­rend durch die farbige Palette von Lyris­mus bis Drama­tik. Und außer­dem hat sie auch dafür gesorgt, dass dem gut dispo­nier­ten profes­sio­nel­len Sänger­paar Lena Kutz­ner und Filip Scze­pan­ski die Verdi’schen Stan­dar­da­rien ihrer Partien erhal­ten blie­ben – trotz Fell­manns raffi­niert durch­dach­ter, drama­tur­gisch reifer, aber doch erheb­li­cher Verschie­bung der Hand­lungs­stränge! Schwere Kost an der Fuhl­ent­wiete: ereig­nis­reich, über­ra­schend, laut, enga­giert und überzeugend.

Text: Hans-Peter Kurr
Foto: Silke Heyer

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