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»Sie trank sogar Fleischsaft«

Interview mit Roberta Valentini
Elisabeth

Elisa­beth (Roberta Valen­tini) will von den Fesseln des Hofes entfliehen

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Juliane Bischoff (Labelle)

Sechs Mal pro Woche verwan­delt sich Roberta Valen­tini in die berühmte Öster­rei­chi­sche Kaise­rin „Elisa­beth“, um im gleich­na­mi­gem Musi­cal „Die wahre Geschichte der Sissi“ zu erzäh­len. Hier spricht die sympa­thi­sche Italie­ne­rin über Klischees, Konkur­renz und kaiser­li­che Tattoos. 

GODOT: Mögen Sie diese Elisabeth?
Roberta Valen­tini: Ja, ich mag sie sehr. Sie war eine Kämp­fe­rin, und das bewun­dere ich.

GODOT: Sie kennen das, kämp­fen zu müssen?
RV: Jeder muss kämp­fen, der etwas errei­chen will. Frauen noch ein biss­chen mehr als Männer. Ich musste auch kämp­fen, aber nicht, weil ich eine Frau bin, sondern als Künst­le­rin, die einen Job will.

GODOT: Wegen des großen Konkur­renz­drucks in der Musicalbranche?
RV: Der ist sehr groß. Ich habe oft Absa­gen bekom­men, weil ich nicht der gängige Musi­cal-Typ bin: nicht blond, nicht klein, also nicht jemand, den man schnell austau­schen kann. Aber genau das suchen die großen Produktionen.

GODOT: Sie sind als Kind italie­ni­scher Einwan­de­rer in Nürn­berg aufge­wach­sen, welche Rolle spielte Musik in der Familie?
RV: Zuhause wurde immer gesun­gen. Vor allem auf den zehn­stün­di­gen Auto­fahr­ten von Nürn­berg nach Italien, meine Eltern und wir drei Geschwis­ter haben stän­dig Musik gehört oder Sing­spiele gemacht.

GODOT: 2006 absol­vier­ten Sie die Baye­ri­sche Thea­ter­aka­de­mie August Ever­ding als Musi­cal-Darstel­le­rin, von welchen Rollen haben Sie während der Ausbil­dung geträumt?
RV: Tatsäch­lich war die „Elisa­beth“ eine meiner Traum­rol­len. Und ich habe sie sogar schon vor zehn Jahren im Schwei­ze­ri­schen Thun gespielt. Aber frisch aus der Schule fühlte ich mich zu jung und ich habe mir damals schon gewünscht, die Rolle noch einmal zu spie­len, wenn ich älter und erfah­re­ner bin.

GODOT: Wie haben Sie sich beim zwei­ten Mal vorbereitet?
RV: Ich habe ihre Biogra­fie gele­sen, aus der auch Text-Passa­gen ins Musi­cal über­nom­men wurden. In Wien bin ich ins Museum gegan­gen, habe mir Klei­der und Perü­cken ange­schaut. Und ihr Bade­zim­mer – sie war eine der ersten, die eine Bade­wanne hatte.

GODOT: Und einen ausge­präg­ten Körper­kult betrieb …
RV: Zwei Stun­den pro Tag hat sie ihre langen Haare gekämmt! Und in Milch geba­det. Und nur wenig feste Nahrung geges­sen, sondern sich statt­des­sen alles auspres­sen lassen, sie trank sogar Fleisch­saft. Bei einer Größe von 1,70 Meter hatte sie eine Taille von 51 Zenti­me­tern, auf die sie sehr stolz war. Und was die wenigs­ten wissen: Sie hatte ein Tattoo, einen Anker auf der Schulter!

GODOT: Diese Titel­rolle ist enorm anstrengend …
RV: Beson­ders Back­stage: Ich habe 14 Kostüm­wech­sel, der schnellste muss in drei­ßig Sekun­den passie­ren! Das klappt nur, weil die Anklei­de­rin und die Masken­bild­ne­rin jeden Hand­griff perfekt beherr­schen. Hinter der Bühne ist es oft stres­si­ger als auf der Bühne.

GODOT: Was tun Sie, um sich zu erholen?
RV: Schla­fen. Nach einer Vorstel­lung gehe ich nach Hause, esse, trinke Tee und schlafe mich aus.

GODOT: Und wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?
RV: Dann singe ich in einer Band. Italie­ni­sche Schla­ger von Celen­tano oder bekannte Popsongs. Das mache ich seit zwan­zig Jahren, es ist eine tolle Abwechs­lung: Im Musi­cal ist alles sehr fest­ge­legt. Aber wenn ich mit der Band singe, bin ich frei.

„Elisa­beth“ bis 27.3. tgl. außer Mo., Di./Mi. 18:30 Uhr, Do./Fr./Sa. 19:30 Uhr, Sa. auch 15 Uhr, So. 14 u. 19 Uhr, im Mehr!Theater im Groß­markt, Banks­str. 28, Karten ab 28,90 Euro, Tel. 01805-2001

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