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So als ob!

kirschkern & COMPES im Fundus Theater
So als ob!

Mit einem Koffer voller Ideen: Judith Compes (li.) und Sabine Dahl­haus als Theaterclowns

Text: Angela Dietz / Foto: Ellen Coenders

„So als ob!“ spie­len die Clowns Lollo und Walli Thea­ter im neues­ten Stück von kirsch­kern & COMPES. Gerade erst für ihre Insze­nie­rung von „Kuckuck, Krake, Kaker­lake“ mit dem zum ersten Mal verlie­he­nen Barbara Kisse­ler Thea­ter­preis ausge­zeich­net, haben sich Sabine Dahl­haus und Judith Compes nun gemein­sam mit ihrem konge­nia­len Allround-Part­ner Marcel Wein­and an eine Produk­tion für Kinder ab drei Jahren ohne Text­vor­lage gewagt.

Szene für Szene dekli­nie­ren sie das „So als ob“ des Thea­ters durch, Bühne, Szene, Vorhang, Licht – „ist jetzt anner“, ruft Lollo vom Misch­pult aus –  Maske, Kostüm, Tricks, Running Gags, Laut­spra­che, Dialoge und die dazu­ge­hö­ri­gen Rollen vom Platz­an­wei­ser über den Bühnen­ar­bei­ter bis zum Schauspieler.

Der Streit um den Sitz­platz mit immer schnel­le­rem Stuhl­ge­tau­sche, -geschiebe, -gedrehe hinterm Rücken des jeweils ande­ren Clowns endet damit, dass beide rich­tig sitzen. Judith Compes’ Walli, in rot-samte­ner Zirkus­joppe, gelingt eine wunder­schön insze­nierte Impro­vi­sa­tion mit dem Vorhang, der sich vom Pferd zum Turban und schließ­lich zum Schleier verwan­delt. Hoch­ko­misch, wenn im Nu die pasto­rale Hals­krause ein paar Stock­werke tiefer am Körper zum Tutu einer Tänze­rin wird.

Ihr schrä­ger Humor, ihre ganz eigene Komik ist dies­mal durch­wirkt von der Kunst all der großen Vorbil­der. Wo Kinder über die Situa­ti­ons­ko­mik lachen – Vorhang auf, auf der Bühne steht Sabine Dahl­haus als Lollo mit dickem Bauch im Strei­fen­hemd, dem Publi­kum den Rücken zuge­wandt und kratzt sich ausgie­big am Hintern – erschei­nen vor den Augen der Erwach­se­nen gleich­zei­tig Dick und Doof und Char­lie Chap­lin. Auch Loriot, Buster Keaton und die Marx Brothers lassen grüßen. Etwa wenn Lollo Walli nur mit rhyth­mi­schen Lauten und Finger­zei­gen auf die zwei­rei­hige Knopf­reihe zu verste­hen gibt, warum er besser für die Direk­to­ren-Rolle geeig­net ist.

Sprach­lich bedie­nen sich die beiden Schau­spie­le­rin­nen eines für das Genre Komik ebenso passen­den Mini­ma­lis­mus wie für die Alters­gruppe ab drei Jahren. Zwischen zeit­ge­nös­si­scher Kurz­spra­che „Chaka“, wenn sie sich als Haus­tech­ni­ker die Hand abklat­schen, dem Bienen­ge­summ, einer Posau­nen-Vokal-Imita­tion für das „Girl from Ipanema“ als Beglei­tung einer Liebesszene.

Wenn Walli dem tumben Lollo unpas­sende Stich­wör­ter souf­fliert, über­treibt der seinen Quatsch in schöns­tem falschen Pathos als König Lothar der Sieben­und­vier­zigste: „Er mache Musik. Er reime. Jetzt sei er ein Gemüse, Möhre, Lauch, Brokkoli.“

Nie ist auf der kirschkern-&-COMPES-Bühne etwas albern, was bloß beschrie­ben so erschei­nen mag. Dafür sorgen Marcel Wein­ands Drama­tur­gie und Regie sowie die spie­le­ri­sche Präzi­sion der Schau­spie­le­rin­nen. Mit „So als ob!“ ist dem Trio eine für Drei­jäh­rige wie deren Eltern glei­cher­ma­ßen spaßige, lust­volle Insze­nie­rung gelun­gen, die das Wesen des Thea­ters bloß­legt ohne den Zauber zu zerstören.

Nächste Auffüh­rung: 16.12., 16 Uhr, Licht­hof Thea­ter, Mendels­sohn­straße 15b

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