Highlight / Musiktheater / Vorbericht

The 27 Club

St. Pauli Theater
The 27 Club

Rock­mu­si­ker haben guten Chan­cen, jung zu ster­ben: The 27 Club

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Sandra Vijandi

Was trei­ben Jimi Hendrix, Kurt Cobain und all’ die ande­ren früh verstor­be­nen Musi­ker eigent­lich im Jenseits? Sie tref­fen sich in „The 27 Club“ und machen gemein­sam Musik! So die Fanta­sie von Toby Gough. Und die bringt der schot­ti­sche Regis­seur in der Sommer­pause laut­stark auf die Bühne des St. Pauli Thea­ters. Nach erfolg­rei­chen Shows wie „Lady Salsa“ und „The Bar at Buena Vista“ lässt er nun die legen­dä­ren Club­mit­glie­der mit ihren bekann­tes­ten Songs aufer­ste­hen, denn: „Legends never die“!

Mitglied im Club wird, wer als Star der popu­lä­ren Musik­szene im Alter von 27 Jahren stirbt – so die maka­bre Regel. Als Amy Wine­house 2011 an den Folgen einer Alko­hol­ver­gif­tung ihr Leben ließ, hatte Toby Gough die Idee: „Durch ihren Tod bekam der Club der 27-Jähri­gen plötz­lich Popu­la­ri­tät.“ Seine gezielte Suche ergab insge­samt 45 (!) Blues-, Rock- und Pop-Musi­ker. Neben Gitar­ren-Gott Hendrix, Nirvana-Grün­der Cobain und Stimm­wun­der Wine­house gehö­ren dazu unbe­dingt Sänge­rin Janis Joplin, die einer Über­do­sis Heroin erlag, der Rolling Stones-Grün­der Brian Jones, unter unge­klär­ten Umstän­den im eige­nen Swim­ming­pool ertrun­ken, und Jim Morri­son, charis­ma­ti­scher Kopf von „The Doors“, den ein Herz­still­stand ereilte. Begon­nen hat die morbide Serie mit Robert John­son: Der schwarze Blues­sän­ger inspi­rierte namhafte spätere Club­mit­glie­der und starb 1938 vermut­lich an Syphi­lis; „er verbrei­tete damals das Gerücht, einen Pakt mit dem Teufel zu haben – denn der schreibt bekannt­lich die besten Songs“, so Gough augen­zwin­kernd. Aber im Ernst: „Im Mittel­punkt steht die geniale Musik, nicht der spek­ta­ku­läre Tod.“ Über den erfährt das Publi­kum dennoch eini­ges, „The 27 Club“ verbin­det Konzert mit Geschich­ten­er­zäh­len: Bevor 13 hand­ver­le­sene Musi­ker beispiels­weise „Come as you are“ oder „Lithium“ von Nirvana spie­len, hört man, wer Kurt Cobain war, als er 1994 im Drogen­rausch Selbst­mord beging – Story­tel­ling gibt’s in Englisch.

Die Message der unsterb­li­chen Musik­grö­ßen aber versteht jeder: „Sympa­thy for the Devil“ bezeug­ten die Stones, The Doors kreierten „The End“, Hendrix fragte „Will I live tomor­row?“ und Wine­house wollte „Back to Black“. Sämt­li­che Live-Doubles – die übri­gens bei geschlos­se­nen Augen akus­tisch den Origi­na­len gefähr­lich nah kommen – strah­len im Design des Licht­ma­gi­ers Patrick Woodro­offe, er sorgte schon bei der engli­schen Köni­gin und im Weißen Haus für die perfekte Ausleuch­tung, und nach Micha­els Jack­sons Film „This is it“ rückt er jetzt „The 27 Club“ ins beste Licht. Schließ­lich erklingt im Finale ein Song, der als Team­work einer himm­li­schen Wohn­ge­mein­schaft entstan­den sein könnte …

Bis 18.8. tägl. außer Mo. 20 Uhr, Spiel­bu­den­platz 29, Karten 15,90–49,90 Euro, Tel. 47 11 06 66

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*