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Yang Guifei – Die Konkubine des Kaisers

Opern-Uraufführung an der HfMT
Yang Guifei - Die Konkubine des Kaisers

Im alten China ging man mit Fein­den nicht zimper­lich um

Text: Stephanie Schiller | Foto: Godot/Schiller

Urauf­füh­run­gen von Opern haben noch immer Selten­heits­wert. Noch selte­ner kommt es vor, dass eine solche Urauf­füh­rung von der Idee über die Kompo­si­tion bis zur Auffüh­rung an einer Hoch­schule statt­fin­det und sozu­sa­gen alle mit anpa­cken. In Hamburg ist dies nun gelun­gen. Am Sonn­tag, 23. Februar, wird im Forum der Musik­hoch­schule die Oper „Yang Guifei – Die Konku­bine des Kaisers“ urauf­ge­führt – kompo­niert von der Promo­ti­ons­stu­den­tin Yijie Wang nach einem Libretto von Sören Ingwer­sen, einstu­diert mit Sängern, Choris­ten und dem Orches­ter der Hoch­schule für Musik und Thea­ter sowie eini­gen chine­si­schen Gast­mu­si­kern. Rund um dieses seltene Ereig­nis finden ab dem 19. Februar zusätz­lich Vorträge, Lesun­gen und Diskus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen statt.

Erzählt wird die Geschichte einer histo­ri­schen Figur – Yang Guifei (715–756). Sie ist künst­le­risch begabt und poli­tisch versiert, gehört bis heute zu den vier schöns­ten Frauen des alten China. Sie wird Konku­bine des Kaisers, der sie zur Frau an seiner Seite macht, gerät in der zu Ende gehen­den Tang-Dynas­tie in die Intri­gen der Poli­tik und kommt schließ­lich darin um. Eine tragi­sche Gestalt, bester Opern­stoff. Libret­tist Sören Ingwer­sen war von dem Mate­rial sofort begeis­tert: „Liebe, Macht, Intrige, Tod – kann man sich einen schö­ne­ren Stoff für eine Oper wünschen?“ Nein. Das ist Oper.

In der Mitte der ästhe­tisch redu­ziert gehal­te­nen Bühne von Domi­nik Neuner die Andeu­tung eines Bades. Als sich Yang Guifei, die spätere Frau des Kaisers Xuan­zong, im Bad des Palas­tes das erste Mal vor ihm entblößt, wird auf ihrem Rücken ein Tattoo sicht­bar, ein chine­si­sches Schrift­zei­chen: Was ich habe, hast Du nicht. Es drückt das Eigene gegen­über dem Ande­ren aus, auch den Willen zur Auto­no­mie. Es wirkt wie die Kampf­an­sage einer Frau, die wie alle Frauen im China des 8.Jahrhunderts, eigent­lich nichts wert ist. Es ist Ausdruck einer Persön­lich­keit, die offen­sicht­lich bereit ist, sich zu wider­set­zen; und die beides will – lieben und regie­ren.

Für Yijie Wang, die bereits am Konser­va­to­rium in Peking Kompo­si­tion studiert hatte, bevor sie 2006 an die HfMT zu Prof. Peter Michael Hamel kam, liegt die Heraus­for­de­rung des Stof­fes nicht nur in dem Mythos, der Yang Guifei umweht, sondern auch darin, diesen Stoff ihrer Heimat mit Europa zu konfron­tie­ren. „Ich habe versucht, Musik aus der Blüte­zeit des alten China mit der moder­nen Kunst­form Oper zu verbin­den“, sagt Kompo­nis­tin Yijie Wang. Dass ihre Oper in China spielt, aber in Europa mit haupt­säch­lich euro­päi­schen Künst­lern aufge­führt wird, ist für sie ein inter­es­san­ter Aspekt ihrer Arbeit. „Ich fühle mich ja selbst“, sagt sie, „als würde ich zwischen diesen beiden Welten stehen.“ Von Anfang an versuchte sie in ihren Kompo­si­tio­nen west­li­che und östli­che Kultur zusam­men­zu­brin­gen. Dass ihr das gelingt, bewei­sen die vielen Preise und Stipen­dien, die sie seit vielen Jahren schon für ihre Werke bekommt.

Ost und West tref­fen in der Oper an unter­schied­lichs­ten Stel­len aufein­an­der. Etwa in dem Schat­ten, den Libret­tist und Kompo­nis­tin sich für Yang Guifei ausge­dacht haben. Im zwei­ten Akt singt der Schat­ten im Stil der Peking­oper. Dann gibt es Schlag­zeug-Passa­gen, in denen männ­li­che Stim­men chine­si­sche Perkus­si­ons­in­stru­mente imitie­ren. Dass das klappt, liegt auch an der akri­bi­schen Zusam­men­ar­beit von Libret­tist und Kompo­nis­tin. Sozu­sa­gen Silbe für Silbe sind sie die verschie­de­nen Text­pas­sa­gen immer wieder durch­ge­gan­gen. Eine Audio­auf­nahme des Textes half der Kompo­nis­tin schließ­lich, die rich­ti­gen Beto­nun­gen der deut­schen Spra­che umset­zen zu können. Es gibt chine­si­sche Instru­mente wie die zwei­sai­tige chine­si­sche Geige – Erhu. Und es gibt östli­che Klänge, die auf west­li­chen Instru­men­ten gespielt werden.

„Oh-ren ab-ge-schni-tten!“ Coun­ter­te­nor Algir­das Bagdo­na­vicius ist der Eunuch Gao Lishi und steckt mitten in den Proben mit Bettina Rohr­beck, die die musi­ka­li­sche Leitung des Opern­pro­jekts über­nom­men hat und auch das Gast­spiel der Produk­tion am Thea­ter Kiel diri­gie­ren wird. Die beiden müssen lachen. „Was für ein Text!“ Sie proben das vierte Bild. Der Kaiser ist geflo­hen. Und Gao Lishi, einst verliebt in Yang Guifei, erzählt ihr erst ausführ­lich genüss­lich, was das Volk ihrem Cousin ange­tan hat, bevor er sie selbst in den Tod zu trei­ben versucht. Da wird die Tür aufge­ris­sen und eine junge Frau stürmt in den Proben­saal, beginnt noch im Herein­kom­men zu singen. Rebekka Reis­ter ist Yang Guifei. Die abge­schnit­te­nen Ohren irri­tie­ren auch sie. Aber in der Musik von Yijie Wang, so scheint es, fühlen sich alle drei zuhause. Viel­leicht das größte Kompli­ment für die Künst­le­rin Yijie Wang, die ja genau das sucht: dass West und Ost sich zusam­men­tun.

„Yang Guifei – Die Konku­bine des Kaisers“ – Oper in 4 Bildern
Urauf­füh­rung am 23.2.2014, 18 Uhr
junges forum musik & thea­ter – Hoch­schule für Musik und Thea­ter Hamburg
Infor­ma­tio­nen über das beglei­tende Sympo­sium gibt es hier.
Weitere Auffüh­run­gen am 25. / 27.2. / 1.3. (jeweils 19.30 Uhr) und am 2.3. (18 Uhr) in der HfMT
und am 26. und 30.4. (20 Uhr) im Thea­ter Kiel.

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