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Zehn Jahre Theaterpreis „Der Faust“

Interview mit Barbara Kisseler
Barbara Kisseler

Neue Präsi­den­tin des Deut­schen Bühnen­ver­eins: Prof. Barbara Kisse­ler

Interview: Dagmar Ellen Fischer / Foto: Bertold Fabricius

Am 14. Novem­ber wurde in Saar­brü­cken zum zehn­ten Mal der Deut­sche Thea­ter­preis DER FAUST in acht Kate­go­rien verlie­hen. Veran­stal­ter sind der Deut­sche Bühnen­ver­ein, die Bundes­län­der, die Kultur­stif­tung der Länder und die Deut­sche Akade­mie der Darstel­len­den Künste. Hamburgs Kultur­se­na­to­rin Barbara Kisse­ler wurde im Mai zur neuen Präsi­den­tin des Deut­schen Bühnen­ver­eins gewählt.

Was hat Sie bewo­gen, die Präsi­dent­schaft des Deut­schen Bühnen­ver­eins zu über­neh­men?
Als Präsi­den­tin des Deut­schen Bühnen­ver­eins möchte ich eine poli­ti­sche Präsenz für die Inter­es­sen der Bühnen herstel­len, die über die Feuil­le­tons hinaus­geht. Man muss uns hören – nicht nur in den Landes­par­la­men­ten, sondern insbe­son­dere auch auf Bundes- und Euro­pa­ebene. Hier gilt es, nicht nur die bereits vorhan­de­nen und sich mögli­cher­weise noch verschär­fen­den Schief­la­gen, die viele Häuser betref­fen, deut­lich zu machen, sondern auch zu fragen, ob das viel beschwo­rene Land der Dich­ter und Denker auch bereit ist, die Konse­quen­zen der andau­ern­den Spar­dis­kus­sion – nämlich die Verar­mung der Thea­ter­land­schaft – zu tragen.

DER FAUST ist undo­tiert, hat aber Strahl­kraft. In der Vergan­gen­heit gab es mitun­ter Unmut über die Entschei­dun­gen der Jury, sehen Sie in der Zusam­men­set­zung der Juro­ren even­tu­ell Hand­lungs­be­darf?
Das ist nichts Unge­wöhn­li­ches, das über Entschei­dun­gen von Jurys gestrit­ten wird. Das kann auch gar nicht anders sein, weil zum einen Jury­ent­schei­dun­gen immer auch subjek­tiv sind und zum ande­ren man über das Thea­ter und einzelne Insze­nie­run­gen immer treff­lich debat­tie­ren kann. Gerade das macht ja auch die Bedeu­tung des Thea­ters aus.

Deutsch­land ist eines der bedeu­tends­ten Thea­ter­län­der welt­weit, wie ordnen Sie Hamburg in diese deut­sche Thea­ter­land­schaft ein?
Hamburg hat eine lange Thea­ter­tra­di­tion, auf der unsere bemer­kens­werte Thea­ter­land­schaft mit den großen Bühnen und zahl­rei­chen klei­ne­ren priva­ten Bühnen fußt. Ich habe den Eindruck, dass sich die Stadt dieser großen Tradi­tion sehr bewusst ist und auch der Bedeu­tung dieser Thea­ter­land­schaft für den Diskurs in der Stadt. Es ist sicher­lich kein Zufall, dass sich zum Beispiel der Erste Bürger­meis­ter das Thalia Thea­ter ausge­sucht hat, um dort seine Grund­satz­rede zur Flücht­lings­po­li­tik zu halten. Die Hambur­ger – und das ist einfach für uns eine wunder­bare Grund­lage – lieben ihre Thea­ter.

Bestimmt gibt es beson­dere Abende, die Sie in einem Hambur­ger Thea­ter erlebt haben. Welche Insze­nie­run­gen mögen Sie als heraus­ra­gende Bühnen­er­leb­nisse nennen?
Die gibt es auf jeden Fall und auch nicht nur einen! Aber eine Insze­nie­rung wie zum Beispiel „Bei den wilden Kerlen“ am Thalia Thea­ter nach dem Bilder­buch von  Maurice Sendak gehö­ren schon zu den ganz beson­de­ren Erleb­nis­sen – den Titel könnte man schon als Programm für die viel­schich­tige Arbeit der Präsi­den­tin des Deut­schen Bühnen­ver­eins verste­hen. Aber es tut auch sehr gut, den Blick zu weiten. Daher bin ich froh, dass ich durch den Bühnen­ver­ein auch die Möglich­keit habe, das „Welt­kul­tur­erbe Thea­ter­land­schaft“ inten­si­ver kennen­zu­ler­nen.

Auch wenn es nicht unhei­kel ist, eine Vorliebe zu nennen, gibt es viel­leicht Ihr Lieb­lings­thea­ter in Hamburg?
Jedes Thea­ter hat Insze­nie­run­gen, bei denen ich am liebs­ten vor Begeis­te­rung gleich im Thea­ter sitzen blei­ben würde, aber auch mal Insze­nie­run­gen, die mich nicht errei­chen. Meine tiefe Zunei­gung zum Thea­ter ist aber in erster Linie durch Schau­spie­ler geprägt, ihre Präsenz, ihre Ener­gie beim Spie­len, ihren Witz und ihre Wand­lungs­fä­hig­keit. Aber auch hier ist meine Vorliebe-Liste allein für Hamburg schon entschie­den zu lang, um sie hier abzu­dru­cken.

Zur Jubi­lä­ums­preis­ver­lei­hung ist Hamburg mit drei Nomi­nie­run­gen dabei, macht Sie so etwas stolz?
Das zeigt mir, dass wir in Hamburg eine wirk­lich außer­or­dent­li­che und sehr leben­dige Thea­ter­land­schaft haben.

Die Präsi­den­tin kann für soge­nannte andere Leis­tun­gen, die im Thea­ter Bedeu­tung haben, einen Preis im Rahmen der FAUST-Verlei­hung verge­ben. Planen Sie, dies (im nächs­ten Jahr) zu tun?
Ich möchte gerade über diesen Preis, der ja durch­aus kontro­vers gese­hen wird, einfach noch etwas nach­den­ken dürfen. Zwin­gend ist er sicher nicht.

Zehn Jahre DER FAUST, was wünschen Sie sich für die Zukunft des Thea­ter­prei­ses?
Dass die Thea­ter hoffent­lich auch weiter­hin eine so zentrale Rolle in unse­rer Gesell­schaft spie­len werden, so dass es auch künf­tig schwer fallen wird, unter den vielen ausge­zeich­ne­ten Leis­tun­gen an den Bühnen, die Besten auszu­wäh­len.

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