Die Hamburger Seenplatte

»Schwanensee« mal drei

30. Januar 2016 15:41 Uhr
Swanlake Reloaded

Federvieh im Drogenrausch: »Swanlake Reloaded« von Fredrik Rydman

Text: Dagmar Ellen Fischer / Foto: Mats Bäcker

Hamburg schwant Böses. Der diabolische Zauberer Rotbart zieht seine Fäden im berühmtesten Ballett der Welt: „Schwanensee“ gastiert gleich dreifach in der Stadt. Der Inbegriff klassischer Tanzkunst ist im Kern ein tieftrauriges Märchen: Die in einen Schwan verzauberte Prinzessin kann nur durch wahre Liebe erlöst und in eine Frau zurück verwandelt werden; Rettung naht in Gestalt des Prinzen Siegfried, der bricht jedoch durch eine weitere Teufelei Rotbarts nichtsahnend seinen Treueschwur und liefert seine Geliebte unfreiwillig auf immer dem tierischen Dasein aus …

Die Uraufführung 1877 in St. Petersburg war ein sensationeller Misserfolg, erst die Fassung von 1895 gefiel dem Publikum. Der Clou: Die beiden extrem gegensätzlichen Charaktere des weißen und schwarzen Schwans – unschuldiges Original und boshafte Fälschung – werden von der selben Tänzerin verkörpert, eine enorme Herausforderung.

Das „Staatliche Russische Ballett“ aus Moskau ist eine reine Tournee-Truppe, folglich verzichtet man gern auf großformatige Bühnenbilder. Wjatscheslaw Gordejew, einst Tänzer am Moskauer Ur-Bolshoi-Ballett, leitet die Compagnie mit Schwerpunkt auf dem hohen tanztechnischen Niveau der russischen Schule. (CCH, 31.1.,15 und 19 Uhr, ab 29,80 Euro)

Obwohl ebenfalls als Tournee-Theater ständig unterwegs, reist das „Russische Nationalballett“ von Moskau aus mit großem Gepäck und erzählt das getanzte Märchen in opulenter Ausstattung. Die Ballettschulen und Akademien in Russland bringen mehr Tänzer hervor, als die Theater beschäftigen können; wer also kein Festengagement an einem Haus ergattert, schließt sich einem mobilen Ensemble an. (CCH, 7.2., 19 Uhr, ab 41,85 Euro)

Unbelastet von klassischer Tradition, kreiert der schwedische Choreograf Fredrik Rydman „Swan Lake Reloaded“. Seine Schwäne sind drogensüchtige Prostituierte, die aus dem Rotlichtmilieu des dealenden Zuhälters befreit werden wollen. Rydman mischt die bekannte Tschaikowsky-Musik mit zeitgenössischen Beats, Ballett mit Breakdance auf. (Mehr!Theater, 9.–14.2., tägl. 20 Uhr, Sa. auch 15 Uhr, So. nur 15 Uhr, ab 34,90 Euro)

Nur eine Szene ist in allen Versionen geblieben: Der unschuldige Nachwuchs im Tanz der vier kleinen Schwäne!

CCH, Am Dammtor, www.hamburg.de/ticket
Mehr! Theater am Großmarkt, Banksstr. 28, Tel. 47 11 06 33

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