Ein Maskenball

Opernloft im Ernst Deutsch Theater

3. September 2016 14:55 Uhr
Ein Maskenball

Freiwillige vor! Ulrica (Soomi Hong, l.) und Oscar (Anne-Fleur Werner) suchen Kanditaten für ihre Fernsehshow

Text: Christian Hanke /Foto: Silke Heyer

Gelungene Opernpremiere im Ernst Deutsch Theater: Starkes Personal spielt und singt einen Verdi-Klassiker als heutige Fernsehshow.

Das Opernloft, derzeit ohne eigene Spielstätte, bestritt die erste Inszenierung der neuen Saison: „Ein Maskenball“ von Guiseppe Verdi. Inken Rahardt, Intendantin des Opernlofts, inszenierte den Klassiker getreu dem Konzept ihrer Bühne: auf 90 Minuten gekürzt und das dramatische Geschehen aus dem 19. Jahrhundert mit heutiger Bedeutung versehen. Dazu mussten Handlung und Personen ein wenig umgebaut werden. Die deutschen Interpretationen von einigen der italienisch gesungenen Arien, die auf Bühnenwänden zu lesen waren, erhielten einen heutigen Sprachduktus. Der Maskenball verwandelt sich in eine Fernsehshow, in der Oscar und Ulrica – im Original Page und Wahrsagerin – den Kandidaten das große Glück versprechen.

Als Moderatoren geben sie die Kandidaten zur Freude des Publikums der Lächerlichkeit preis. Kostümiert als Funkenmariechen (Oskar) und Pierrot (Ulrica) gehen sie mit Taschenlampen auf Kandidatensuche: „Wir suchen dich, du bist ein Star.“ Den Maskenball des 19. Jahrhunderts sieht Dramaturgin Susann Oberacker „als Symbol des Vergnügens fernab des Alltags“. Wie man damals hinter Masken versteckt das große Glück suchte, suchen es heute Kandidaten in diversen Fernsehshows.

Die drei in Liebeshändel verwickelten Personen sind hier Teilnehmer der Show, die zu Beginn im Publikum sitzen. Amelia, in der Opernloft-Version als „kecke Kosmetikerin“ charakterisiert, die Frau von Renato, dem „urigen Urologen“, verliebt sich in Riccardo, den „markanten Makler“, der sie heißblütig begehrt und sich als unwiderstehlicher Lover rühmt. Renato schwört finstere Rache, weshalb er im Cowboy-Outfit auftreten darf. All diese Gefühlsausbrüche ereignen sich während der Show. Oskar und Ulrica helfen mit Hypnose kräftig nach. Aus Spiel wird bitterer Ernst. Als Oskar und Ulrica den Ernst ihrer Lage erkennen, erklären sie krampfhaft alles zum großen Vergnügen und überschütten die Kandidaten mit Lametta. Amelia, Riccardo und Renato, die ihr Leben als zerstört begreifen, tun sich zusammen und wenden sich gegen die Moderatoren. Die Show nimmt offenbar ein tödliches Ende. Doch: The Show must go on …

Die überaus unterhaltsame und intelligente Inszenierung wird durch die punktgenauen Schauspiel- und Sangeskünste der Darsteller vollends zum Vergnügen. Anne-Fleur Werner und Soomi Hong wissen als Oscar und Ulrica mit Witz, Ideenreichtum und sprühendem Temperament zu begeistern. Aline Lettow verbreitet als Amelia mit ihren Arien großes Opernflair, und die beiden Sänger Richard Neugebauer (Riccardo) und Axel Wolloscheck (Renato) wissen mit Stimme und Spiel ebenfalls zu überzeugen. Ganz großartig spielten Makiko Eguchi (Klavier), Patchinova Sornitza (Geige) und Sonja Jünemann (Klarinette) Verdis Musik: drei Instrumente statt eines ganzen Orchesters, glänzend arrangiert von Makiko Eguchi. Das Publikum darf sich in der Pause ins Volksvergnügen einfügen: Zur „Polonäse Blankenese“ wurde durchs Foyer getanzt.

Aufführungen bis 24.9., Ernst Deutsch Theater

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