Giseles Index oder Plakat Taten

Bauchladen Monopol, Ottenser Hauptstraße

20. Juli 2013 12:51 Uhr
Giseles Index

Carolin Christa, Sonia Franken, Sophia Guttendörfer und Regina Rossi hinterfragen Frauenbilder

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Bauchladen Monopol

„Fast so schön wie eine Frau. Tickt nur richtig.“ Frauenfeindlich? Sicher! Aber für einen werbewirksamen Spruch werden bekanntlich schamfrei Grenzen überschritten. Mit diesem wirbt ein Uhrenhersteller, der hier nicht genannt werden soll. Solche und ähnliche Slogans (bezeichnenderweise meinte das Wort früher Sammel- und Schlachtrufe schottischer Clans!) stoßen nur noch wenigen unangenehm auf. Zu ihnen gehört „Bauchladen Monopol“, eine freie Gruppe aus Hamburg und Köln.

Ihre Performance „Giseles Index“ thematisiert das professionelle Vermarkten von Frauenkörpern im Medien-Zeitalter. Wer beim Titel Bezüge zum romantischen Ballett „Giselle“ herstellt, liegt falsch. Es geht um Gisele Bündchen. Deren frei erfundene Lebensgeschichte wird genüsslich ausgeschmückt und im betulichen Märchenton vorgelesen, während vier Darstellerinnen umschichtig dem Model ihren Körper leihen – ohne Photoshop-Nachbearbeitung.

Die Vorgeschichte: „Gisele Bündchen, 31, brasilianisches Supermodel, ist an der Wall Street ein heißer Tipp. Der ‚Gisele-Index‘, der die Börsenentwicklung aller Firmen darstellt, die Bündchen als Werbeträgerin beschäftigen, schlägt den Dow Jones um Längen. Vor vier Jahren hatte der amerikanische Finanzexperte Fred Fuld den Gisele-Index erfunden, seither stieg er um 41 Prozent; der Dow Jones fiel im gleichen Zeitraum um 4 Prozent. Unter den Firmen, für die Bündchen wirbt, sind …“* NEIN, hier gibt’s weder schleichende noch sonstige Werbung jenseits der Theaterwelt!

Carolin Christa, Sonia Franken, Sophia Guttendörfer und Regina Rossi rollen ihren roten Teppich da aus, wo er hingehört: In den Fußgängerzonen bekannter Einkaufsmeilen. Als Bühnenbild dient ihnen einer dieser Wechselwerbebanner, auf denen garantiert eine Frau auftaucht: Auch Gisele wohnt in einem solchen papierenen Schloss hinter Glas, und darin muss sie immer rauf und runter fahren. Wieso klebt keine Erde an ihr, wenn sie von unten wieder hochfährt? Fragen die Performerinnen. Ähnlich berechtigt naiv schicken sie andere Fragen ins Publikum: Wieso glaubt ihr, dass Cremes jünger machen und Mode schöner? In der Werbung herrschen Glaubensfragen, jenen der Religionen nicht unähnlich. Gott indes will nichts verkaufen …

In der Ottenser Hauptstraße scharen sich zur besten Einkaufszeit viele Zuschauer um die unerwartete und witzige Performance „Giseles Index“, sie tragen Tüten und Taschen. Auf einer steht „Her mit den heißen Schnallen.“

*Der Spiegel 48/2011

Heute, 20. Juli 18:30 Uhr, Ottenser Hauptstraße vor dem Mercado

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