Mit Kirschen Mäuse machen?

Kommentar zum "Obstgärtchen" des Theater Mär

18. Februar 2017 9:17 Uhr
Obstgärtchen

Gärtner Thomas (Peter Markhoff) sucht noch fleißige Erntehelfer

Text: Angela Dietz / Foto: Daniel Wolcke

Seit über 25 Jahren inszeniert das Theater Mär Stücke für Kinder ab zwei, drei Jahren. Meistens dramatisiert die freie Gruppe literarische Vorlagen, wie „Die Königin der Farben“, „Oh, wie schön ist Panama“ oder „Gute Nacht, Gorilla“. Jetzt hat sie ein Brettspiel aus dem Haba-Verlag auf die Bühne gebracht: „Das Obstgärtchen“. Auf Plakat und Flyer prangt das Logo des Spielzeugherstellers Habermaaß GmbH (Haba). Macht das Theater Mär damit Werbung für den Verlag?

Das mit 94 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2013 überaus erfolgreiche und sehr bekannte Unternehmen hat die Werbung eines freien, künstlerisch erfolgreichen Kindertheaters sicher nicht nötig. Finanziell klamm sind dagegen meist die freien Gruppen. Für die Aufführungsrechte bekannter Erzählungen und Bilderbücher sind dagegen Gebühren zu zahlen, und die können mit bis zu zehn Prozent der Einnahmen, laut Peter Markhoff vom Theater Mär, gepfeffert sein. Ist kein Geld für die Produktion vorhanden – durch fehlende Kulturbehördenförderung oder Spender und Sponsoren – gilt es für jede Gruppe unter Umständen monatelange Durststrecken auszuhalten.

Warum werden dann keine eigenen Stücke entwickelt? Könnte man fragen. Dafür kann es zwei Gründe geben. Ein Stück schreibt sich nicht so schnell, und auch Autoren müssen essen und Rechnungen bezahlen, ergo brauchen sie Geld. Hört man sich in der Szene um, so heißt es zudem, die Kitas und insbesondere die Schulen seien in den vergangenen Jahren immer zögerlicher mit den Buchungen von Aufführungen freier Theatergruppen geworden. Setzt man darauf, und das ist die Strategie des Theater Mär, viel zu spielen, ist man auf diese Einnahmen angewiesen. Spielt man Titel, die Kinder und Pädagogen kennen, hat man einen Vorteil bei den Buchungen. Ob eine freie Theatergruppe damit in den finanziell grünen Bereich gelangt, steht auf einem anderen Blatt.

Folglich wirbt das Theater Mär mit einem bekannten Namen für sich, in diesem Fall mit dem Namen des Spielzeugherstellers. Tatsächlich ist es so, dass Haba für die Aufführungen keine Lizenzgebühren verlangt, erklärt das Theater Mär auf Nachfrage. Ursprünglich hatte Peter Markhoff den Verlag gefragt, ob er eine Produktion finanzieren würde, aber eine abschlägige Antwort erhalten. Das Spiel „Obstgarten“ verkaufte sich seit 1986 rund 2,5 Millionen Mal. So kam es zur „Gebührenbefreiung“. Dass Haba als Rechteinhaber erwähnt sein möchte und muss, liegt auf der Hand.

In Zeiten von Crossmarketing oder – mit Blick auf Kinder als Käufer von Produkten – von Unternehmen, die unter Nennung des Namens in Schulen als Sponsor oder Verkäufer von Unterrichtsmaterial auftauchen, ist dieser Werbeaspekt beim Theater Mär zu vernachlässigen. Ein Protestschrei gegen Marketing in Schulen wurde bisher nicht vernommen. Und in den USA führt der neue Lego-Batman-Film die Kino-Charts an – zwei Giganten, Warner Brothers und Lego, produzieren und vermarkten gemeinsam –, ein Segment mit der Zielgruppe Kinder.

Über die künstlerische Qualität einer Theater- oder Film-Produktion sagen diese Formen des Marketing nichts aus. Frauke Rubarth und Peter Markhoff vom Theater Mär sehen für sich eine künstlerische Herausforderung, ein Brettspiel auf die Bühne zu bringen.

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