»Sie trank sogar Fleischsaft«

Interview mit Roberta Valentini

16. März 2016 13:32 Uhr
Elisabeth

Elisabeth (Roberta Valentini) will von den Fesseln des Hofes entfliehen

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Juliane Bischoff (Labelle)

Sechs Mal pro Woche verwandelt sich Roberta Valentini in die berühmte Österreichische Kaiserin „Elisabeth“, um im gleichnamigem Musical „Die wahre Geschichte der Sissi“ zu erzählen. Hier spricht die sympathische Italienerin über Klischees, Konkurrenz und kaiserliche Tattoos.

GODOT: Mögen Sie diese Elisabeth?
Roberta Valentini: Ja, ich mag sie sehr. Sie war eine Kämpferin, und das bewundere ich.

GODOT: Sie kennen das, kämpfen zu müssen?
RV: Jeder muss kämpfen, der etwas erreichen will. Frauen noch ein bisschen mehr als Männer. Ich musste auch kämpfen, aber nicht, weil ich eine Frau bin, sondern als Künstlerin, die einen Job will.

GODOT: Wegen des großen Konkurrenzdrucks in der Musicalbranche?
RV: Der ist sehr groß. Ich habe oft Absagen bekommen, weil ich nicht der gängige Musical-Typ bin: nicht blond, nicht klein, also nicht jemand, den man schnell austauschen kann. Aber genau das suchen die großen Produktionen.

GODOT: Sie sind als Kind italienischer Einwanderer in Nürnberg aufgewachsen, welche Rolle spielte Musik in der Familie?
RV: Zuhause wurde immer gesungen. Vor allem auf den zehnstündigen Autofahrten von Nürnberg nach Italien, meine Eltern und wir drei Geschwister haben ständig Musik gehört oder Singspiele gemacht.

GODOT: 2006 absolvierten Sie die Bayerische Theaterakademie August Everding als Musical-Darstellerin, von welchen Rollen haben Sie während der Ausbildung geträumt?
RV: Tatsächlich war die „Elisabeth“ eine meiner Traumrollen. Und ich habe sie sogar schon vor zehn Jahren im Schweizerischen Thun gespielt. Aber frisch aus der Schule fühlte ich mich zu jung und ich habe mir damals schon gewünscht, die Rolle noch einmal zu spielen, wenn ich älter und erfahrener bin.

GODOT: Wie haben Sie sich beim zweiten Mal vorbereitet?
RV: Ich habe ihre Biografie gelesen, aus der auch Text-Passagen ins Musical übernommen wurden. In Wien bin ich ins Museum gegangen, habe mir Kleider und Perücken angeschaut. Und ihr Badezimmer – sie war eine der ersten, die eine Badewanne hatte.

GODOT: Und einen ausgeprägten Körperkult betrieb …
RV: Zwei Stunden pro Tag hat sie ihre langen Haare gekämmt! Und in Milch gebadet. Und nur wenig feste Nahrung gegessen, sondern sich stattdessen alles auspressen lassen, sie trank sogar Fleischsaft. Bei einer Größe von 1,70 Meter hatte sie eine Taille von 51 Zentimetern, auf die sie sehr stolz war. Und was die wenigsten wissen: Sie hatte ein Tattoo, einen Anker auf der Schulter!

GODOT: Diese Titelrolle ist enorm anstrengend …
RV: Besonders Backstage: Ich habe 14 Kostümwechsel, der schnellste muss in dreißig Sekunden passieren! Das klappt nur, weil die Ankleiderin und die Maskenbildnerin jeden Handgriff perfekt beherrschen. Hinter der Bühne ist es oft stressiger als auf der Bühne.

GODOT: Was tun Sie, um sich zu erholen?
RV: Schlafen. Nach einer Vorstellung gehe ich nach Hause, esse, trinke Tee und schlafe mich aus.

GODOT: Und wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?
RV: Dann singe ich in einer Band. Italienische Schlager von Celentano oder bekannte Popsongs. Das mache ich seit zwanzig Jahren, es ist eine tolle Abwechslung: Im Musical ist alles sehr festgelegt. Aber wenn ich mit der Band singe, bin ich frei.

„Elisabeth“ bis 27.3. tgl. außer Mo., Di./Mi. 18:30 Uhr, Do./Fr./Sa. 19:30 Uhr, Sa. auch 15 Uhr, So. 14 u. 19 Uhr, im Mehr!Theater im Großmarkt, Banksstr. 28, Karten ab 28,90 Euro, Tel. 01805-2001

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