So als ob!

kirschkern & COMPES im Fundus Theater

23. November 2017 15:49 Uhr
So als ob!

Mit einem Koffer voller Ideen: Judith Compes (li.) und Sabine Dahlhaus als Theaterclowns

Text: Angela Dietz / Foto: Ellen Coenders

„So als ob!“ spielen die Clowns Lollo und Walli Theater im neuesten Stück von kirschkern & COMPES. Gerade erst für ihre Inszenierung von „Kuckuck, Krake, Kakerlake“ mit dem zum ersten Mal verliehenen Barbara Kisseler Theaterpreis ausgezeichnet, haben sich Sabine Dahlhaus und Judith Compes nun gemeinsam mit ihrem kongenialen Allround-Partner Marcel Weinand an eine Produktion für Kinder ab drei Jahren ohne Textvorlage gewagt.

Szene für Szene deklinieren sie das „So als ob“ des Theaters durch, Bühne, Szene, Vorhang, Licht – „ist jetzt anner“, ruft Lollo vom Mischpult aus –  Maske, Kostüm, Tricks, Running Gags, Lautsprache, Dialoge und die dazugehörigen Rollen vom Platzanweiser über den Bühnenarbeiter bis zum Schauspieler.

Der Streit um den Sitzplatz mit immer schnellerem Stuhlgetausche, -geschiebe, -gedrehe hinterm Rücken des jeweils anderen Clowns endet damit, dass beide richtig sitzen. Judith Compesʼ Walli, in rot-samtener Zirkusjoppe, gelingt eine wunderschön inszenierte Improvisation mit dem Vorhang, der sich vom Pferd zum Turban und schließlich zum Schleier verwandelt. Hochkomisch, wenn im Nu die pastorale Halskrause ein paar Stockwerke tiefer am Körper zum Tutu einer Tänzerin wird.

Ihr schräger Humor, ihre ganz eigene Komik ist diesmal durchwirkt von der Kunst all der großen Vorbilder. Wo Kinder über die Situationskomik lachen – Vorhang auf, auf der Bühne steht Sabine Dahlhaus als Lollo mit dickem Bauch im Streifenhemd, dem Publikum den Rücken zugewandt und kratzt sich ausgiebig am Hintern – erscheinen vor den Augen der Erwachsenen gleichzeitig Dick und Doof und Charlie Chaplin. Auch Loriot, Buster Keaton und die Marx Brothers lassen grüßen. Etwa wenn Lollo Walli nur mit rhythmischen Lauten und Fingerzeigen auf die zweireihige Knopfreihe zu verstehen gibt, warum er besser für die Direktoren-Rolle geeignet ist.

Sprachlich bedienen sich die beiden Schauspielerinnen eines für das Genre Komik ebenso passenden Minimalismus wie für die Altersgruppe ab drei Jahren. Zwischen zeitgenössischer Kurzsprache „Chaka“, wenn sie sich als Haustechniker die Hand abklatschen, dem Bienengesumm, einer Posaunen-Vokal-Imitation für das „Girl from Ipanema“ als Begleitung einer Liebesszene.

Wenn Walli dem tumben Lollo unpassende Stichwörter souffliert, übertreibt der seinen Quatsch in schönstem falschen Pathos als König Lothar der Siebenundvierzigste: „Er mache Musik. Er reime. Jetzt sei er ein Gemüse, Möhre, Lauch, Brokkoli.“

Nie ist auf der kirschkern-&-COMPES-Bühne etwas albern, was bloß beschrieben so erscheinen mag. Dafür sorgen Marcel Weinands Dramaturgie und Regie sowie die spielerische Präzision der Schauspielerinnen. Mit „So als ob!“ ist dem Trio eine für Dreijährige wie deren Eltern gleichermaßen spaßige, lustvolle Inszenierung gelungen, die das Wesen des Theaters bloßlegt ohne den Zauber zu zerstören.

Nächste Aufführung: 16.12., 16 Uhr, Lichthof Theater, Mendelssohnstraße 15b

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