Tanguera

Staatsoper Hamburg

18. August 2014 16:27 Uhr
Tanguera

Schlecht beleumundete Kerle in schlecht beleuchteten Spelunken

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Manuel Navarro

Mit einem kleinen Koffer und großen Träumen geht die junge Französin Giselle im Hafen von Buenos Aires mit unsicheren Schritten von Bord. Was sie erwartet, übertrifft ihre schlimmsten Ahnungen: In einer üblen Kneipe warten unappetitliche Männer auf frisches Frauenfleisch, der versprochene Job entpuppt sich als trostlose Prostitution.

So beginnt „Tanguera“, das weltweit erste Tango-Musical aus Buenos Aires. Während der Sommerpause zu Gast in der Hamburger Oper, entführt der 90-minütige Abend das Publikum auf eine Zeitreise ans Ende des 19. Jahrhunderts. Damals brachen unzählige Europäer aus ihrer krisengeschüttelten Heimat zu südamerikanischen Abenteuern auf – und strandeten in den Elendsvierteln der Großstadt, so wie Giselle. Doch die junge Frau kämpft: gegen brutale Zuhälter und für ihre Liebe zum argentinischen Hafenarbeiter, der sie aus den Fängen der Mafia befreien will.

Allein mit ihrer Körpersprache erzählen die argentinischen Tänzer Giselles Geschichte – und gleichzeitig jede Menge über die berüchtigte Zeit, als der Tango entstand: Mit grobem Griff und wilden Wendungen unterwirft der Zuhälter die Neue; eine alternde Sängerin ringt in der Kneipe um einen Rest an Selbstachtung; dort müssen sich auch die jungen Frauen den zahlenden Freiern unmissverständlich anbieten. Eingebettet sind solch sprechende Gesten in virtuosen Tango, den erotischsten alle Gesellschaftstänze. Rasant wirbeln die Paare umher, die Beine der Tänzerinnen umgarnen die Männerkörper anzüglich, verwickeln den Partner in endlose Drehungen oder initiieren den Dialog von vier Beinen. Das sechsköpfige Tango-Orchester schafft live für jede Szene die bestmögliche Atmosphäre. Und während Giselle dem Elend entkommen kann, holt der Mafioso das nächste Mädchen vom Schiff ins Unglück ab. Doch am Ende siegen Hoffnung und Lebensfreude in einem rauschhaften Tango.

Aufführungen bis 24.8., Di–Fr 20 Uhr, Sa 15+20 Uhr, So 14+19 Uhr, Staatsoper
Karten 28–71,50 Euro, Tel. 35 68 68 und 450 118 676

0 Kommentare

Sie können der erste Kommentator sein.

Schreiben Sie einen Kommentar.